
AUERBACH – Bunte Lichter tauchten die mittelalterlichen Mauern in kräftige Farben, die Dekanatsband sorgte für Musik und mehr als 300 Menschen feierten gemeinsam: Der traditionelle Schloss-JuGo auf Schloss Auerbach hat am Samstagabend sein 20. Jubiläum gefeiert. Unter dem Motto „Mach laut, mach bunt, mach mit – mach Jubiläum“ kamen vor allem Teenager aus dem Evangelischen Dekanat Bergstraße zusammen. Auch Gäste aus dem Nachbardekanat Darmstadt waren angereist. Viele der Teilnehmenden kamen als Konfirmandengruppen auf die Auerbacher Schlossruine. Gemeinsam hörten sie auf Gottes Wort, beteten und sangen. Jugendliche und junge Erwachsene hatten den Gottesdienst unter Anleitung von Gemeindepädagoge Arik Siegel vorbereitet. Sie übernahmen auch an diesem Abend große Teile des Programms selbst.
Im Mittelpunkt des Impulses stand ein „Lichtbrecher“, ein Prisma, das weißes Licht in die Farben des Spektrums zerlegt. Die Jugendlichen schlugen damit eine Brücke zum christlichen Glauben. Sie erinnerten an Jesu Worte „Ich bin das Licht der Welt“ und fragten, wie Menschen dieses Licht weitergeben können. Ihre Antwort führte mitten in den Alltag. Wer offen auf andere zugehe, niemanden ausschließe und für Werte wie Toleranz, Meinungsfreiheit und Vielfalt eintrete, könne das Licht weitertragen. „Wir sind quasi wie Lichtbrecher, die das Licht, das von Jesus kommt, weitergeben“, hieß es in der Ansprache. Aus einem einzelnen Licht entstehe so Vielfalt. Und viele Farben könnten gemeinsam wieder helles Licht ergeben.
Auch die Fürbitten griffen gesellschaftliche Themen auf. Die Jugendlichen beteten für Frieden und gegen Leid und Unrecht. Sie baten um Schutz für Menschen, die wegen ihrer Identität oder sexuellen Orientierung ausgegrenzt werden. Auch Konfirmierte und Jugendliche, die vor ihrer Konfirmation stehen, kamen in den Gebeten vor. Musikalisch begleitete die Band des Evangelischen Dekanats Bergstraße unter Leitung von Bruno Ehret, dem Dekanatsbeauftragten für Popularmusik, den Gottesdienst. Mit Liedern wie „Alles tanzt“, „My Lighthouse“, „Riptide“ und dem gesungenen Vaterunser lud sie zum Mitsingen ein. Beim Lied „Oceans“ bereiteten die Teilnehmenden eine besondere Segensaktion vor.
Dafür erhielten sie Bierdeckel mit Bensheimer Motiven. Auf die Rückseite schrieben sie einen Segen oder eine nette Botschaft für einen anderen Menschen. Nach dem Segen durch Stephan Arras, Propst der Propstei Starkenburg, flogen die Bierdeckel gleichzeitig durch die Menge. Anschließend nahm jede und jeder eine neue Botschaft mit nach Hause. Der Vorstand der Evangelischen Jugend im Dekanat Bergstraße nutzte das Jubiläum zudem für einen Blick in die Zukunft. Die Jugendlichen warben für den Jugendkirchentag 2028, der in Bensheim stattfinden wird. Die Kollekte des Abends war für „SprungSchance“ der Diakonie Südhessen bestimmt. Das Angebot richtet sich an junge Menschen zwischen 18 und 27 Jahren im Kreis Bergstraße, die sich in einer seelischen oder persönlichen Krise befinden. Sie erhalten dort kostenfreie und unverbindliche psychosoziale Beratung und Begleitung.
Zum 20. Geburtstag gab es auch Glückwünsche und Süßes. Pfarrerin Silke Bienhaus, stellvertretende Dekanin des Evangelischen Dekanats Bergstraße, dankte gemeinsam mit Dekanin Sonja Mattes dem Schloss-JuGo-Team für dessen Engagement. Bienhaus hatte passend zum Veranstaltungsort einen veganen und glutenfreien Kuchen in Form eines mittelalterlichen Schlosses gebacken. Für die Teilnehmenden gab es außerdem Schaumküsse. Nach dem Gottesdienst war der Jubiläumsabend noch nicht beendet. Nach einer kurzen Umbaupause gehörte die Bühne dem 19-jährigen Rapper Noah Tendai, der gemeinsam mit einem Schlagzeuger auftrat. Tendai verbindet in seiner Musik persönliche Geschichten mit unterschiedlichen musikalischen Einflüssen. Seine Wurzeln liegen in Barbados und Deutschland.
Musik begleitet ihn seit seiner Kindheit. In seiner Familie lernte er Reggae, Soca, Gospel, RnB und Soul kennen. Er spielte früh Bass, Ukulele und Gitarre und entdeckte mit 13 Jahren den Rap. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählen Nas, NF und Kendrick Lamar. Seine eigenen Stücke entwickelt er gemeinsam mit Produzenten aus seinem Umfeld, darunter sein Bruder Levi Samo und Jomoa. Trotz seines jungen Alters stand Tendai bereits vor großem Publikum auf der Bühne. Im Sommer 2023 trat er als Gastrapper auf dem Nürnberger Kornmarkt vor rund 20.000 Menschen auf. Beim Eröffnungsgottesdienst des Deutschen Evangelischen Kirchentages in Hannover sang er im April 2025 vor etwa 30.000 Menschen auf dem Platz der Menschenrechte. Zudem war er bereits als Support für Megaloh und Curse zu erleben.
Sein Künstlername spiegelt zugleich seine Haltung wider. „Tendai“ bedeutet in der Shona-Sprache „Gott dankbar sein“. Dankbarkeit spielt auch in seiner Musik und seinen Texten eine wichtige Rolle. Veranstaltet wurde der Schloss-JuGo erneut von den evangelischen Kirchengemeinden Auerbach und Gronau/Zell, der Stephanusgemeinde Bensheim sowie der Evangelischen Jugend im Dekanat Bergstraße. Rund um den Gottesdienst sorgte das Team auch für Laugenbrezeln und Getränke. Ein besonderer Dank der Organisatoren galt der Pächterfamilie Pietralla. Sie stellt das Schloss für den Jugendgottesdienst seit Jahren unentgeltlich zur Verfügung und ermöglicht damit, dass Jugendliche an diesem besonderen Ort gemeinsam Gottesdienst feiern können. Nach dem Jubiläum ist der Blick bereits nach vorn gerichtet: Im kommenden Jahr soll es wieder einen Schloss-JuGo auf der Auerbacher Schlossruine geben. Und spätestens 2028 wollen sich viele der Jugendlichen beim Jugendkirchentag in Bensheim wiedersehen. zg
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