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  • Mo., 20. August 2018, 07:59 Uhr
    Lampertheimer Mundartabende des Heimat-, Kultur- und Museumsvereins in „Lambada Muddasprooch“ dreimal erfolgreich 

    Heiteres gereimt und ungereimt 

    Dine greift durch, das bekommt auch der Schneidermeister zu spüren. Die historischen Kostüme hat das Heimatmuseum im Fundus. Rosemarie Münch soufflierte, um Frisuren und Maske kümmerte sich Käthe Lahr-Bachert. Foto: Hannelore Nowacki


    LAMPERTHEIM – Sprachkultur in heiterem Gewand war bei den Lampertheimer Mundartabenden 2018 geboten, die der Heimat-, Kultur- und Museumsverein im romantischen Innenhof des Museums von Donnerstag bis Samstag in „Lambada Muddasprooch“ veranstaltete. Auch auswärtige Besucher und alle, deren Herz für die Lampertheimer Mundart schlägt, hatten ihren Spaß, wie das Premierenpublikum durch häufiges Lachen und begeisterten Applaus kundtat. Dass tatsächlich Auswärtige zugegen waren, insbesondere auch Bürstädter, hatte Moderator Rainer Müller gleich zu Beginn durch Handaufheben feststellen wollen, was jedoch nicht auf Anhieb gelang. „Die Bärrstädter draue sich noch nicht“, motivierte er die Zaudernden. Die Übungen „zum Uffwärme“ mit Klatschen und Lachen, die Müller anregte, machte das Publikum bereitwillig mit, das Essen und Trinken war dank der Bewirtung bereits gut eingeübt. Beim Theaterstück war Müller zudem für das Klingeln an der Haustür und des Telefons zuständig. Seit über 40 Jahren gibt es die Mundartabende, auch um die „Ausdrück nicht zu vergesse“ erfuhren die Besucher, unter ihnen Vertreter der Lokalpolitik und Verwaltung, von Margit Karb bei ihrer Begrüßungsansprache in Lampertheimer Mundart. Als Sahnehäubchen „obedruff“ und Höhepunkt kündigte sie das Theaterstück „Des grieje ma beim Biggle“ von Heinrich Friedrich Karb an, ein Volksstück in einem Aufzug unter der Regie von Heiner Weppelmann. 1997 war es am gleichen Ort uraufgeführt worden. Zunächst stimmte das „Schnoukequartett“ in der dreiköpfigen Besetzung mit Wolfgang Weber (Akkordeon), Charly Hartnagel (Trommel sowie Licht und Ton) und Roland Bachert (Trompete) das Publikum mit heiteren Melodien auf den Abend ein. Die elfjährige Lara-Maria Kärcher bewies mit ihrem Gedichtvortrag „‘S Knoddlkärrche“, dass die Lampertheimer Mundart auch beim Nachwuchs Fans hat. Bekannt wie ein bunter Hund sei Heinz „Clever“ Eichenauer, meinte Moderator Müller in der Ankündigung des Kerweborscht, der die Mundart in gereimter Form pflegt. Das Schnouke-Trio spielte zwar das Kerwelied, doch der Redner wollte mitten im August der Kerwe nicht vorgreifen, übte aber schon mal mit dem Publikum, den „Heimatmuseumsstrunzern“, die Antwort auf den Zuruf „wem gehört die Kerwe?“. Zum ehrenwerten Beruf des Kerweborscht gehöre in Lampertheim der Zylinder, den früher nur „die feine Leit“ getragen haben. Doch in Howwe trage man Strohhut und Kapp. Mit einem Vorurteil über Kerweborscht wollte Eichenauer aufräumen. „Wir können ganz locker eine halbe Stunde auf Alkohol verzichten“.

    Wie er „über die Hose a Schorz“ trage, sei ein Zeichen, für die Hausarbeit willens zu sein, sogar diese ganz allein zu machen – vom Kartoffelschälen bis zum „Schmiere de Fraue die Worschdebrode“. Clever wie Eichenauer ist, wusste er wohl genau, dass er damit einen Riesenlacherfolg erzielen würde. „Der Hausmann“ als Thema lebte auch im Gedichtvortrag von Margit Karb auf. Nach der musikalisch unterlegten Pause ging es in der Schneiderwerkstatt von Schneidermeister Emil Bayer (Stefan Weis) rund. Damals, zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Azubi Rudi Hopp (Patrick Rupp) noch ein Lehrling oder Stift und einen Kunden wie den Oberpostsekretär Fritz Lang (Florian Weppelmann) zu gewinnen, galt jedenfalls für Meister Bayer als Glücksfall. Dass ausgerechnet dieser Kunde um seine Uniformhose zur Amtseinführung bangen musste, brachte den Meister und seine ebenso resolute wie fürsorgliche Gattin Dine Bayer (Silvia Hoffinger) in Rage. Doch wie durch ein Wunder, eine Dampfwolke quoll aus den Kulissen, konnte das Malheur ausgebügelt werden.

    Damals lag das Gärtnergold in Form von Pferdeäpfeln auf der Straße, die ʼs Knoddlbüwl und seine Schwester einsammelten. Foto: Hannelore Nowacki


    „Des grieje ma beim Biggle“ stimmte tatsächlich – und der Oberpostsekretär, in langer weißer Rippenware auf der Bühne, konnte endlich die neue Qualitätsarbeit in Empfang nehmen. Zuvor war allerhand schief gegangen, denn die lebenslustigen Mitarbeiter, Geselle Heiner Schmatz (Peter Medert), gerne im Schneidersitz auf dem Tisch, und Schneiderin Berta Moser (Marion Justen) hatten dem Stift das Hosenkürzen überlassen und dann zusätzlich die Schere angesetzt. Beim Maßnehmen half dem Lehrling ein kurzerhand auf die Bühne gebetener Zuschauer netterweise aus. Wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch, das war der Dine klar. Magda Stricker (Doris Schmidt) mit Rüschenkragen traf in der Werkstatt auf Sophie Schneider. Beide Stammkundinnen wollten zur Kerwe ein neues Kostüm schneidern lassen, kamen jedoch miteinander in Streit, wer von ihnen wohl die hübschere ist. Mittlerweile hatten ihre braven Töchter Katharina (Ronja Kärcher) und Elsbeth (Katrin Justen) im rosa Kleidchen unter dem Tisch ihren Spaß. Andere Kinder waren auf der Gass beim Pferdeäpfel sammeln unterwegs. ʼS Knoddlbüwl (Simon Kärcher) und seine Schwester (Sarah Justen) ernteten dabei neugierige Blick von oben aus der Werkstatt. Nach dem guten Ende und Applaus rief Margit Karb die Zuschauer auf, nach alter Tradition gemeinsam das „Lampertheimer Lied“ zu singen. Hannelore Nowacki

     

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