Stadt Bürstadt fördert Integration der Flüchtlinge mit angestelltem Koordinator
„Hauptthema ist eine gelungene Integration“
Als angestellter Flüchtlingskoordinator und Integrationsbeauftragter wird Jürgen Knödler mit allen beteiligten Stellen in den Bereichen Sprache und Bildung, interkulturelle Öffnung in Gemeinwesen und Verwaltung, Arbeit und Beschäftigung, Schaffung von Wohnraum sowie Bürgerbeteiligung und bürgerschaftliches Engagement zusammenarbeiten und Kontakte pflegen. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Flüchtlinge in Bürstadt leben in Gemeinschaftsunterkünften, in Wohnungen und haben einen unterschiedlichen Status, sie brauchen Sprachkurse und Arbeit – und sie sollen in Bürstadt heimisch werden können. In dieser komplexen Lage haben ehrenamtliche Unterstützer aus dem Netzwerk Asyl im Rahmen ihres bürgerschaftlichen Engagements Vorbildliches geleistet. Das machte Bürgermeisterin Barbara Schader bei der Pressevorstellung von Jürgen Knödler am Dienstagabend deutlich. Als angestellter Flüchtlingskoordinator und Integrationsbeauftragter soll der 52-jährige Sozialwissenschaftler mit sozialpädagogischem Schwerpunkt im Auftrag der Stadt Bürstadt zu allen Stellen Kontakt pflegen und mit ihnen zusammenarbeiten, die wie Schulen, Verwaltung und Jobcenter mit der Integration der Flüchtlinge befasst sind. Seine Vollzeitstelle mit 39 Stunden beim Verein Lernmobil Viernheim ist auf drei Jahre befristet. Zur jährlichen Summe von 60.000 Euro, die Bürstadt nach Haushaltsplan an Lernmobil Viernheim zahlt, soll der Kreis auf Antrag der Stadt Bürstadt die Hälfte als Zuschuss beitragen. Dass man professionelle Hilfe bei der Koordination der Flüchtlingsarbeit brauche, sei bereits vor einem Jahr angedacht worden, erläuterte Schader die Ausgangslage. Anträge aus den politischen Gremien haben den Weg geebnet. Die Kommune habe die Aufgabe der Unterbringung, die Betreuung sei eigentlich Aufgabe des Kreises Bergstraße, doch dort seien die Kräfte ausgelastet und bei den ehrenamtlichen Kräften bestand die Gefahr der Überforderung. Der Verein Lernmobil Viernheim sei in der Flüchtlingsarbeit erfahren und vom Bundesamt für Migration anerkannt und bisher schon im Bereich Sprachkurse in Bürstadt tätig geworden. Die gemeinsame Steuerung der Integrationsarbeit leitet Bürgermeisterin Schader mit Unterstützung von Dr. Gerd Baltes und Dr. Brigitta Eckert von der Geschäftsführung des Vereins Lernmobil Viernheim, die neben der Erfahrung auch die breite Vernetzung mitbringen. Seit 30 Jahren biete Lernmobil Viernheim Sprachkurse an, seit 2005 sei der Verein im Auftrag des Bundes für den westlichen Teil des Kreises Bergstraße tätig, erklärte Baltes. Das von Lernmobil Viernheim entwickelte Projekt für Integrationslotsen und interkulturelle Vermittler habe so gut eingeschlagen, dass neben Viernheim auch Heppenheim, Bensheim und Lampertheim daran teilnehmen.
Bürgermeisterin Barbara Schader beim Pressegespräch mit Dr. Gerd Baltes, Jürgen Knödler und Dr. Michael Held. Foto: Hannelore Nowacki
Dass die Ausbilder bei Lernmobil insgesamt 18 Sprachen beherrschen, hob Baltes als besonderen Vorteil hervor. Als Hauptthema der Zusammenarbeit nannte Bürgermeisterin Schader „eine gelungene Integration“. Das Stellenprofil für die Ausschreibung sei mit dem Kreis abgestimmt worden. Bei den Bewerbungsgesprächen war die Stadt Bürstadt, Lernmobil Viernheim und Michael Held, der Koordinator von Netzwerk Asyl, vertreten. „Unsere Wahl ist ganz bewusst auf Herrn Knödler gefallen“, erklärte Schader. Nach seinem Studium der Politischen Wissenschaft, Soziologie und Pädagogik in Heidelberg war Knödler vielfältig in der Erwachsenenbildung tätig, unter anderem in der Ausbildung von Non-Professionals beim Paritätischen Gesamtverband. Das Thema Flüchtlinge beschäftigte ihn auch ehrenamtlich im Mannheimer Asyl-Café. Anlässlich der großen Flüchtlingswelle habe er sich für die Leitung in den Spinelli Barracks beworben, eine Erstunterkunft in Hallen. „Eine aufregende Zeit“, merkte Knödler mit spürbarer Begeisterung an. Hier habe er sich auch mit den Herkunftsländern beschäftigt. Am 1. September hatte Knödler seine Stelle angetreten und sich bei der Stadtverwaltung bekannt gemacht, in einer Feldanalyse habe er die zurzeit rund 240 Flüchtlinge näher kennengelernt, berichtete er. Sein Büro in der alten Schillerschule bezieht er Anfang Januar. Seine Einschätzung: „Die Koordination ist eine große Aufgabe“. Hannelore Nowacki