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Do., 21. Mai 2015, 16:29 Uhr
IG Ringstraße befürchtet gravierende Einschnitte durch Planungen der Verwaltung / Stadt weist Vorwürfe zurück
Geplante Flüchtlingsunterkünfte bereiten Anwohnern große Sorgen
Noch geht der Blick ins Grüne. Doch die Anwohner der Ringstraße fürchten aufgrund der geplanten Flüchtlingsunterkünfte große Einschnitte - nicht nur in Bezug auf die freie Sicht. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM - Bund, Länder und Kommunen stellen sich derzeit besonders eine Frage: Wohin mit den Flüchtlingen, die aus Krisengebieten dieser Welt in großer Zahl nach Europa und somit auch nach Deutschland strömen? So werden auch in Lampertheim in diesem Jahr noch zahlreiche Menschen, die auf der Flucht vor Verfolgung, Krieg und Bürgerkrieg sind, erwartet. Nachdem die Unterbringung von Flüchtlingen in der Florianstraße intensiv diskutiert wurde - inklusive Demonstration der Anwohner - richtet die Stadtverwaltung den Blick auch auf das Gleisdreieck an der Ringstraße.
„Gängiges Recht wird gebrochen"
Die Anwohner zeigen sich von der Idee, hier Flüchtlinge im großen Stil unterzubringen, wenig begeistert und vor allem von der Politik enttäuscht, wie die Sprecher der neu gegründeten, mittlerweile 20 Personen starken und stetig wachsenden Interessengruppe (IG) Ringstraße, Rolf Schumacher, Evelin Rees und Andreas Ott, im Gespräch mit dem TIP betonten. „Den Weg über die Presse haben wir bewusst gewählt, denn es läuft uns die Zeit davon. Bereits in der nächsten Sitzung des Stadtentwicklungs-, Energie- und Bauausschusses der Stadt Lampertheim am 9. Juni sollen Nägel mit Köpfen gemacht und der Bau von Flüchtlingsunterkünften beschlossen werden."
Von der Verwaltung fühlen sich die Anwohner der Ringstraße hintergangen und angelogen: „Mitte der 1990er hatte der damalige Bürgermeister Gisbert Dieter eine Aufwertung des Wohngebietes versprochen, durch Bepflanzungen sollen eine Art Alleecharakter entstehen. Doch weder Grünflächen noch Alleebäume wurden jemals gepflanzt, vielmehr sind die zum größten Teil beschädigten Gehwegplatten aus Gründertagen heute noch vorhanden." Dass auch die heutige Verwaltung nicht mit offenen Karten spiele, sei sehr enttäuschend: „Anfang Mai wurde uns auf Anfrage mitgeteilt, dass noch keine Planungskonzepte für die mögliche Bebauung der Ringstraße mit Flüchtlingsunterkünften vorlägen. Dabei wurden aber genau solche bereits Ende April intern erstellt! Dieses Gebiet ist ein Frischluftstreifen und Ausgleichsfläche für die Stadt. Wenn hier gebaut wird, wird gängiges Recht gebrochen - abgesehen von der Problematik, dass hier schon heute nicht genügen Parkplätze für die Anwohner zur Verfügung stehen", fürchten die Anwohner den Bau von zunächst drei Gebäuden, von denen eines direkt an die bestehende Wohnbebauung angrenzen soll. „Mit einer Freitreppe, die direkt an den Garten und die Terrasse einer Anwohnerin angrenzt - Erholung ist hier dann nicht mehr möglich!"
„Wollen keinen sozialen Brennpunkt"
Mit Blick auf die geplante Ostumgehung sehen die Anwohner ein weiteres Problem auf sich zukommen: „Sollten an den geplanten Stellen die Häuser entstehen, wird die Umsetzung der aufgrund der steigenden Lärmbelastungen notwendigen Schutzmaßnahmen mehr als schwierig."
Es sei zudem erstaunlich, dass der Bau von Anwohnergaragen an dieser Stelle abgelehnt wurde, jetzt aber die Bebauung mit einem mehrgeschossigen Sozialwohnungsbau möglich sein soll. Die IG Ringstraße fürchtet zudem, dass es nicht bei den jetzt in der Diskussion befindlichen drei Unterkünften für Flüchtlinge in der Ringstraße bleiben soll, sondern dass ein Großteil des Gleisdreieckes für solche zur Verfügung gestellt werden soll, zum Teil auch mit Containerbebauung.„Wir sind keineswegs gegen die Aufnahme von Flüchtlingen", betonen die Sprecher der IG Ringstraße, fürchten aber, dass die sogenannte Willkommenskultur durch die Unterbringung der Flüchtlinge in Sammelunterkünften und zudem in einem Gebiet, das an drei Seiten begrenzt und somit nur in eine Richtung durchlässig ist, stark strapaziert wird. „Bisher sind in unserem Wohngebiet Einfamilienhäuser, Sozialbauten und auch kurdische Mitbürger bunt durchmischt und es funktioniert gut - aber eine solche Situation kann schnell kippen", fürchten die Anwohner.
Container nur in Gewerbegebieten
Jens Klingler, Erster Stadtrat Lampertheims, betonte im Gespräch mit dem TIP, dass derzeit für Flüchtlingsunterkünfte an der Ringstraße keine beschlussreifen Pläne vorliegen würden. „Generell wäre zunächst nur der Bau eines Hauses möglich, da für die übrige Fläche keine Bebauungspläne vorliegen. Und selbst hierfür müssten erst entsprechende Anträge gestellt und genehmigt werden. Grundsätzlich ist aber eine Bebauung möglich, da das Gebiet im Flächennutzungsplan als Baugebiet ausgewiesen ist." „Eine Bebauung des gesamten Gleisdreiecks ist ebenfalls nicht geplant, zumal das entsprechende Grundstück überhaupt nicht der Stadt gehört", so der Erste Stadtrat.
Überrascht zeigte sich Jens Klingler von der Vorgehensweise der betroffenen Bürger: „Während die Anwohner der Florianstraße zunächst den direkten Kontakt mit mir gesucht haben, ging die IG Ringstraße zunächst an die Presse. In einem persönlichen Gespräch hätten sicher einige wesentliche Fragen und Anliegen der IG direkt geklärt werden können", so der Erste Stadtrat. „Die Anwohner werden immer in Planungen wie diese mit eingebunden, so wird es auch hier sein, sobald es reale Pläne geben sollte. Container werden mit Sicherheit nicht auf dem Gleisdreieck aufgestellt werden, hierfür gibt es in Gewerbegebieten geeignetere Flächen. Ich vergehe, dass die Planungen für zehn Häuser in der Florianstraße von vielen als zu groß empfunden wurden. Wir haben uns dementsprechend Gedanken über eine dezentrale Unterbringung der Flüchtlinge gemacht. Dass diese jetzt ebenfalls auf große Gegenwehr stößt, ist schwer nachzuvollziehen, denn uns stehen hierfür nur eine gewissen Anzahl an Grundstücken zur Verfügung. Fest steht: Wir müssen die Flüchtlinge unterbringen, daran führt kein Weg vorbei."
Bürgerversammlung sinnvoll
In diesem Zusammenhang wäre es sicher sinnvoll, baldmöglichst über die Realisierung einer Bürgerversammlung für alle Bürger nachzudenken und diese durchzuführen, um die Situation rund um die Planungen für die Unterbringung der Flüchtlinge gemeinsam mit den Bürgern zu erörtern und diese vorzustellen - so wie es die CDU-Stadtverordnete Lisa Galvagno bereits gefordert hat. Denn eines ist klar: Sowohl die Bürgerseite ist zu verstehen, aber auch die Stadt, die von oben Flüchtlinge zugewiesen bekommt die sie einfach unterbringen muss. Dass die Flüchtlinge in Lampertheim willkommen sind, zeigt das große Engagement zahlreicher Lampertheimer für ihre Gäste. Dies soll auch so bleiben, daher ist es wichtig, dass alle gemeinsam eine für alle akzeptable Lösung finden. Denn sonst leiden diejenigen, die es bereits schwer genug haben: Die Flüchtlinge. Benjamin Kloos