„ZwiBuR“ begeisterte mit traditionellem Kabarettabend
„Hauptsach‘ es spielt koa Roll“
Den NSA-Skandal nahmen sich Ralf Ehret, Carolin Perrone und die Brüder Bruno und Ronald Ehret vor und zogen ihrerseits ihren Nutzen daraus. NSA bedeute ja nichts anderes, als „neue selektierte Auskunftsstelle“. Foto: oh
HÜTTENFELD - Der Hüttenfelder Theaterverein „ZwiBuR“ begeisterte wieder einmal sein Publikum mit seinem alljährlichen Kabarett, das in diesem Jahr die vielsagende Überschrift hatte: „Hauptsach‘ es spielt koa Roll“ - da konnte man wirklich alles hineininterpretieren.
Natürlich hatte die Veranstaltung im evangelischen Gemeindezetnrum nicht ganz das Flair der Open-Air-Veranstaltung vom letzten Jahr, wo man aufgrund des 20-jährigen Bestehens das Ganze außerhalb auf einem Bauernhof abhielt. Dennoch war die Stimmung auch in diesem Jahr ausgelassen. Bodo Ehret führte in seiner unnachahmlichen Art durch das Programm und hatte zu jedem Beitrag seine eigene Fußnote zu vergeben. Die Nachrichten, vorgetragen von Tiny Moos und Alexandra Plenert, nahmen einmal mehr Orts- und Weltgeschehen auf die Schippe. So solle man den Maikäfer durch den klimatisch bedingten Frühflug in Aprilkäfer umtaufen, wohingegen seit dem Abriss der Kegelbahn die Zeiten vorbei sind, wo man in Hüttenfeld eine ruhige Kugel schieben kann.
Feste Programmpunkte im Hüttenfelder Kabarett sind zum einen der Ehesketch von Ronald und Manuela Ehret. Dieses Mal bekamen sie sich in die Haare, da er keine Tattoos tragen will, wo sie es sich doch so sehr wünscht. Andererseits hatten Bodo Ehret und Jürgen Rudolph auf ihrer Parkbank wieder unappetitliche Momente mit den Vierbeinern.
An der grün-weißen Stange (SGH-Sketch) ließen sich Rudolph und Ronald Ehret über Diäten aus („weniger Fett und Zucker – mehr Obst und Gemüse, nix Neues von den Ernährungsfuzzies“) und stellten fest, dass ihre Vornamen (Jürgen und Ronald) untrennbar mit gutem Fußball verbunden sind.
Bruno Ehret als „Zeitungsmotzer“ nahm sich dann das aktuelle Tagesgeschehen vor. Kristina Tiedemann ließ sich dann über den Steit im Auto aus, wenn der Sitz vom Partner falsch eingestellt wurde. Ihr kongenialer Partner Bodo Ehret kommentierte das damit, „dass ein Frauengetriebe (beim Auto) durch die falsche Sitzeinstellung nach 3000 Kilometern ausgenudelt ist“. Am Frauenstammtisch mit Alexandra Plenert, Undine Ihrig und Beate Bruhns ging es um Vegetarier und Veganer, die auf Speisekarten kaum Fleischloses fanden. „Man sei ja auch im Restaurant und nicht in der Gärtnerei“, konstatierte der Kellner. Und dass es sich ohne Diät ganz gut leben lässt, das stellte Heike Ehret fest („lieber mit 70 geplatzt, als mit 80 verdorrt“). Da stimmten viele aus dem Publikum zu.
Walter Tiedemann nahm sich gleich zwei Loriotsketche zur Vorlage, bei denen auch Szenen aus der Ehe zur Debatte standen. Einmal vor dem kaputten Fernseher, Partnerin war hier Beate Bruhns, und zum anderen mit Heike Ehret, die ihn Partout in seiner Ruhe nicht belassen wollte, einfach nur mal so dazusitzen. Wie kein Anderer ist Tiedemann dazu in der Lage, den Humor Loriots in Ausdruck und Mimik rüberzubringen.
Der sogenannte „Running Gag“, der sich wie ein Faden durch das Programm zieht, war dieses Mal musikalischer Art. Als Conchita Wurst drapiert, besang Bruno Ehret nach dem Ohrwurm „Happy“ Begebenheiten aus Hüttenfeld. Happy wurde dann wahlweise ersetzt durch (do muss e) „Trepp hie“ oder (mer halte die )„Kepp hie“. Backgroundchor und Kongaspieler Ralf Ehret trugen das ihre zu dieser grotesken Nummer bei.
Nach zwei Stunden hieß es dann zum Schluss einmal mehr: „ZwiBuR das ist ohnegleichen, Theaterspaß zum Steinerweichen“. Einen Teil des Eintrittsgeldes will ZwiBuR dem Bensheimer Hospiz spenden. ehr