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Fr., 04. April 2014, 10:47 Uhr
Biblis bekommt ein neues Wahrzeichen / Bürgerstiftung sammelte Spenden
Gurkenfrau mit Kind und Gummernkorb aus Bronze vor dem Alten Rathaus
Das Wahrzeichen „Gurkenfrau mit Kind und Korb“ wird als lebensgroße Skulptur aus Bronze auf dem Platz vor dem Alten Rathaus stehen - von allen Seiten gut sichtbar und für Hochzeitspaare ein schönes Fotomotiv. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Die Gurken aus Biblis waren einst sehr begehrt – frisch wurden sie auf dem Wochenmarkt auch in Worms verkauft, mit der Bahn in alle Himmelsrichtungen transportiert, weltweit exportiert und waren als Konserven überall sehr geschätzt. Die Landwirte erarbeiteten sich mit dem Gurkenanbau einen bescheidenen Wohlstand. Der Strukturwandel seit dem Jahr 1882 markierte den Beginn dieser neuen Epoche. Bis heute hat die Gurke für Biblis eine überragende ideelle Bedeutung - ohne sie gäbe es nicht das seit 1953 alljährlich gefeierte Gurkenfest mit der Krönung einer charmanten Gurkenkönigin und es gäbe nicht die vielen Tausend Besucher aus nah und fern. Die Blütezeit des Gurkenanbaus und der Gurkenverarbeitung endete nach langer Geschichte nach und nach vor wenigen Jahrzehnten. Von den etwa zehn ausgelasteten Gurkenfabriken nach dem zweiten Weltkrieg sind noch Gebäude und Schornstein der Gurkenfabrik Kölsch zu sehen. Und nun setzt in Biblis durch die Energiewende erneut ein Strukturwandel ein, auch das motivierte die Bürgerstiftung ein Wahrzeichen zu schaffen. Bei einem Pressegespräch am Sitz der Bürgerstiftung Biblis in der Heinrichstraße 2 am Donnerstagabend stellten Gerd Reis, Vorsitzender des Stiftungsvorstandes, und Alfred Kappel, Vorsitzender des Stiftungsrates und Projektleiter, das Projekt der Bürgerstiftung „Bibliser Wahrzeichen - Gurkenfrau mit Kind und Korb“ vor. Der polnische Künstler Marek Zalewski wurde mit der Arbeit beauftragt, in der Region bekannt wurde er bereits durch Werke im Odenwald; in Lampertheim hat er die Spargelschälerin mit Kind gestaltet. Der Gurkenkorb mit einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm ist schon fertiggestellt. Bürgermeister Felix Kusicka berichtete vom einstimmigen Beschluss des Gemeindevorstandes zur Platzwahl auf gemeindeeigenem Grund vor dem Alten Rathaus, wo das neue Wahrzeichen am diesjährigen Gurkenfestsonntag enthüllt werden soll. Rudi Dörr vom Verein für Heimatgeschichte Nordheim erzählte die spannende Geschichte von seinen umfangreichen Recherchen vom Beginn des Gurkenanbaus, den Biblis der innovativen Idee von Katharina Reis verdankte. Vom bäuerlichen Betrieb der Familie Reis in der Heinrichstraße ist heute noch das später umgebaute Wohnhaus zu sehen. Später, nach dem Tod ihres Mannes, wanderte sie mit ihren sechs Kindern, wie schon ihre Eltern und Schwester, nach Amerika aus und war dort ebenfalls geschäftlich erfolgreich. Von ihr wurde damals auch als „Cucumber Queen“ gesprochen. Wie der Gurkenanbau den Alltag vieler Bibliser bestimmte, weiß auch Bürgermeister Kusicka von seinem Schwiegervater. Bauamtsleiter Manfred Gölz erzählte aus seiner Kindheit und Jugend. Anfang Mai seien die teuren Gurkensamen gesteckt worden und immer in den Sommerferien war dank Regen und Wärme Erntezeit für die stacheligen Gummern. Dann hieß es für die Kinder raus aufs Feld zum Gurken „robben“. Die Gurken waren unter dem reichen Blätterwerk gut versteckt und mussten vor dem Pflücken erst gesucht werden. „Die Gummern waren das Gold der Bibliser“. Um Missverständnissen vorzubeugen, erklärte Projektleiter Kappel, dass die komplette Finanzierung der Bronzegruppe aus Spenden resultiert, die Bürger ausschließlich für diesen Zweck geleistet haben. Die Bürgerstiftung habe keine allgemeinen Spenden oder Kapitalerträge verwendet. Sobald die Gesamtkosten feststehen, werde die Bürgerstiftung die Kosten offenlegen, kündigte Stiftungsvorstand Reis an. Offen sind noch die Kosten für die Plaketten mit einem Relief der Bronzegruppe, die es für alle Spenden ab 100 Euro gibt sowie für die Tafel, auf der alle Namen der Spender verzeichnet sein werden, die 1.000 Euro und mehr gespendet haben. Bei der Namenssuche für die „Gurkenfrau mit Kind und Korb“ sind Ideen der Bibliser gefragt. Die Bürgerstiftung denkt über einen Wettbewerb nach. Hannelore Nowacki
Information
Die Bürgerstiftung hat sich die Förderung des traditionellen Brauchtums und der Heimatpflege auf die Fahnen geschrieben und ist auf weiteren Gebieten aktiv. Ein Projekt ist die „Life-Kinetik“, eine Erzieherinnenfortbildung mit großem Erfolg. Am 12. Juli wird eine weitere Fortbildungsveranstaltung stattfinden, diesmal in der Kultur- und Sporthalle in Nordheim. Öffentlich ist die Vortragsveranstaltung zum Thema Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung am 14. Juli um 19.30 Uhr im Bürgerzentrum, vortragen wird Dr. Nikolaus Wachtel.