
BÜRSTADT – Zur „Kirche im Licht“ hatte es wie in den Vorjahren zahlreiche Besucher in die Pfarrkirche St. Michael gezogen. Eine Stunde lang sorgten am Freitagabend letzter Woche wechselnde Farbszenarien in der Kirche für überraschende und faszinierende Effekte in Königsblau, Violett, Rot, Grün und Sonnengelb vom Altarraum bis zur Decke. Muster und farbige Strahlen eilten durch den Raum oder legten sich sanft an die hohe Decke, an Wände und Säulengänge, um zu einem Lichtkunstwerk zu verschmelzen. Glitzernde Disco-Kugeln wurden zu Sonnen. Leichter Disco-Nebel lag in der Luft, damit die Lichteffekte sichtbar werden. Kurze Phasen der Dunkelheit bildeten den eindrucksvollen Kontrast zum farbigen Licht aus den vielen LED-Scheinwerfern, die Christian und Tobias Rohatsch installiert und verkabelt hatten, Profis auf dem Gebiet der Licht- und Tontechnik, die auch die passende Musik zum diesjährigen Thema „Hoffnung und Neuanfang“ ausgesucht hatten. Der Jugendliturgie-Arbeitskreis, kurz Julia-Arbeitskreis genannt, hatte die besinnlichen Wortbeiträge überlegt und zusammengestellt, eine Tradition, die Angela Rohatsch vor vielen Jahren als Leiterin der damals viel größeren Gruppe begründet hatte. Aus Jugendlichen sind junge Erwachsene geworden: Jasmin Winkler, Franziska Hofmann, Jan Ofenloch und Ines Bugert, die im Wechsel sprachen, sowie die Brüder Rohatsch.
„Heute soll sich was ereignen – auch bei uns selbst“. Mit diesen Worten leitete Jasmin Winkler die besinnliche Stunde ein. Die Kirche mal ganz anders als gewohnt zu erleben und dabei vielleicht auch Gott zu begegnen, darum gehe es. Aber auch in dieser ganz besonderen Atmosphäre abschalten, entspannen, zur Ruhe kommen und neu anfangen zu können. Wach sein, das Leise hören, das Kleine sehen, das Feine spüren, das Zarte pflegen, einen Schritt wagen, die Hand anbieten, liebevoll fördern, Neues entdecken – diese berührenden Anregungen sprach Ines Bugert. Berührt von den Wortbeiträgen zeigte sich ein Besucher, der beim Hinausgehen gegenüber dem TiP äußerte, dass er diese Texte als Unterstützung empfinde, zum Beispiel bei Gedanken, wenn etwas schief läuft im Leben, ob man verzeihen kann. Darüber habe er sich zuvor mit einem Freund ausgetauscht. „Ich möchte glauben, dass alles gut wird, ich lasse mir Zeit, zünde eine Kerze an und genieße diese Minuten der Stille“, sagte Jan Ofenloch, eine Minute der wirklichen Stille folgte. Franziska Hofmann sagte: „Ich will still werden und spüre tief in mir ungeahnte Möglichkeiten, Wünsche und Bedürfnisse, die Freude am Leben“. Sich Zeit nehmen, sich dem hektischen Treiben entziehen, bevor es zu viel wird, sich auf das Wesentliche ausrichten, nicht Fehler zählen, sondern anerkennen, was gelingt – diese und weitere weisen Worte kamen von der Empore durch den Raum zu den Zuhörenden. Am Ende brauste Applaus auf, dann wieder Stille, während die Besucher noch eine weitere Stunde die Lichtvariationen auf sich wirken lassen konnten.
Hannelore Nowacki
























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