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Di., 08. August 2017, 09:59 Uhr
Lampertheimer Mundart lässt aufhorchen
„Gottesdienst unter der Linde“ mit der Geschichte vom vierfachen Acker
Der „Gottesdienst unter der Linde“ im Garten an der Martin-Luther-Kirche hatte viele Besucher angezogen, die diesen besonderen Gottesdienst in sommerlicher Atmosphäre unter freiem Himmel schätzen. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Wunderschönes Himmelblau, eine gnädige Sommersonne, ein grünes Paradies und eine große Linde – in diesem Rahmen feierte die Martin-Luther-Gemeinde mit Pfarrer Roland Schein am Sonntag ihren alljährlichen „Gottesdienst unter der Linde“ im Freien. Nachdem der letzte einladende Glockenschlag in der Morgenstille ausgeklungen war, hörten die Gottesdienstbesucher das heitere Stück „Primavera“ von Ludovico Einaudi, das Kantorin Andrea Hintz-Rettenmaier auf dem E-Piano spielte. Im lyrischen Nachspiel am Ende der Stunde ließ sie Franz Schuberts „Impromptus“ in As-Dur in die Tasten fließen. Heitere Weisen von Mozart leiteten die gemeinsam gesungenen Choräle ein. „Geh aus mein Herz und suche Freud in dieser schönen Sommerzeit“, dieser Empfehlung im geistlichen Sommerlied von Paul Gerhardt (1607-1676) folgend, war der Gottesdienst gut besucht, alle Sitzplätze auf Bänken und Stühlen im Schatten und in der Sonne waren belegt. Nach Gebeten, Liedern und Lesung aus Jesaja 55 (8-11) hörten die Gottesdienstbesucher aus dem Matthäus-Evangelium 13 (1,23), warum Jesus gerne in bildhaften Geschichten, in Gleichnissen sprach. Erika Krämer-Tomczak hatte den biblischen Text in Lampertheimer Mundart übertragen, eine Kunst, die der Aussage einen kraftvollen Klang hinzufügte. Jesus saß damals am Seeufer und erklärte den Leuten, wie es sich mit der Saat verhalten kann, wenn sie auf den Weg fällt und sogleich von den Vögeln aufgepickt wird oder auf felsigem Untergrund keine kräftigen Wurzeln schlagen kann. Fällt die Saat zwischen Dornengestrüpp, wird sie überwuchert. Der Sämann hatte jedoch auf gutem Acker gesät und erhielt sogar hundertfach Fruchtertrag. Was wollte Jesus damit sagen? „Wer Ohrn hot, dä hert“ oder „Wer Ohren hat, der höre“. „Un jetzt passt emol uff, was des Gleichnis sa will“. Eine tiefgründige Erklärung folgte, die Erika Krämer-Tomczak mit Peter Medert anschließend im mundartlichen Dialog mit Beispielen aus dem täglichen Leben unterhaltsam verdeutlichte. Mit zuversichtlichem Blick meinte sie, dass zu guter Letzt bei manchen etwas rauskommt, „nämlich bei denne, wu de Kerner uff gure Borrem fallen“. Und Peter Medert ergänzte: „Je meh isch misch um moin Acker kimmer, desto meh konn isch rausholle un in die Scheiern oifahrn“. Aber das sei gar nicht so einfach. Pfarrer Schein bezog sich in seiner Predigt auf die Geschichte vom vierfachen Acker, wie sie bei Lukas 8 (4-11) zu lesen ist und wie diese Geschichte seinen Amtsvorgänger, Pfarrer Köhler in der damaligen DDR, durch das Leben begleitete. Gelassen habe dieser Pfarrer hingenommen, dass er nur wenige Konfirmanden und Gottesdienstbesucher hatte, machte nicht einmal die DDR dafür verantwortlich. In seinen vierzig Dienstjahren habe er sich immer etwas einfallen lassen. „Ich bin gefragt“, ist Pfarrer Scheins Antwort auf die Frage: „Kann Gottes Wort in meinem Leben wachsen?“. Hannelore Nowacki