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    NEIN ZUR GEWALT: Kreisweiter Auftakt zur Brötchentütenaktion in der Elisabeth-Selbert-Schule in Lampertheim / Teilnehmerkreis von 110 Bäckereien und 20 Schulen

    „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“

    „Wir sagen NEIN!“ So steht es auf einem der Banner, vor dem die Teilnehmer der Auftaktveranstaltung zum Gruppenbild versammelt waren (nicht alle sind im Bild). Auf den Brötchentüten ist in Rot zu lesen „GEWALT kommt mir nicht in die Tüte“.
    Foto: Hannelore Nowacki

    KREIS BERGSTRASSE/LAMPERTHEIM –  „Das kommt mir nicht in die Tüte“. Die Redewendung wird gewöhnlich sehr energisch gesprochen und kommt bei kritischen Situationen zum Einsatz, wenn Grenzen aufgezeigt werden sollen. Im Fall von häuslicher Gewalt gegen Frauen, die laut Kriminalstatistik im letzten Jahr um 11 Prozent angestiegen ist, steht auf den 100.000 Brötchentüten für Bäckereien und Lieferdienste im Kreis Bergstraße in zehn Sprachen aufgedruckt „Gewalt kommt mir nicht in die Tüte“. Um „NEIN zu Gewalt an Mädchen und Frauen“ geht es. Und auf den 20.000 Brötchentüten für die teilnehmenden 20 weiterführenden Schulen im Kreis Bergstraße wird für die Kinder und Jugendlichen außerdem erklärt, dass Gewalt viele Formen hat, aber nie okay ist. Zum Beispiel Mobbing, sexistische Sprüche, unerwünschte Berührungen oder beleidigende Posts im Internet. Bei welchen Stellen es Beratung, Hilfe und Unterstützung gibt, ist auf der  Rückseite der Brötchentüten zu erfahren, denn bei Gewalterfahrungen soll niemand allein bleiben. Auch darum geht es dem Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt im Kreis Bergstraße (AK), der die erste kreisweite Brötchentütenaktion mit der Verteilung von 27.000 Tüten im Jahr 2007 startete. Auch bei den vier Tafeln im Kreis Bergstraße werden die Brötchentüten ausgegeben. Zur Auftaktveranstaltung hatten sich in der Elisabeth-Selbert-Schule (ESS) zahlreiche Unterstützer aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen versammelt – aus Schulen, Beratungseinrichtungen, mehrere kommunale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte sowie des Kreises Bergstraße, aus Politik und Verwaltung und Sponsoren. Ab sofort und im gesamten November läuft die Brötchentütenaktion, denn am 25. November ist alljährlich der „Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen“. Gut finden die beiden Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten beim Kreis Bergstraße, Nicole Schmitt und Alexandra Schmitt, die Aktion auch weil, mehr über das Thema Gewalt an Frauen und Mädchen und die Hilfsangebote gesprochen werde. Allerdings sei von 90 Prozent Dunkelziffer auszugehen. Meistens dauere es sieben Jahre, bis sich Frauen Hilfe holen. 

    Foto: Hannelore Nowacki

     

    Brötchentütenaktion: „Eine sehr wichtige Aktion“

    ESS-Schulleiter Michael Diez Aguilar gab das Mikrofon nach kurzem Grußwort in die Runde weiter an Schulsprecherin Damla Altansdishli, die es wichtig findet, an diesem Tag ein Zeichen zu setzen, denn jeder Mensch habe das Recht ohne Angst zu leben. Nicht wegsehen, sondern füreinander einstehen, dazu rief sie auf und erinnerte an Elisabeth Selbert, der es zu verdanken sei, dass im Grundgesetz dieser Satz steht: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Damla Altansdishli meint: „Gleichberechtigung muss im Alltag gelebt werden“. Landrat Christian Engelhardt knüpfte an das Gedenken an die Vorkämpferin für Gleichberechtigung an, ein Kampf, der noch nicht so lange her sei. Erfreut zeigte sich Engelhardt, dass diesmal zwei weitere Schulen an der Brötchentütenaktion teilnehmen. Der Kreis beteilige mit Zuschüssen, Unternehmen sponsern. Den Initiatoren, dem Arbeitskreis gegen Häusliche Gewalt im Kreis Bergstraße, dankte er für ihre „wertvolle Arbeit“. Der Lampertheimer Bürgermeister Alexander Scholl sprach auch im Namen seines Bürstädter Amtskollegen Boris Wenz, der unter den Zuhörern war und demnächst selbst in einer bekannten Bäckerei Brötchen in den Aktionstüten verkaufen will. Wie der Landrat findet es auch Scholl bedauerlich, dass die Brötchentütenaktion angesichts der statistischen Zahlen zur häuslichen Gewalt notwendig sei – denn jede dritte Frau sei betroffen. „Eine sehr wichtige Aktion“ nennt Scholl die Brötchentütenaktion um für das Thema zu sensibilisieren, zu animieren mit offenen Augen durch die Welt zu gehen sowie Beratung und Hilfsangebote möglichst zu nutzen. Auf eine große Reichweite hoffe er. Arbeitskreissprecherin und Vorsitzende des Frauenhausvereins Bergstraße Martina Evertz freute sich beim Blick auf die große Zuhörerrunde über die „gewaltige Resonanz“. Sophie-Lucia Gassner von der Beratungsstelle des Frauenhausvereins zeigte sich überzeugt, dass die Tütenaktion „sehr, sehr viel bewirkt“. Einfach, dränge sich nicht auf und kann informieren, fasst sie die Vorteile zusammen. Für Jugendliche sei das wichtig. Jonas Kern, Vorsitzender der Kreisschülervertretung, gab zu bedenken, dass Gewalt nicht erst im Erwachsenenalter erfahren werde. Es komme darauf an, eine innere Haltung und ein Umfeld zu schaffen, in dem Gewalt als nicht normal gelte. Nicht wegsehen, sondern zuhören und Hilfe anbieten, dazu ruft er auf. „Ein Thema, das uns alle angeht“. Seine Schule, die Karl-Kübel-Schule, nimmt an der Tüten-Aktion teil. Begeistert sprach die Vertreterin der Firma TE über die Tütenaktion als soziales Programm, die ihre Firma seit 2023 durch Kontakt zum Frauenhaus unterstütze.  

    Hannelore Nowacki

     

     

     

     

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