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  • Mo., 22. Juni 2020, 11:53 Uhr
    SPRACHHEILABTEILUNG DER SCHILLERSCHULE: Eltern wehren sich gegen Verlegung von Bürstadt nach Heppenheim / Online-Petition gestartet

    „Gewachsene Strukturen fördern und nicht zerstören”

    Die Eltern wehren sich gegen die Verlegung der Sprachheilabteilung der Schillerschule in Bürstadt nach Heppenheim – sie befürchten, dass die 25 Jahre gewachsene Inklusion einer Isolation weicht. Foto: Benjamin Kloos


    BÜRSTADT – Die Schillerschule in Bürstadt soll neu gebaut werden, vergangene Woche wurden hierzu die Pläne vorgestellt. Hierin ist für die Sprachheilabteilung der Schillerschule kein Platz mehr vorgesehen, sie soll in die Räume der Siegfriedschule nach Heppenheim verlegt werden. Die Schule hat das Angebot, dass die Schüler, die jetzt bereits die Sprachheilabteilung besuchen, ihre Schullaufbahn beenden, alle neuen Schüler sollen direkt in Heppenheim unterrichtet werden. Für die Eltern um Kirsten Bayer und Melanie Waaga und deren Kinder war diese Nachricht ein Schock, wie diese im Gespräch mit dem TIP betonten. 

    „Die Sprachheilabteilung soll ohne jede Einbindung der Eltern einfach verlegt werden. Es ist dort eine gelebte Inklusion, die seit 25 Jahren fest zusammen gewachsen ist und beispielhaft funktioniert. Wir befürchten, dass in der Siegfriedschule eine solche Inklusion nicht stattfinden kann”, erläuterten die Eltern, die aus allen Wolken gefallen sind, als die Entscheidung der Verlegung öffentlich gemacht wurde – denn bisher war ihnen auf Elternabenden erklärt worden, dass eine solche Verlegung noch in weiter Ferne liegt. „Gerade bei einem Neubau der Schillerschule wäre es doch gut möglich, entsprechende neue und moderne Räume auch für die Sprachheilschule einzurichten – Räume, in denen sich die Schüler wohlfühlen” so die besorgten Eltern weiter. 

    „Inklusion statt Isolation”

    Gerade für die Kinder der Sprachheilabteilung der Schillerschule ist das gewohnte Umfeld sehr wichtig. „Unsere Kinder brauchen lange, um sich an etwas neues zu gewöhnen, sie benötigen den gewohnten Tagesablauf”, betonten die Eltern gegenüber dem TIP. Denn die Kinder haben häufig nicht nur Sprachschwierigkeiten, sondern noch weitere Behinderungen und häufig zusätzlich ADS, ADHS und Hörprobleme. „Jetzt sollen sie aus ihrem gewohnten Umgeld herausgerissen werden und unter deutlich schlechteren Bedingungen, an einer für sie ungeeigneten Schule, an der keine Inklusion, sondern nur noch eine Isolation gegeben sein wird, unterrichtet werden.” Denn: Die Schüler der Sprachheilabteilungs als auch die Regelschüler bereichern sich gegenseitig, sind sich die Eltern sicher – sowohl beim gemeinsamen Spielen als auch beim gemeinsamen Mittagessen. Dieses wird in Bürstadt in der Mensa eingenommen, in Heppenheim sollen die Kinder in ihrem Klassenraum essen – damit hätten sie nicht nur keinen Kontakt mehr zu den Grundschülern, sondern auch nicht mehr zu den anderen Klassen der Sprachheilschule. Ein weiterer negativer Aspekt: Durch die Inklusion in der Schillerschule haben die Sprachheilschüler mit 45 Minuten fünf Minuten effektiven Unterricht mehr, als dies in der Siegfriedschule der Fall sein wird. Denn hier wird die Sprachheilabteilung als eigenständige Förderschule geführt werden, mit entsprechend weniger Anspruch auf Unterricht. 

    Auch die Lehrerinnen und Lehrer der Schillerschule in Bürstadt profitieren von der Sprachheilabteiliung – denn die Förderschullehrer können den Lehrern der Schillerschule durch ihre Erfahrung im Umgang mit ihren Schülern mit Ideen zur Seite stehen, wenn es um  schwierige Situationen mit den Schülern geht.

    Viele Fragen unbeantwortet

    Die fehlende Kommunikation seitens des Kreises, welche die Eltern bemängeln, drückt sich in zahlreichen offenen Fragen aus. Wie ist beispielsweise die Situation bezüglich der Lehrer? Denn wenn die derzeitigen Schüler tatsächlich weiterhin in Bürstadt unterrichtet werden und die neuen Schüler der Sprachheilabteilung in Heppenheim, müssen diese an zwei Standorten unterrichten – beide Orte liegen jedoch zu weit auseinander, um in den Pausen kurz den Schulstandort wechseln zu können. Auch die Frage der Nachmittagsbetreuung ist noch völlig offen. Besonders befürchten die Eltern, dass auch der Schulweg für die Kinder länger und anstrengender wird. Denn der Bus, der die Kinder abholt, muss dann neben Bürstadt auch Heppenheim als Schulstandort anfahren – für die Kinder eine kaum auszuhaltende Belastung, wenn sie eine Stunde oder noch länger im Bus sitzen müssen. 

    Petition gestartet

    Ein Funke Hoffnung bleibt: Denn noch hat der Kreistag nicht abschließend entscheiden, die Eltern der Sprachheilabteilung der Schillerschule bitten die Kreistagsmitglieder, im Sinne der Kinder und der Inklusion, die immer wieder gerade von Seiten der Politik als besonders bedeutend bezeichnet wird, zu handeln und zu entscheiden: „Hier werden die Rechte der Kinder einfach ignoriert! Alleinerziehende werden unter den neuen Bedingungen erheblich gehindert Ihren Berufstätigkeit nachzugehen und werden auf Zuschüsse vom Staat angewiesen sein. Wir als Eltern sehen uns dazu gezwungen, für den Erhalt der Sprachheilabteilung an der Schillerschule und für die Rechte der Kinder einzutreten. Wir haben hierzu eine Petition dafür ins Leben gerufen. Die Plakate, die wir an der Schule befestigt hatten, wurden leider wieder kurzer Hand entfernt. Durch die Pandemie sind unsere Möglichkeit äußerst begrenzt, im persönlichen Kontakt mit den Eltern dagegen vorzugehen. Die endgültige Entscheidung darüber wird am 29. Juni im Kreistag getroffen. Da weder die Kinder, Lehrer, Eltern noch die Bürstädter Bürger wollen, dass diese gelungene und über Jahrzehnte gewachsene Zusammenarbeit zerstört wird, möchten wir auf diesem Weg darauf aufmerksam machen, was hier gerade passiert, um diesen Umzug in letzter Minute verhindern zu können.” Benjamin Kloos

    INFO: Die Petition der Eltern der Kinder der Sprachheilabteilung der Schillerschule ist unter

    https://www.openpetition.de/petition/online/gegen-die-verlegung-der-sprachheilabteilung-buerstadt-nach-heppenheim zu finden. 

     

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