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    BUNDESAGENTUR FÜR ARBEIT: Schon heute fehlen in vielen Berufen Fachkräfte / Mit dem bevorstehenden Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge aus dem Berufsleben wird sich Problem verschärfen

    Generationenwechsel am hessischen Arbeitsmarkt

    Foto: Steffen Heumann

    HESSEN – Der demografische Wandel verändert den hessischen Arbeitsmarkt. Viele erfahrene Beschäftigte werden in den kommenden Jahren altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Gleichzeitig fehlen bereits heute in zahlreichen Berufen qualifizierte Fachkräfte. Damit treffen zwei Entwicklungen aufeinander. Der Arbeitsmarkt und die Unternehmen stehen gleichermaßen vor der Herausforderung, den Generationenwechsel aktiv zu gestalten und gleichzeitig ausreichend Fachkräfte zu sichern.

    Ein Blick auf die Bevölkerungsentwicklung zeigt, warum dieses Thema zunehmend an Bedeutung gewinnt. In Hessen leben rund 6,28 Millionen Menschen. Bereits 2,33 Millionen, beziehungsweise 37 Prozent der Bevölkerung, sind 55 Jahre oder älter, während nur 1,53 Millionen Menschen, beziehungsweise 24 Prozent, unter 25 Jahre alt sind. Im vergangenen Jahr wurden 18.458 mehr Sterbefälle als Geburten registriert. Gleichzeitig verzeichnete Hessen einen positiven Wanderungssaldo von 30.688 Personen. Das bedeutet, dass mehr Menschen nach Hessen zugezogen als fortgezogen sind. Dieser Zuwachs hilft den Rückgang der Erwerbstätigen teilweise auszugleichen, ändert jedoch nichts daran, dass die Bevölkerung insgesamt älter wird.
    Diese Entwicklung zeigt sich auch am Arbeitsmarkt. Rund 2,77 Millionen Menschen sind in Hessen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Die aktuelle Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit zeigt, dass in zahlreichen Berufen Fachkräfte fehlen. Besonders betroffen sind Pflege- und Gesundheitsberufe, technische Berufe, IT-Berufe, Handwerksberufe sowie weitere soziale Berufe, beispielsweise in der Kinderbetreuung. Das Problem verschärft sich dadurch, dass in vielen dieser Berufe überdurchschnittlich viele ältere Beschäftigte arbeiten, die in den kommenden Jahren das Rentenalter erreichen.

    Steigende Beschäftigungsquote verschiebt das Problem nur

    Nach der Statistik der Bundesagentur für Arbeit liegt die Beschäftigungsquote der 55- bis unter 60-Jährigen in Hessen aktuell bei 65,9 Prozent, bei den 60- bis unter 65-Jährigen beträgt sie immerhin noch 53,7 Prozent. Gleichzeitig liegt die Arbeitslosenquote in diesen Altersgruppen mit 5,7 Prozent leicht unter dem landesweiten Wert von aktuell 6 Prozent.
    Ein Blick auf die langfristige Entwicklung macht deutlich, dass immer mehr Menschen bis ins höhere Alter erwerbstätig bleiben. So ist die Beschäftigungsquote der 55- bis unter 60-Jährigen in Hessen von 52,9 Prozent im Jahr 2012 auf 65,9 Prozent im Jahr 2025 gestiegen. Bei den 60- bis unter 65-Jährigen erhöhte sie sich im selben Zeitraum sogar von 28,3 Prozent auf 53,4 Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass die Arbeitskraft und das Know-how älterer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dem Arbeitsmarkt und den Unternehmen deutlich länger erhalten bleiben. Doch damit ist das demografische Problem in vielen Berufen nur verschoben, aber nicht gelöst. Vielmehr besteht die Gefahr, dass das altersbedingte Ausscheiden dieser erfahrenen Beschäftigten in den kommenden Jahren viele Unternehmen hart treffen wird“, so Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Hessen.

    Demografie bedingt sind schon jetzt in einigen Regionen und Berufen Arbeits- und Fachkräfteengpässe spürbar. Sie zeigen sich u.a. dadurch, dass die Anzahl der Stellenausschreibungen steigt, während die Arbeitslosigkeit sinkt und Vakanz-Zeiten immer länger werden. In Zukunft können sich diese Engpässe auf dem Arbeitsmarkt noch verschärfen. Besonders das bevorstehende Ausscheiden der geburtenstarken Jahrgänge („Baby-Boomer“-Generation) aus dem Berufsleben wird den Arbeitsmarkt in vielerlei Hinsicht verändern. „Während die Baby-Boomer größtenteils über abgeschlossene Berufsausbildungen verfügen, weist die Generation der heutigen jungen Erwachsenen eine deutlich stärkere akademische Ausbildung auf. Daher wird besonders im mittleren Qualifikationsbereich mit einer Arbeitskräftelücke zu rechnen sein. Hinzu kommt, das eine alternde Bevölkerung eine andere Nachfragestruktur nach Gütern und Dienstleistungen besitzt, was wiederum die Arbeitskräftenachfrage in ihrer Berufsstruktur verändert wird“, gibt Arbeitsmarktexperte Dr. Frank Martin zu Bedenken.

    Wo die Demografie am stärksten zuschlägt

    Wo mit starken, Demografie bedingten Verwerfungen zu rechnen sein wird, kann mittels der Engpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit, ermittelt werden. Sie gibt an, bei welchen Berufen bereits heute Engpässe bestehen. Wertet man diese zusätzlich danach aus, wo besonders viele Beschäftigte in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden werden, identifiziert man jene Berufe, die überproportional von dem Ausscheiden der Baby Boomer betroffen sein werden. Hessenweit gibt es zum Stichtag 31.12.2025 rund 2,34 Mio. sozialversicherungspflichtige Beschäftigte auf Fachkraft, Spezialisten und Expertenniveau. Rund 566.500 von ihnen sind 55 Jahre oder älter, das entspricht 24 %. Schaut man über alle Qualifikationsniveaus hinweg auf die Engpassberufe mit dem höchsten Anteil an älteren Beschäftigten, liegt die Bau- und Transportgeräteführung mit 37 Prozent an der Spitze. Es folgen der Objekt-, Personen- und Brandschutz beziehungsweise die Arbeitssicherheit mit 30 Prozent und die Elektrotechnik mit 29 Prozent. Im Verkauf von Lebensmitteln sowie in der Kunststoff- und Kautschukherstellung/-verarbeitung sind jeweils 28 Prozent der Beschäftigten 55 Jahre oder älter. Betrachtet man nicht den prozentualen Anteil, sondern die absolute Zahl älterer Beschäftigter, zeigt sich ein anderes Bild. In Erziehung, Sozialarbeit und Heilerziehungspflege sind rund 23.400 Beschäftigte 55 Jahre oder älter. Im Verkauf ohne Produktspezialisierung sind es rund 19.300, in den Pflegeberufen rund 18.200. Es folgen die Elektrotechnik mit rund 8.600 sowie die Fahrzeug-, Luft-, Raumfahrt- und Schiffbautechnik mit rund 7.700 älteren Beschäftigten.

    Aufgrund der demografischen Entwicklung verlieren die Unternehmen nicht nur Beschäftigte, sondern auch langjährige Erfahrung, Fachwissen und eingespielte Arbeitsabläufe. Umso wichtiger wird es, Wissen rechtzeitig weiterzugeben und Nachfolgen frühzeitig zu planen. „Fachkräftesicherung bedeutet mehr als die Besetzung offener Stellen. Unternehmen müssen ihre Beschäftigten kontinuierlich weiterentwickeln und Qualifizierung als festen Bestandteil der Personalentwicklung verstehen. Nur so ist es möglich, mit der Veränderungsdynamik und den damit einhergehenden beruflichen Anforderungen Schritt zu halten. Denn zusätzlich zu der Wiederbesetzung offener Stellen und dem lebenslangen Lernen wird der Wissenstransfer im Unternehmen immer wichtiger. Nur wenn erfahrene Beschäftigte ihr Wissen weitergeben können, besteht die Chance, den Übergang zwischen den Generationen aktiv zu gestalten und wertvolle Kompetenzen im Unternehmen zu sichern“, so Martin.

    Die Bundesagentur für Arbeit unterstützt Unternehmen und Beschäftigte dabei, Qualifizierungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten zu nutzen und Menschen für Berufe zu gewinnen, in denen bereits heute Fachkräfte fehlen. Der demografische Wandel lässt sich nicht aufhalten, seine Auswirkungen können jedoch aktiv gestaltet werden. Qualifizierung, Wissenstransfer und eine frühzeitige Fachkräftesicherung werden entscheidend sein, damit Unternehmen auch künftig auf gut ausgebildete Beschäftigte zählen können und der hessische Arbeitsmarkt langfristig leistungsfähig bleibt. zg

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