
BIBLIS – Zur Einweihung mit Rundgang um den Gemeindesee am Samstagnachmittag konnten Bürgermeister Volker Scheib und der Erste Beigeordnete Herbert Ritzert eine beachtliche Schar Bibliser Bürger am Treffpunkt nahe der Bahnlinie am Übergang begrüßen. Etwa vierzig Erwachsene und Kinder schlossen sich der Führung auf dem erneuerten Uferweg an, der zu Ruheoasen und Aussichtspunkten mit zahlreichen Bänken führt und mit neuen Bewegungselementen und einem Barfußpfad für vergnügliche sportliche und gesundheitsfördernde Abwechslung sorgt. Bänke wurden mit genügend Platz für Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl angelegt. Die weitläufige Wiese am Hauptzugang mit Blick auf den See war in den Tagen zuvor unter dem Motto „Sport im Park“ Treffpunkt für ein abwechslungsreiches Angebot ohne Anmeldung und Gebühr. Geboten waren Stepp-Aerobic, Eltern-Kind-Turnen, Taekwon-Do, Lauftreff und vieles mehr. Am Morgen noch habe die TG hier mit 25 Teilnehmern Gymnastik mit Musik gemacht. Mit bunten Sitzmöglichkeiten und einer Tischtennisplatte, gespendet von der Bürgerstiftung Biblis, wurde nahe des Pumpwerks eine Anlage geschaffen, die Generationen übergreifend für Spaß sorgt und sogleich für ein Match ausprobiert wurde.
Roland Woll, Vorsitzender der Bürgerstiftung, hatte farblich passende Schläger und die kleinen weißen Bälle mitgebracht. Auch private Spender hatten sich an der Ausgestaltung des Uferwegs beteiligt und nahmen am Rundgang zur offiziellen Einweihung teil, die Bürgermeister Scheib humorvoll und teils mundartlich gestaltete. Zu den Spendern zählt Scheib auch die ehrenamtlichen Unterstützer, die ihre Zeit spenden und sich zum Beispiel um die Pflege der Anlage für „die Maria am Kiesloch“ kümmern. Im Rahmen des Stadtumbauprogramms wurden 400.000 Euro investiert, von Bund und Land Hessen zu 70 Prozent gefördert. Ein Ziel war die barrierefreie Nutzung des Uferwegs. Vom Kiesloch zur Naturoase, so lässt sich die Geschichte dieses Naherholungsgebietes beschreiben, jetzt aufgewertet durch den ordentlich asphaltierten Weg, viele Bänke und neue Anlagen. Holzzäune schützen an steilen Uferböschungen die Spaziergänger und seien zum Schutz der neu angelegten insektenfreundlichen Blühwiesen und neuen Eidechsenhabitate nötig, erklärte Scheib. Die Natur hat sich mit den Jahren den Gemeindesee mit Schilfansiedlung und die Umgebung erobert, alte Bäume und Obstbäume säumen die Ufer. Was hier an Anlagen erlaubt ist, bestimmt die Untere Naturschutzbehörde, auch welche Bäume nicht gefällt werden dürfen. Beim Abstecher über die Brücke bei der Tischtennisplatte stellte Thomas Brecht vom Obst- und Gartenbauverein das „offene Klassenzimmer“ mit zwei Obstbaumreihen vor, die mit Schulkindern gepflanzt wurden und gerade den Sommerschnitt bekommen haben.
Foto: Hannelore Nowacki
Einst Badestrand wie auf Mallorca – heute Beschaulichkeit
Einige ältere Bibliser erinnerten sich wehmütig an die Zeiten als der Gemeindesee ein beliebter und vielbesuchter Badesee war, der eigentlich ein Abbaugebiet für Kies und Sand war und deshalb Kiesloch genannt wurde – mit unterschiedlichen Wassertiefen von neun bis 19 Metern und zum Teil steil abfallenden Uferböschungen. Damals überwachte und sicherte die DLRG (Deutsche Lebensrettungsgesellschaft) den Badebetrieb. Das eintrittsfreie Badevergnügen dauerte bis in die 1980er Jahre. Allerdings waren die Autos der Badegäste überall in den Straßen geparkt, was den Anwohnern weniger gefiel. Bürgermeister Scheib wusste auch zu berichten, dass damals an den Wochenenden drei- bis viertausend Besucher den baumlosen Strand bevölkerten. Bis eines Tages die ehrenamtlichen DLRG-Mitglieder den Aufwand nicht mehr stemmen konnten. Gegründet wurde der DLRG-Ortsverein 1964 mit Standort direkt am See. Eine bebilderte Informationstafel zeigt eindrucksvoll, was damals los war und erzählt die Geschichte des Baggersees. An einigen Stellen des Rundwegs sind noch Reste der Überwachungsanlagen zu entdecken wie ein rostiger Pfahl für die Alarmglocke. Dort ist ein neuer Strand entstanden, mit Sand, der nach Vorgaben der Unteren Naturschutzbehörde in Heppenheim farblich stimmig sein musste.
Foto: Hannelore Nowacki
Baden ist verboten, wie auch das Betreten der Eisfläche wie ein Hinweisschild warnt. Zuletzt zugefroren war der See im Jahr 1967 wie sich Herbert Ritzert erinnert. Bei der täglichen Rundfahrt schaut der Bauhof nach dem Rechten wie bei allen Spielplätzen. Während die Erwachsenen vor allem den Ausführungen des Bürgermeisters lauschten, waren die Kinder intensiv mit den 15 Fragen der „See-Rallye“ beschäftigt, die sich DLRG-Mitglieder überlegt hatten, darunter Fragen zur Zahl der aufgestellten Sportgeräte am See, welche Farben die Sitzblöcke an der Tischtennisplatte haben und welche zwei Obstsorten am See am häufigsten sind. War das schwierig? Daniel meinte gegenüber dem TiP „es ging so“, sein jüngerer Bruder Johann fand die Fragen jedoch „ganz schön schwer“. Spannend fand ihr Papa Rüdiger Glaser die Fragen. Gut aufpassen, schauen und zählen, war angesagt, um vielleicht zu den fünf Hauptgewinnern zu gehören. Bei Abgabe der Zettel mit Adresse beim DLRG-Jubiläumsfest gab es einen Lolli, nach der Auswertung werden die Preise vergeben.
Neugestaltung des Rundwegs mit Bürgerbeteiligung – Toiletten geplant
Gefragt waren die Bürger beim Stadtumbauprogramm ISEK, wie die Umgebung des Gemeindesees zukünftig aussehen soll mit Blick auf die Aufenthaltsqualität, Beschattung und als Ort der Begegnung. Nach einem Rundgang mit interessierten Bürgern sei ein Fragebogen entwickelt worden, in Workshops wurden mit den Bürgern Ideen entwickelt, die ab Oktober bis Ende Juni dieses Jahres baulich umgesetzt wurden. Wie Bürgermeister Scheib mitteilte, wird zum Beispiel noch an weitere Sportgeräte und Sitzbänke gedacht, auch ökologisch orientierte Toiletten soll es geben. Die vorgeschlagene und von den Bürgern gewünschte WC-Anlage sei aus Naturschutzgründen nicht genehmigt worden.
Hannelore Nowacki













































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