Mi., 12. Oktober 2016, 11:06 Uhr
Lampertheimer Siebtklässler erstellten eigene realtimecomics zum Thema „Null Toleranz bei Gewalt“
Gewalt fängt schon im Kleinen an

Interessiert und engagiert diskutierten die Schüler der 7. Klassen der Alfred-Delp-Realschule mit Mitsch Schulz (l.) von realtimecomic über die unterschiedlichen Formen von Gewalt. Foto: Benjamin Kloos
LAMPERTHEIM – Seit 2007 besteht in Lampertheim das Netzwerk „Null Toleranz bei Gewalt“ – mit der Zielsetzung, Lampertheim zu einer Stadt zu machen, in der für Gewalt kein Platz ist. Um speziell Jugendliche auf das Netzwerk aufmerksam zu machen und in Bezug auf Gewalt zu sensibilisieren fand in dieser Woche zum mittlerweile siebten Mal ein Aktionstag des Netzwerk „Null Toleranz bei Gewalt” statt.
Da das Interesse an den Möglichkeiten der modernen bei Jugendlichen sehr groß und bereits ein technisches Vorwissen vorhanden ist, stand der diesjährige Aktionstag unter dem Motto „Erstellte Dein eigenes realtimecomic!“ Dabei bekamen die Schüler der 7. Klassen der Alfred-Delp-Hauptschule, der Alfred-Delp-Realschule (ADS), der Biedensand-Schule sowie der Nibelungenschule in Hofheim die Möglichkeit, unter professioneller Anleitung in Gruppen einen Comic zu erstellen und diesen im Anschluss zu präsentieren. Unterstützt und begleitet wurden sie dabei von den Mitgliedern des Netzwerkes und besonders durch den diesjährigen Kooperationspartner Mitsch Schulz und seinem Team von realtimecomic.
Bürgermeister Gottfried Störmer, der am Mittwoch die Realschüler der ADS in der Zehntscheune begrüßte, wies daraufhin, wie wichtig es ist, Gewalt unter und von Jugendlichen zu ver- und bearbeiten. „Gewalt ist nicht toll, besonders nicht als Opfer, aber auch nicht als Täter“, betonte das Stadtoberhaupt und wünschte allen viel Spaß. „Vielen Dank an alle Organisationen und Menschen, die hier mitwirken.“
Nach einer Einführung und Diskussion über die Themen Medien und Gewalt sowie die unterschiedlichen Formen von Gewalt bildeten die Schüler Kleingruppen, die zunächst eine entsprechende Story entwickeln und sich Gedanken über die Umsetzung machen sollten. Nach der Festlegung der Darsteller ging es ans Fotografieren, bevor die Comics mit einer Software erstellt und im Anschluss präsentiert wurden.
Interessiert beteiligten sich die Schüler an der anfänglichen Diskussion, bei der schnell klar wurde: Gewalt fängt bereits im Kleinen an, in der Schule, im Freundeskreis, mit scheinbar harmlosen Beleidigungen wie „Du Hure“ oder „Du bist schwul“. Wie schnell daraus eine Gefahr für das seelische Wohl Einzelner entstehen kann, verdeutlichte ein verfilmter Comic, der aufrüttelte und den Schülern verdeutlichte, wie schnell man selbst in die Gewaltspirale rutschen kann.
Mitsch Schulz zeigte auch die weiteren Formen von Gewalt auf, die körperliche Gewalt mit Ohrfeigen, Schlägen, Tritten oder Angriffen mit Waffen, die meist offensichtlich ist. Die psychische und soziale Gewalt, die neben Beleidigungen ach das Lächerlich machen und Erniedrigen beinhaltet und meist schleichend daherkommt. Und als ein wichtiges und aktuelles Thema den Umgang mit sexualisierter Gewalt. Diese beginnt bereits bei frauenfeindlichen Sprüchen, anzüglichen Blicken oder verbalen Beleidigungen, aber auch Diskriminierungen aufgrund des Geschlechtes oder der sexuellen Orientierung zählen hierzu. Dabei berichteten die Schülerinnen und Schüler auch von eigenen Erfahrungen im Umgang mit dieser. So gab es bereits Vorfälle, die nicht nur zum Nachdenken, sondern die entsprechenden Institutionen wie Schule und Polizei auch zum Handeln auffordern: Denn von mehreren Schülerinnen wurde berichtet, dass sie nicht nur vor der Schule von Männern im Auto aus beobachtet und teilweise gefilmt und fotografiert wurden, sondern gezielt auch im Stadtpark – und dies trotz Anwesenheit der Eltern. Polizeioberkommissar Bernd Neumann und die Lehrerinnen der Schule baten die Schüler daraufhin, solche Vorfälle zu melden und direkt die Polizei zu informieren. „Wir kommen und nehmen die Personalien dieser Männer auf und kontrollieren auch die Handys – denn Ihr habt das Recht am eigenen Bild. Sollten wir fündig werden, leiten wir die entsprechenden Maßnahmen ein.“ Und auch die Lehrer stehen immer als Ansprechpartner zur Verfügung, sollte es zu irgendeiner Form von Gewalt oder Belästigung kommen. Benjamin Kloos