Reformationsjubiläum mit „Futtern wie bei Luthern“ gefeiert
Heitere Stimmung beim geselligen Essen
Vera Darmstädter als Wilhelmine Bleibtreu modernisierte das Luther-Modell mit einer Basekappe. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Das Motto des Abends war „Futtern wie bei Luthern“, ein geselliges Essen wie zu Luthers Zeiten. Zur Feier des Tages wurden zwei zarte Spanferkel geliefert, die den Gästen sehr gut mundeten. Alles andere hatte das fleißige Küchenteam selbst gekocht, für so viele Gäste eine echte Herausforderung. Doch bevor die Teller gefüllt werden konnten, verschaffte sich Pfarrer Ralf Kröger zur offiziellen Begrüßung Gehör mit zwei Glöckchen, denn die Gäste im großen Saal des Martin-Luther-Hauses plauderten miteinander und führten lebhafte Tischgespräche, eine bedeutende Geräuschkulisse war entstanden. Wie Pfarrer Kröger erläuterte und dabei auf den mittelalterlichen Kupferstich mit einer Tischgesellschaft hinwies, forderte Luther seine Gäste stets auf bei Tisch zu reden. Luther selbst habe einen Vortrag gehalten und erörterte gerne theologische Themen mit den Anwesenden, die von den Tischgesprächen Notizen machten, wozu er sie ausdrücklich ermutigte. Hätten Luthers Gäste nicht so viel notiert, wüssten wir heute nicht, was sich damals bei Tisch zugetragen hatte. Pfarrer Kröger stimmte die Gäste auf den Verlauf des Abends ein, der mit einem Tischgebet, Essen und fröhlichem Beisammensein begann. Tosenden Applaus regte er an, um allen herzlich zu danken, die bei der Vorbereitung tüchtig im Einsatz gewesen seien. Die Benimmregeln bei Tisch hatte Luther seinen Gästen vorgetragen, die zunächst die Hände waschen und dann mit den Fingern essen sollten. Allerdings sollten sie keine langen Finger auf den Teller des Nachbarn machen, Fleisch nicht ins Bier tunken und auf gar keinen Fall die Beine übereinanderschlagen, wenn edle Leute anwesend waren. Luthers Gattin Katharina von Bora hatte wohl jeden Abend Gäste zu bewirten. Was hat man bei Luthers gegessen? Eine Frage, die das Viererteam mit Wolfgang und Liane Köpp sowie Helmut und Hanne Schollmeier zur großen Zufriedenheit der Gäste gelöst hatten. Es gab ein Süppchen im großen Topf, das Erbspüree passte hervorragend zum Hühnerschlegel wie zum Spanferkel, die Auswahl an der Salatbar rundete den kulinarischen Genuss ab. Zum Programm gehörte ein Sketch des Kirchenvorstandes und ein originelles Luther-Quiz mit Aha-Effekt nach Art der Fernsehsendung „wer weiß denn sowas“, bei dem Erzieher und Erzieherinnen des Kindergartens Falterweg mit Wissen Punkte sammeln konnten. Beim lustigen Sketch trafen sich einige Experten, die in ihrer Sitzung unter Vorsitz von Pfarrer Heribert Kastanienbuch (Pfarrer Kröger) über ein Luther-Denkmal auf dem Vorplatz sinnierten. Beteiligt waren der katholische Pfarrer Ottmar Stempelfeld (Gerald Schneibel) und die Lampertheimer Gleichstellungsbeauftragte Hildegard Brüller (Claudia Schumacher) mit der Idee, der Martin-Luther-Modellpuppe (Daniel Götz) ein Marienbild umzuhängen. Am Ende hatte das Luther-Modell auch die Bibel in der Hand und als moderner Mensch eine Kappe auf dem Kopf, die ihm die Beauftragte des Jugendvorstandes Wilhelmine Bleibtreu (Vera Darmstädter) verpasste. Alles in allem keine leichte Aufgabe. Kunsthistoriker und Uniprofessor Karl Grünstich (Tom Ell) war der Überzeugung, dass Luther aus der katholischen Tradition heraus einen weißen Chorrock tragen müsste. Schließlich meldete sich das Denkmal-Modell mit einigen lutherischen Grundsätzen und der Mahnung zu Wort „vergesst die Liebe nicht“. David Marweld führte Regie. Als Moderator mit Witz und Sinn für Komik führte Pfarrer Kröger unterhaltsam durch den Abend und die Quiz-Show, die Erstaunliches über Luther zutage förderte. Bekannt ist, dass er in Worms standhaft blieb, bei Erbsenpüree mit Brathering hingegen weniger. Hannelore Nowacki