
BÜRSTADT/BOBSTADT – Was als routinemäßige Aufräumaktion im Stadtarchiv begann, entwickelt sich nun zu einer kleinen Sensation mit potenziell weitreichenden Folgen: Ein bislang unbeachtetes Dokument zum Grenzänderungsvertrag zwischen Bürstadt und Bobstadt weist eine entscheidende Lücke auf – die Unterschrift fehlt. Nach ersten Prüfungen deutet alles darauf hin, dass der Vertrag zur Eingemeindung Bobstadts möglicherweise nie rechtskräftig zustande gekommen ist. Mit anderen Worten: Bobstadt könnte – rein juristisch betrachtet – bis heute eine eigenständige Gemeinde sein. Bürgermeister Wenz zeigte sich bei der kurzfristig einberufenen Pressekonferenz gleichermaßen überrascht wie optimistisch: „Das Archiv hält eben immer wieder Überraschungen bereit. Sollte sich bestätigen, dass die Unterschrift fehlt, müssen wir die kommunalrechtliche Situation neu bewerten. Und selbstverständlich auch die finanziellen Aspekte.“
Gemeinsam mit dem Stadtkämmerer wurden bereits erste Überlegungen angestellt, welche Konsequenzen sich daraus ergeben könnten. Im Raum stehen insbesondere mögliche Regressansprüche für Leistungen, die Bürstadt über Jahre hinweg für die Bevölkerung Bobstadts erbracht hat – von Betriebshof- bis hin zu Verwaltungsdienstleistungen. „Wir prüfen derzeit sehr sorgfältig, in welchem Umfang hier Ansprüche bestehen könnten. Es geht dabei um nicht weniger als eine saubere Aufarbeitung der vergangenen Jahrzehnte“, so Kraft mit einem augenzwinkernden Verweis auf „historisch gewachsene Missverständnisse“.
Auch in Bobstadt selbst sorgt die Nachricht für Gesprächsstoff. Erste Stimmen aus der Bevölkerung zeigen sich erfreut über die theoretische Rückkehr zur Eigenständigkeit – nicht zuletzt, weil damit auch wieder ein eigenes Ortsschild denkbar wäre. Die Stadt Bürstadt betont jedoch, dass es sich aktuell um eine Prüfung des Sachverhalts handelt. Weitere Details sollen nach eingehender rechtlicher Bewertung folgen – möglicherweise schon „in den nächsten Tagen“, wie es aus dem Rathaus heißt. Bis dahin gilt: Manchmal lohnt sich ein Blick ins Archiv – besonders am 1. April. zg
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