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  • Fr., 28. Januar 2022, 08:35 Uhr
    THEATER: Im Litauischen Gymnasium gastierte der Solo-Künstler Ekkehart Voigt

    Goethes Faust und die Eliteschule für Teufel

    In der „Eliteschule für Teufel“ hatte Faust alias Schauspieler Ekkehart Voigt für die Zuschauer allerlei Aufgaben im Angebot. Mit seiner Faust-Inszenierung tritt der Solo-Künstler bundesweit in Schulen auf. Foto: Hannelore Nowacki


    HÜTTENFELD – Goethe hatte mit dem Faust I eine Tragödie geschaffen, die zur Pflichtlektüre gehört, an der man in der Schule vor dem Abitur nicht vorbeikommt. Tiefgründige Gedanken hat der große deutsche Dichter darin verarbeitet und die Leser in menschliche Abgründe blicken lassen. Gerade zu teuflisch geht es in dem Stück zu, dessen  Monologe sich wunderbar reimen. Viele geflügelte Worte haben sich mit der Alltagssprache bis heute verbunden. Im Litauischen Gymnasium hatten die fünfzig Schüler der 12. und 13. Klasse wie auch Oberstufenleiterin Dr. Gabriele Hoffmann und Schulleiterin Rasa Weiß am Mittwoch Gelegenheit, den Faust als Theaterstück live im Internatssaal zu erleben, eine Solo-Theateraufführung mit dem Schauspieler und Theatergründer Ekkehart Voigt, der seine Faust-Interpretation unter das Motto Manipulation stellt, eine Lehrstunde mit heiteren Momenten und wie ein teuflischer Plan unbemerkt aufgehen kann. Warum Manipulation gelingen kann? Voigt findet die Erklärung im Goethe-Drama selbst: Es ist die Gier in allen möglichen Ausprägungen, die Menschen für Manipulation anfällig macht. „Gier ist ein mächtiges Tool, das wir den Menschen gebracht haben“, teilte Faust mit, mal ganz modern ausgedrückt. Der Solo-Künstler erteilte Unterricht in der „Eliteschule für Teufel“ und am Ende wurde Voigt mit Applaus belohnt und die Oberstufenschüler erhielten aus seiner Hand eine Teilnahmebescheinigung. Voigt gab dem Gelehrten Heinrich Faust, dem teuflischen Mephisto und dem verliebten, ahnungslosen Gretchen seine Stimme, wechselte von der Bühne mitten ins Publikum, trieb mit den Schülerinnen und Schülern seine teuflischen Spielchen und bezog sie in die Handlung ein. Zum Beispiel mit der Ansage, dreimal an die Tür zu klopfen oder auf den Stuhl zu steigen und mit den Armen symbolhaft einen Spitzbogen für ein Gelehrtenzimmer  darzustellen. Auch um direkte Fragen war Faust alias Voigt nicht verlegen. In der ersten Reihe zu sitzen lohnte sich in dieser Hinsicht, aber auch die hinten Zuschauenden blieben nicht verschont. Oberstufenleiterin Dr. Hoffmann hatte die Schüler begrüßt und auf den Verlauf vorbereitet – zum Programm gehörte auch die Nachbesprechung mit dem Künstler nach der anderthalbstündigen Vorführung. Während die 13. Klasse den Faust bereits im Deutschunterricht kennengelernt hatte, wurde die 12. Klasse mit einer Einführung auf die Vorführung vorbereitet. Allerdings hatte Voigt den Faust mit Blick auf heutige Verhältnisse hier und da aufgefrischt, in denen zum Beispiel das teuflische Smartphone eine Rolle spielt, das die Menschen aus der Präsenz hole und sie blöde mache. Des Pudels Kern hatte Voigt gefunden und auch den Pudel selbst, den Faust von einem Osterspaziergang mitgebracht hatte. Das schwarze Tierchen zauberte er in Form einer Luftballonmodellage. Faust geriet „in eine Depri-Phase“, was nicht verwundern muss, aber damals habe es Facebook noch nicht gegeben, gab Voigt zu bedenken. Wer weiß, wie die Geschichte dann ausgegangen wäre. Einen Zaubertrank nahm Faust zur Verjüngung zu sich, was ihn veranlasste, einen Schüler nach seinem Lieblingsgetränk zu fragen. Cola! „Ein Teufelszeug“ befand Faust. Zu Beginn hatte Faust noch gesagt: „Da steh ich nun, ich armer Tor! Und bin so klug als wie zuvor“. In der Nachbesprechung erklärte Voigt: „Faust wollte wissen, was die Welt zusammenhält – es ist die Liebe“. Von einer eigenwilligen Inszenierung sprach Voigt, gefasst auf Meinungen aller Art, die auch freimütig geäußert wurden. Zum Frauenbild in Goethes Zeit erklärte Voigt, dass die Frauen damals keine guten Karten hatten. Wie er auf die Idee mit der Teufelsschule gekommen ist? Seine Erfahrung: Schüler haben oft keinen Bock auf Faust.   Hannelore Nowacki

     

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