Vortrag von Ernst Fritz-Schubert in der Erich-Kästner-Schule
Glück und Zufriedenheit sind kein Zufall
Der Pädagoge, Therapeut und Buchautor Dr. Ernst Fritz-Schubert berichtete in seinem Vortrag von seinen Erfahrungen und machte deutlich: Glück ist wähl- und erlernbar und spiegelt sich im glücklichen Tun und Erleben wider. Foto: Eva Wiegand
BÜRSTADT – Das Glück lernen - geht das? Dr. Ernst Fritz-Schubert sagt ja. Für ihn hängt Glück und Zufriedenheit zu einem großen Teil vom Verhalten ab. Und er geht sogar noch weiter und sagt bei seinem Vortrag in der Erich-Kästner-Schule: „Wir werden Schule verändern müssen!“. Auf Einladung der Schule und mit finanzieller Unterstützung des Fördervereins machte er den anwesenden Eltern und Lehrern deutlich, warum: Gerade heute in der schnelllebigen Zeit, in der alles auf höher, weiter und besser ausgerichtet ist und ein enormer Leistungsdruck herrscht, müssen Kinder umso mehr ihre eigene Persönlichkeit bilden können und wie Fritz-Schubert es nannte: „ihren eigenen Maßanzug schneidern.“ Hier habe auch die Schule einen Erziehungs- und Bildungsauftrag. Das waren die Gründe, die den Heidelberger Oberstudiendirektor und ehemaligen Schulleiter der Willy-Hellpach-Schule dazu bewogen haben, das Schulfach „Glück“ zu erfinden. Doch wie kann man Glück in der Schule lernen?Glück, so zeigte Fritz-Schubert in einem Schaubild, hängt zu einem großen Teil von der Genetik, nur zu einem ganz kleinen Teil von äußeren Umständen, bei denen es nur wenig Gestaltungsraum gibt, und zu einem großen Teil von der persönlichen Einstellung sowie den eigenen Verhaltensweisen ab. Wichtig für das eigene psychologische Wohlbefinden sei vor allem Autonomie, aber auch positive Beziehungen, Sinn, Selbstakzeptanz und persönliches Wachstum sowie das Bewältigen von Herausforderungen, fördere das psychologische Wohlbefinden. „So sind wir angelegt: Wenn wir hier immer wieder ein Gleichgewicht erreichen, haben wir gute Karten“, erklärte Fritz-Schubert. Schule bewerte, belehre und bestimme, doch über Kommunikation, Rückmeldung, und tief gehende Gespräche müsse eine andere Form gefunden werden. Stärken kennenlernen, Potentiale entfalten, Visionen entwickeln, Entscheidungen treffen, planen, umsetzten und reflektieren – das sei der Lehrplan vom Glück. Schließlich gehe es immer darum, den Sprung vom „Erdulder“ zum „Gestalter“ zu schaffen. „Die Schüler werden Experten für sich selbst, die Lehrer begleiten sie nur. Wir brauchen keine Hilflosigkeit, wir brauchen Gestalter“, machte der Referent zum Ende deutlich. Mehr als 100 Schulen gehen bereits nach dem Konzept vor. Auch Lehrer und Mitglied der Schulleitung an der Erich-Kästner-Schule Sven Dehoust sieht hier Möglichkeiten und denkt in Richtung Arbeitsgemeinschaft oder Wahlpflichtunterricht. Die Schüler würden es den Lehrern in jedem Fall danken. Eva Wiegand