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  • Mo., 06. Februar 2017, 15:40 Uhr
    23. „Bäschdedder Frauesitzung“ ließ das Publikum toben

    „Helden der Kindheit“ bei Narretei mit Frühstücksei



    „BrezeLinchen“ klärte die Damen im Publikum über eine neue Diätform auf – die „Döner-Diät“, bei der man sich einfach so lange im Kreise dreht, bis das Fleisch von alleine abfällt. Foto: Susan EßlingerRIEDRODE – Unter dem diesjährigen Kampagnenmotto „Helden der Kindheit“ startete am Sonntag Morgen die Frauensitzung des Bürstädter Fasnachts Clubs BFC. Um Energie für das bevorstehende Programm - welches bis zum späten Nachmittag andauerte - zu sammeln, trafen sich die Damen bereits zum gemeinsamen Frühstück. Dafür stand ein extra vom Verein zusammengestelltes Küchenteam schon früh am Morgen um 6.30 Uhr parat, um Brötchen, Kaffee und andere stärkende Leckereien für die rund 150 Besucher vorzubereiten. „Die Besucherzahl unserer Narretei mit Frühstücksei ist schon seit Jahren beständig“, freut sich Edith Appel-Thomas vom BFC. Besonderes Highlight in diesem Jahr: Die Fasnachtsprinzessin Ann-Cathrin I. stammt aus den eigenen Reihen des BFC!

    Das Wahrzeichen der alljährlichen Veranstaltung bildeten auch dieses Mal die „Drei Alte Weiber“ – hinter denen Sandra Ruh, Gabriele Hofer und die legendäre Heike Stampfer steckten. Durch das Programm führten die beiden Moderatorinnen Heike Stampfer, die auch 2. Präsidentin des Vereins ist, und Vereinsbeisitzerin Eva-Maria Hofer.

    Bereits zu Beginn der Sitzung waren die Auftritte der „BFC Little Steps“, die „Diamond Chicks“ und die „Prosecco Garde“ ein Stimmungsgarant.

    Keinesfalls ließen sich die Damen – es trauten sich offensichtlich nur ganz wenigen Herren der Schöpfung unter die Besucher - einfach nur von dem Geschehen auf der Bühne unterhalten. Besonders unterhaltsam waren die spontanen und situationsbedingten Interaktionen mit dem Publikum das den Darstellern auf der Bühne stetig einen verbalen Schlagabtausch bot. So schmetterten die Ladies aus dem Publikum den beiden Grazien auf der Bühne den ein oder anderen kessen Satz um die Ohren. Doch das Zepter gaben die beiden Moderatorinnen dennoch nicht aus der Hand und konterten ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Es wirkte teilweise schon wie Stand Up Comedy, was den Zuschauern am Sonntag geboten wurde. Heike Stampfer und Eva-Maria Hofer erinnerten mit ihrer Professionalität aber auch mit ihrem optischen Erscheinen an das ehemalige Kabarettisten-Duo „Queen Bee“ in Person von Ina Müller und Edda Schnittgard das in den späten 90ern durch Deutschland tourte. „Eine Ähnlichkeit ist möglich, aber wir sind halt einfach wir“, stellt Heike Stampfer klar. So wussten die beiden auch gekonnt sich selbst nicht ganz so ernst zu nehmen und konnten nicht nur austeilen sondern auch einstecken. „Lachen ist das Brot des Künstlers! Und dere do rabbelt de Applaus dosch die Ribbe“, schoss Stampfer ihrer Kollegin Hofer entgegen und spielte auf den figürlichen Unterschied der beiden Grazien an. 

    Für die musikalische Untermalung sorgte ebenso Alleinunterhalter „Tom mit Tam Tam“ der von den Mädels auf der Bühne ebenso nicht verschont wurde und regelmäßig sein Fett weg bekam. Dennoch ließ er sich nicht demotivieren und sorgte in den Pausen dafür, dass die Stimmung nicht einschlief – so dauerte es nicht lange, bis einige tanzwütige Damen in den Pausen die Bühne stürmten um eine flotte Sohle aufs Parkett zu legen und ihr Sitzfleisch aufzulockern ehe es in die nächste Runde ging. Mit Fasnachtsklassikern wie „Schatzi schenk‘ mir ein Foto“ wusste er es gekonnt, die Stimmung unter den feierwütigen Närrinnen aufrecht zu halten. Aber auch er bewies Kreativität indem er allseits bekannte Lieder umtextete. So wurde aus „Ein Stern der Deinen Namen trägt“ kurzerhand „Eine Frau die mich nachhause trägt“ – ein Versuch, die männliche Ehre aufrecht zu erhalten und zumindest einen Hauch männlichen Stolzes gegen die anwesenden Frauen durchzusetzen.

    Auch mit kurzfristigen krankheitsbedingten Absagen weis der BFC umzugehen und ließ seine Kontakte spielen. So trat Ulrike Weiß – bekannt als „BrezeLinchen“ kurzerhand stellvertretend für eine erkrankte Darstellerin auf. Die Bauchrednerin kam in Begleitung ihrer Handpuppe – und auch von ihnen bekam „Tom mit Tam Tam“ ordentlich eins auf die Mütze. So fragte die Puppe BrezeLinchen recht schnell mit Blick auf ihn gerichtet „Alda, was issn des fa äna?“. Brezelinchen klärte die Damen im Publikum auch über eine neue Diätform auf – die „Döner-Diät“, bei der man sich einfach so lange im Kreise dreht, bis das Fleisch von alleine abfällt. 

    Zwischen den einzelnen Programmpunkten übernahm immer wieder das Moderatorinnen-Duo von Heike Stanpfer und Eva-Maria Hofer - die nur äußerst wenig nette Bemerkungen füreinander übrig hatten und keine Scheu davor hatten sich direkt ins Gesicht zu sagen „du bisch sooooo bleeeed“. 

    Die historisch bedingte Rivalität zwischen Lampertheimern und Bürstädtern durfte nicht fehlen. Man war sich einig: „Isch will ned noch Loambade, mer bleiwen in Bäschdadd weil mer eschde Bäschdädda sin!“. Die Reaktion der deutlich in der Minderzahl anwesenden Lampertheimerinnen ließ nicht lange auf sich warten: „Mer wolle aich a gar ned!“. Dass man trotz aller Rivalität ordentlich miteinander feiern kann, war für die Damen dennoch eine klare Sache.

    Wo viele Frauen sind darf nackte Männerhaut nicht fehlen. Dafür sorgte das achtköpfige Herren-Ensemble „Die Brunnebuzzer MB Fire Boys“. Die heißen Feger mischten sich in Bademäntel gehüllt mit mehr oder weniger knackig geformten Körpern unter das weibliche Publikum, erklommen Stühle um dort die Gürtel der Bademäntel zu lockern und nahmen unter Gekreische der erwartungsvollen Zuschauerinnen die Bühne für sich ein. Der erotische Höhepunkt der Veranstaltung war erreicht! Ihre akrobatisch-tänzerischen Einlagen hielten kaum noch jemanden auf dem Stuhl und die lautstark geforderte Zugabe war für die Kerle Ehrensache. 

    Holger Braun, Vizepräident des 1. CCRW Lampertheim bot ebenfalls für einen krankheitsbedingten Ausfall spontan seine Amtshilfe an und trat in Form des „Dokters aus Loambade“ an. Da er aus Lampertheim kam, folgte der Anmoderation die flehenden Bitte „gebbt’m ä Schoas“ – was das Publikum einstimmig mit „rhoi mittem!“ beantwortete. In seinem Programm berichtete er über den Ärztealltag und brachte Witziges und Kurioses vor. So zum Beispiel über die Erfahrung, eine Kannibalin auf der Entbindungsstation zu betreuen, bei der die Schwester die frischgebackene Mutter nach der Geburt fragte „zum Hieressen oder zum Mitnehmen?“. Stolz war der Arzt auch darauf, vor kurzem „Loddar“ Matthäus im Krankenhaus begrüßen zu dürfen: „Loddar war bei uns in de Klink – der wollt unbedingt emol bei de Geburt soina nägschde Freundin debei soi“. 

    Einen weiteren optischen Augenschmaus bot die Truppe „Top Secret“. Wie man sich Italiener vorstellt, betraten die Herren mit langen, schwarzhaarigen Perücken in Begleitung der weiblichen Darstellerinnen mit rotem Pagenschnitt in den Saal. Mit Tanzformationen zu den Italo-Klassikern „Azzurro“ von Adriano Celentano, Al Bano und Romina Power´s Titel „Felicita“ und „Sempre sempre“ zeigten sie, was sie in den letzten Monaten unter Leitung von Julia Engert-Kilian schweißtreibend einstudiert hatten. 

    Bevor alle Mitwirkenden zum Finale antraten, zeigten die „Kesse Jungs“ unter Leitung von Christian Pscheidt ihre strammen Waden beim Schuhplattler zu „Zur Hölle mit Heidi“. Der letzte Stimmungshöhepunkt an diesem Nachmittag wurde von gellendem Geschkreische und nur unter Aufführung einer lautstark geforderten Zugabe zu AC/DC´s „Highway to Hell“ verabschiedet. Auch die letzten wenigen Sitzengebliebenen hielt es nun nicht mehr auf den Stühlen.

    Was die Mädels des BFC am Sonntag auf die Beine stellten, konnte sich sehen lassen. Keine Minute kam Langeweile auf – vermutlich können sich manche „Jungs der Branche“ von ihnen eine dicke Scheibe abschneiden. Grund und Anlass genug um sich auch als männlicher Gast im nächsten Jahr unter das Publikum zu mischen. Einstecken sollten sie allerdings können… Susan Eßlinger

     
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