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  • Do., 09. Februar 2017, 23:19 Uhr
    Poetry-Slam-Workshop im Altenheim St. Elisabeth mit EKS-Schülern

    Gemeinsame Weisheit in Elfchen und anderen Gedichtformen

    „Sehr, sehr gute Texte“ - das Lob kam vom Berliner Poetry Slammer Ken Yamamoto, der den Poetry-Slam-Workshop begleitete. Die Texte sollen auf der Seite www.caritas-bistum-mainz.de veröffentlicht werden. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT –  Eine ganz neue Erfahrung war es für alle, für die Alten, die Jungen und die Caritas-Verantwortlichen selbst, die ihr Projekt „Slam für das WIR“ am Mittwoch zum ersten Mal präsentierten. Der Poetry-Slam-Workshop im Altenpflegeheim St. Elisabeth vereinte fünfzehn Senioren des Altenheims St. Elisabeth und des Betreuten Wohnens im Alter bis 92 Jahre mit fünfzehn Jugendlichen der 8. Jahrgangsstufe der Erich-Kästner-Schule zu einem Tag der Kommunikation und des gemeinsamen Dichtens. Unter Anleitung des Berliner Poetry Slammers Ken Yamamoto, der in Paris geboren und in Berlin aufgewachsen ist, kamen Jung und Alt ins Gespräch, um aus dieser Erfahrung in eigenen Gedichten Gefühlen, Gedanken und Erkenntnissen in besonderen Formen Ausdruck zu verleihen. In den Gedichten spiegelte sich eine intensive Tiefe, auf ganz eindrucksvolle Weise sprach Weisheit aus ihnen, große Emotionen in wenigen Worten und Sätzen. Beginn des Workshops war um zehn Uhr vormittags, fünf Stunden später stellten die Teilnehmer ihre Werke im Briebelsaal dem Publikum vor. In ihrer „Schreibwerkstatt“ in der Erich-Kästner-Schule (EKS), geleitet von Schulleiterin Stefanie Decker, hatten die jungen Leute im Alter von 13 bis 15 Jahre schon gelernt, was beispielsweise mit Stufengedichten, Elfchen und einem Akrostychon oder Rondell anzufangen ist. Auf diese Kenntnisse konnte der Profi-Poetry-Slammer Yamamoto aufbauen, ein Vorteil mit Zeitgewinn für die gemeinsame Arbeit im Workshop, wie er später im Gespräch erklärte. Großes Lob erhielten die jungen und älteren Wortkünstler von allen Seiten. Bürgermeisterin Barbara Schader sprach von einer Glanzleistung, man habe gespürt, dass die Worte von Herzen kommen. Ebenso begeistert waren die Organisatoren und Verantwortlichen des Caritasverbandes Darmstadt und des Diöszesan-Caritasverbandes im Bistums Mainz, Stefanie Rhein (Mitglied der Geschäftsführung und Nachfolgerin von Franz-Josef  Kiefer im Sommer), Julia Gaschik (Referentin für die „youngcaritas“) und Christoph Schäfer (Referent der Abteilung Altenhilfe). Zum 100-jährigen Wirken der Caritas im Bistum Mainz hatte der Caritasverband in Zusammenarbeit mit dem Bund der Katholischen Jugend das Projekt „Slam für das Wir“ auf die Beine gestellt. Zu den Themen Wohnungslosigkeit, Flüchtlinge und Sucht werden drei Workshops in weiteren Einrichtungen stattfinden. Nach diesem erfolgreichen Tag wünschte sich Poetry Slammer und Dichter Yamamoto, dass sich solche Begegnungen als etwas Selbstverständliches etablieren könnten. Wünschenswert sei auch ein  natürlicher Umgang mit Dichtung. Nacheinander traten die Jugendlichen ans Mikrofon, für einige war es ihr erster Auftritt vor Publikum. Mit einem Elfchen fing der Poetry Slam an. Julius hatte gedichtet: „Zeit vergeht, man wird erfahren, ich lerne aus Fehlern“. Ein anderes Elfchen hatte die Jugend, Feldarbeit und Freunde zum Thema: „Freunde, ich brauche sie, sie brauchen mich“. In den Gesprächen mit den Senioren sei es häufig um Feldarbeit gegangen, berichtete Yamamoto. Ein Sack Kartoffeln hätte damals fünf Pfennige eingebracht, heutige 2,5 Cent: „Das kann sich heute keiner mehr vorstellen“. Ein Satz von Alex zum Thema Jugend: „Die Zeit verfließt“.

    Beim Poetry-Slam-Workshop hatte Doris Keinz eine große Portion Humor in ihre mit „Bärrstädter“ Mundart gereimten Verse gebracht, in denen sie dem Ereignis Poetry Slam im Altenheim St. Elisabeth auf den Grund ging. Foto: Hannelore Nowacki


    Marc hatte ein „Rondell“-Gedicht geschrieben: „Die Jugend ist schön, die Jugend kann aber auch das komplette Gegenteil sein“. Zum Thema Großeltern schrieb er: „Großeltern sind entspannt, Großeltern wissen viel, Großeltern sind immer für einen da“. Ein „Elfchen“ ist ein Gedicht mit elf Wörtern, beim „Rondell“ wiederholen sich immer einige Zeilen. Wie bei Lorans Gedicht drängte der Vortrag, der eigentlich nur aus einem Satz besteht, zum genauen Zuhören. „Ich fand es gut, dass wir Jungen uns mit den Senioren zusammengesetzt haben und miteinander geredet haben“. Der Satz werde aufgebrochen, er habe dadurch Gewicht und sei keine Beiläufigkeit mehr, erläuterte Yamamoto. Kevin hatte formuliert: „Ich lebe in der Zukunft und in der Vergangenheit zugleich“. In seinem Stufengedicht sagte David: „Das Leben ist sehr kostbar“. Heimmitarbeiterin Biggi hatte im Workshop eine „Schreibübung“ zu Papier gebracht, Zeilen an die junge, 16-jährige Biggi, mit Grüßen und guten Wünschen von „Biggi Senior“. Auch Anni Jakob hatte an die junge Anni geschrieben. Die 75-jährige Doris Keinz, schon lange ehrenamtlich in St. Elisabeth tätig und im Reimen zur Fastnacht geübt, hatte im „Bärrstädter Dialekt“ humorvoll über ihre gänzlich neue Begegnung mit dem „Poetry Slam“ gedichtet. Der  evangelische Pfarrer Rainer Heymach hatte sich dem Poetry Slam auf ganz eigene Weise angeschlossen – sein Gedicht las er cool vom Handy ab und verblüffte damit nicht nur Poetry Slammer Yamamoto. Heimleiter Günter Schwering bat anschließend alle zu Kaffee und Kuchen. Hannelore Nowacki

     

     

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