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Di., 04. März 2014, 12:45 Uhr
Märchenhafter Karneval bei der TG Biblis / Zündstofforden für Franz Jäger
Hexen mit Klartext und Zwerge im unterhaltsamen Großformat
Auf der Bühne und im Publikum traten die Zwerge und Schneewittchen in Erscheinung, märchenhafte Begegnungen in der Wirklichkeit. Foto: Hannelore Nowacki
BIBLIS – Unter dem Märchenschloss tat sich allerlei am Freitagabend. Nur die schöne Prinzessin, die durch ihren Kuss den Frosch in einen Traumprinzen verwandelt, wurde in der Jahnsporthalle nicht gesichtet. Das märchenhafte Bühnenbild zeigte sie zögernd vor dem entscheidenden Augenblick. Die Bremer Stadtmusikanten und der Wolf mit Rotkäppchen umrahmten die Bühnenszenerie. Im Publikum bildeten die Zwerge mit ihren Mützen eine starke Fraktion. Und wie es im richtigen Leben ist, nicht jeder bekommt sein Schneewittchen. Das beklagte verständlicherweise auch das Männerballett bei seinem Zwergentanz. Weil es aber wie im Märchen war, genügte der Wunsch, um Wirklichkeit zu werden – und jeder bekam sein Schneewittchen, jedoch in männlicher Ausführung. Bei der Kostümprämierung hatten Hase und Igel die Nase vorn. Die Tanzformation „Threestyle“ bot den Rattenfänger von Hameln auf, dessen verführerischem Flötenspiel viele Ratten (alles nette Tänzerinnen) folgten. Die Garde verwandelte sich nach der Pause in zarte Elfen, die das Publikum mit ihrer Anmut bezauberten. Zuvor hatte der Elferrat mit Sitzungspräsident Jürgen Schmidt als Scheich aus tausend und einer Nacht beim Flashmob seinen großen Kostümauftritt im Saal, flankiert von allen Mitwirkenden zu beschwingter Musik. „Dschubuja“ hatte sich moderner Firmenkultur angepasst und trat als verschlanktes Duo auf, höchst amüsant auf das Marketing von Odenwälder Kochkäs und Äppelwoi spezialisiert, der vor der gefürchteten Unteräppelung schützt. Martina Hüter und Christiane Müller rührten als einfallsreiches Hexen-Duo kräftig mit viel Witz in ihren Hexenkesseln und schöpften aus dem Vollen, was die Bibliser Geschehnisse angeht. Klartext in Mundart war angesagt. Da nimmt man gerne eine Zugabe. Norbert Linn hatte als Protokoller das Wort. Von einer Partei, die mit fünf Prozent nur so viel Prozente hat wie ein Weizenbier, wolle er sich nicht regieren lassen, resümierte er und kam von der großen Politik mit GroKo schnell zum nicht weniger stoffreichen Lokalteil.
Neuer Zündstoffordensträger ist Franz Jäger, der sein Herz in Biblis verloren hat. Foto: Hannelore Nowacki
Ein lokales Ereignis, das die TG Biblis alljährlich nur bei der Freitagsausgabe ihrer Karnevalssitzung präsentiert, ist die Verleihung des Zündstoffordens. Silke Folz, als Kerwemudder aus Nordheim bekannt, hatte den letztjährigen Zündstofforden stellvertretend für alle Nordheimer entgegengenommen, am Freitag hielt sie die Laudatio für den neuen Zündstoffordensträger Franz Jäger. An Zündstoff hatte es in diesem Fall nicht gemangelt, denn der erfolgreiche Unternehmer nutzt für die Erweiterung seiner Fensterfirma Fläche in der Nachbargemeinde. Franz Jäger bleibt Biblis immerhin mit dem bekannten Jägerhof und den Pferden treu, auch wird er sich in Golfplatznähe häuslich niederlassen. Außerdem versicherte er in seiner Dankesrede: „Tief im Herzen bleibe ich für alle Zeit Bibliser“. „Keinen Vortrag“ hielt diesmal Gerhard „Hardy“ Baum, zeigte aber als Hausmeister mit dem Kehrbesen Zähne. Aus der „Gruschdelschublad“, die jeder Haushalt kennt, holte er mundartlich mit viel Witz alles raus, was, wenn man nicht aufpasst, zum totlachen führen könnte. Auch das vom Publikum ersehnte „Hähnschelied“ sang er mit der bekannten Leidenschaft. So lustig wie der märchenhafte Karnevalabend mit dem Vorspiel anfing, endete er mit einem vergnüglichen Schlussspiel. Zu Beginn wurden auf der Bühne in Echtzeit die Haare gewaschen, am Schluss nahm das Publikum am „Fernsehabend“ teil. Umwerfend die Rede von Christian Marsch als Obama, ideenreich die Verkaufssendung mit Annick Marsch und Gerhard Baum. Sendungen, die eine Wiederholungstaste verdienten. Und tatsächlich, am Samstagabend brachte die Karnevalabteilung der TG Biblis die zweite Vorstellung. Musikalisch machte „Double Pi“ machte Stimmung, auch bis in die Nacht mit Tanz und Sektbarbesuch. 50 Darsteller und 30 Helfer aus allen Abteilungen der Turngemeinde waren für das Publikum im Einsatz. Hannelore Nowacki