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  • Fr., 30. Juni 2023, 07:17 Uhr
    KINDERBETREUUNG: Eltern startete Petition und Unterschriftenaktion / Brief an Bürgermeisterin Schader / Forderung nach Dialog

    Geplante Erhöhung der Betreuungsgebühren sorgt für Bestürzung

    Kinder sollen sich in Kitas und Krippen wohlfühlen und Spaß haben – aber vielen Eltern in Bürstadt ist angesichts der geplanten Gebührenerhöhungen das Lachen vergangen. Foto: www.pixabay.com


    BÜRSTADT – Gerade mit Blick auf die Vereinbarung von Familie und Beruf spielt auch die Kinderbetreuung eine große Rolle. Dass diese Betreuung mit entsprechenden Kosten für die Eltern verbunden ist, dürfte dabei jedem klar sein. Wie aber die geplante Gebührenerhöhung für die Kinderbetreuung in der Stadt Bürstadt aussehen soll, sorgt bei zahlreichen Eltern für „tiefe Bestürzung”, wie diese nun in einem Brief an Bürgermeisterin Barbara Schader deutlich machen. Dieser wurde am Donnerstag bei der Stadtverwaltung eingereicht, zudem geht das Schreiben auch an die Bürstädter Parteivorsitzenden. Parallel dazu wurde unter www.openpetition.de/petition/online/erhoehung-kinderbetreuungskosten-buerstadt-nicht-mit-uns  eine Online-Petition gestartet und es werden in den Kinderbetreuungseinrichtungen Unterschriften gegen die Erhöhung der Betreuungskosten gesammelt. 

    Die Hintergründe, welche die Stadtverwaltung zur Erhöhung der Beiträge bewegt, erläuterte Bürgermeisterin Schader in einem Schreiben an die Eltern, welches diese in der vergangenen Woche erhielten. Die Argumente gehen auch aus der Vorlage der Stadtverwaltung für die anstehenden Sitzungen, die durch den Arbeitskreis „Kindergartengebühren” einstimmig beschlossen wurde, hervor. Wie es in dieser heißt, konnte der Arbeitskreis der Verwaltung folgen, „da die Kosten zum Betrieb der Einrichtungen als auch die Mehrkosten im Bereich ‚Personal‘ eine Anpassung notwendig machen. Eine Regulierung der Buchung der Betreuungszeiten durch die Erhöhung der Beiträge am späten Nachmittag ist zudem erforderlich, da zu erwartende, fehlende Personalressourcen in den Kitas diese aufgrund des Fachkräftemangels notwendig erscheinen lassen. Schon jetzt ist es schwierig, mehrere Gruppen über die Betreuungszeit bis 14.30 Uhr mit entsprechendem Personal auszustatten. Zudem ist ein Anstieg der zu betreuenden Kinder mit einem Integrationsbedarf aufgrund körperlicher und/oder geistiger Behinderung zu verzeichnen, welche auch zu einem gesteigerten Personalaufwand und damit verbundenen, steigenden Kosten führen.” Für Unmut sorgt in diesem Zusammenhang die Kurzfristigkeit: Am kommenden Mittwoch, 5. Juli, steht die Vorlage zur Erhöhung der Kinderbetreuungskosten auf der Tagesordnung für den Haupt- und Finanzausschuss, anschließend soll diese auch in der Stadtverordnetenversammlung am 12. Juli beschlossen werden – und damit kurz vor den Sommerferien, wobei die neuen Gebühren bereits ab August gelten sollen.

    Viele Eltern zeigen sich angesichts des Briefes und der anstehenden Erhöhung der Gebühren darüber hinaus in mehrerer Hinsicht empört. So kritisieren sie, dass die Nachmittagsbetreuung je nach Modul um bis zu 88 Prozent erhöht werden. Dabei sollte sich die Anpassung der Gebühren an den Steigerungen der Tarifverträge orientierten. Diese liegen laut der betroffenen Familien jedoch bei einem plus von 9 bis 13 Prozent, und dies ab März 2024. Allein eine solche Anpassung sei für viele Eltern bereits eine riesige Herausforderung, gerade auch angesichts gestiegener Lebensmittel-, Energie- und Mietkosten. Die nun vorliegende geplante Erhöhung sei für viele einfach nicht zu stemmen. Kritisiert wird zudem, dass der Geschwisterbonus nur dann gilt, wenn beide Kinder in städtischen Einrichtungen betreut werden, nicht aber in kirchlichen. Bezüglich des Mangels an Fachpersonals kritisieren die Eltern, dass in Bürstadt in den vergangenen Jahren zwar neue Wohngebiete erschlossen wurden und es so zum Zuzug von Familien kam, es parallel dazu aber keine entsprechende Reaktion bezüglich der Einstellung oder Ausbildung von Erzieherinnen gab. Auch die mangelnde Zahl an Integrationsfachkräften wird genannt und kritisch beleuchtet. Erhebliche Kritik gibt es im Bereich der Gleichberechtigung, da erneut vor allem Mütter betroffen seien, die aufgrund der hohen Kostensteigerung ihre Kinder teilweise zuhause betreuen müssten und nicht arbeiten gehen könnten. Dies trage nicht nur zum Fachkräftemangel bei, sondern sei vor allem auch kontraproduktiv für die Gleichberechtigung. 

    Für die Kinderbetreuungseinrichtungen sollen in den kommenden Wochen Beitragserhöhungen in den Gremien der Stadt Bürstadt beschlossen werden – viele Familien wünschen sich stattdessen einen Dialog und einer Anpassung der Erhöhung. Foto: www.pixabay.com


    Zu diesen Punkten beziehen die Eltern, aber auch die Großeltern, in ihrem Brief an Bürgermeisterin Schader klar Stellung. Die Forderungen sind auf der Seite der Petition einzusehen. Hauptpunkte sind hierbei aber unter anderem „eine Anpassung der Preiserhöhung auf maximal 13 Prozent – entsprechend der gestiegenen Personalkosten –, eine Einigung mit kirchlichen Trägern zum Geschwisterbonus sowie eine Anpassung der Modullaufzeiten auf die bisherigen Zeitmodelle, so dass Kitas und Krippen konsistent bleiben.” Um dies zu ermöglichen wird zudem die Verschiebung des Beschlusses bei Beibehaltung der bisherigen Gebühren gefordert, bis eine „sinnvolle Diskussion mit allen Betroffenen geführt wurde.” 

    Klar ist: Eine Erhöhung der Betreuungsgebühren dürfte unumgänglich sein. Ob die Elterninitiative Erfolg haben wird und es zu einem Dialog und Anpassungen kommt, oder ob auch die Politik der Vorlage der Verwaltung zustimmen wird, bleibt jedoch abzuwarten. Benjamin Kloos

     

     

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