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  • Fr., 20. August 2021, 09:16 Uhr
    Stromtrasse: FDP-Bundestagsabgeordnete zu Gast beim Ortstermin in der Anne-Frank-Straße

    Hochspannung in Rosenstock - Klagen oder abwarten?

    Auf Einladung der Lampertheimer FDP nahmen an der Gesprächsrunde mit Stadtverordneten und Anwohnern von der IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ als besondere Gäste die beiden FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mansmann und Bettina Stark-Watzinger teil, die sich beim Bund für die Lampertheimer Interessen stark machen sollen. Foto: Hannelore Nowack


     

    LAMPERTHEIM – „Wir brauchen alle Unterstützung von Bund und Land“, sagte der FDP-Stadtverordnete Helmut Hummel am Mittwochmittag beim Ortstermin in Rosenstock in der Anne-Frank-Straße , auf der einen Seite mit Blick auf die bestehende Stromtrasse, auf der anderen Seite die schmucken Eigenheime im Wohngebiet Rosenstock. Zur Gesprächsrunde unter freiem Himmel mit der IG „Wir stehen unter Strom für Lampertheim“ (IG) hatte Hummel neben Lokalpolitikern aus seiner Fraktion den FDP-Fraktionsvorsitzenden im Kreistag Christopher Hörst sowie Bürgermeister Gottfried Störmer und zwei Bundestagsabgeordnete seiner Partei eingeladen. Till Mansmann sitzt für den Kreis Bergstraße im Bundestag und war schon öfter bei Gesprächen zum Thema Ultranet-Hochspannungstrasse zugegen. Zum ersten Mal hier vor Ort war Bettina Stark-Watzinger, die auch FDP-Landesvorsitzende in Hessen ist und mit dem Problem Ultranet-Hochspannungstrasse vertraut ist, denn Niedernhausen mit der Trassenführung über die Wohnhäuser hinweg liegt in ihrem Wahlkreis. Mit Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb und dem Stadtverordneten Karl-Heinz Horstfeld waren auch zwei Vertreter der CDU gekommen. „Jetzt schon Verbündete suchen und Druck auf das Wirtschaftsministerium aufbauen“, darauf komme es an, erklärte Hummel, „wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um die Trasse von der Wohnbebauung wegzubekommen“. Der Bund plane die Trasse und sei dafür zuständig. Nach den Wahlen könne es eine neue Bundesregierung geben, merkte Hummel an, wobei ein Stück Hoffnung mitklang, dass dann vielleicht ein anderer Wirtschaftsminister werde. Hatte doch Minister Altmaier durch ein neues Gesetz dafür gesorgt, dass die Bürger durch dieses nunmehr einstufige Beschleunigungsverfahren weniger Möglichkeiten zur gerichtlichen Gegenwehr haben. Von der hessischen Landesregierung ist Hummel enttäuscht, denn die hatte bestimmt, dass es kein Abweichungsverfahren gibt und keine Erdverkabelung, die in Bayern jedoch durchgesetzt wurde. Von einer Klage verspricht sich Hummel langfristig nicht viel, das dauere zu lang. Große Anerkennung hörte die IG von Mansmann, der meinte, dass die Politik die sachliche Gesprächsbereitschaft und Offenheit der IG schätzen müsste. Das Problem mit der Hochspannungstrasse werde sich wegen der steigenden Leistungsanforderungen durch mehr Strombedarf sogar verschärfen, befürchten die Lokalpolitiker ebenso wie die IG. „Das sind dann ganz neue Verhältnisse“. Diana Taggeselle, Anwohnerin und IG-Sprecherin, fordert das staatliche Fürsorgeprinzip ein, dies sei Aufgabe der Politiker. Die Möglichkeit zur Verschwenkung der neuen Stromtrasse solle mit Nachdruck verfolgt werden, forderte Taggeselle, zum Schutz von Familien mit kleinen Kindern, des Seniorenheims, der Kita und Pestalozzischule. Wenig Verlass sei auf Auskünfte des Netzbetreibers Amprion, wie sie selbst erlebt habe. Bevor sie gebaut habe, habe sie von Amprion wissen wollen, ob die Stromtrasse so bliebe, für sie sei das damals in Ordnung gewesen. Zu bedenken gibt Taggeselle, dass es für die neue Höchstspannungsleitung weltweit keine Studien zur Auswirkung auf die Menschen gebe. Hier hakte Dr. Wilhelm Klingler ein, ebenfalls IG-Mitglied, und wies auf den Aspekt der Ionisation hin. Diese elektrische Aufladung von Luftteilchen führe zu oxidativem Stress, zum Beispiel mit der Gefahr von Herzinfarkten. Es wäre fahrlässig dieses Risiko einzugehen. Wie am besten vorgehen? An diesem Punkt trennen sich die Auffassungen, wie bereits länger bekannt und strittig ist. Bürgermeister Störmer wies auf das formelle Verfahren mit Anhörungen hin, das jedoch noch nicht in Gang gekommen sei, da Amprion die Planung noch nicht bei der Bundesnetzagentur eingereicht habe, eine Verzögerung seit Frühjahr. Zudem werde das Umspannwerk in Rosengarten deutlich erweitert und mit verstärkten Leitungen versorgt, die auf hessischer Seite auf drei Kilometern verlaufen. „Wir müssen das formale Verfahren abwarten“, bekräftigte Störmer seine Auffassung, „dann haben wir alle Möglichkeiten, die das Gesetz uns bietet“. Bürgermeister Störmer nannte den beiden FDP-Bundestagsabgeordneten noch eine lange Wunschliste mit weiteren Lampertheimer Anliegen, angefangen vom bergmännischen Tunnel für die neue Bahntrasse bis zur besseren Förderung des sozialen Wohnungsbaus.

    Die FDP-Bundestagsabgeordnete Stark-Watzinger sprach sich für die Verschwenkung aus und kritisierte das Land Hessen, das schlecht verhandelt habe. Im Rahmen des Planungsverfahrens könnten die Bürger ihre Einwände geltend machen. Politische Einflussmöglichkeiten gebe es, wenn alle an einem Strang ziehen, meinte sie. Auch Korb plädierte dafür, interfraktionell alle Möglichkeiten vorab auszuschöpfen. Anders als der Bürgermeister will Klingler nicht das formelle Verfahren abwarten, sondern vorher eine Lösung finden, um vorbeugend eine Fehlentscheidung zu verhindern. In der Frage der Verlagerung von der Wohnbebauung weg steht noch eine Klärung aus, nachdem nur 25 Prozent der von Amprion angeschriebenen Grundstückseigentümer einverstanden wären, jedoch erst bei 75 Prozent Zustimmung würde Amprion die Verschwenkungsvariante verfolgen. Auch Gespräche zwischen Stadt und Eigentümern hätten kein besseres Ergebnis erbracht, teilte Hummel mit. Klingler sprach hier von Egoismen einiger weniger Landwirte. Die Folgen ohne Verschwenkung wären für die geplanten Wohngebiete in der Kernstadt gewaltig, wobei die Pläne bereits durch den neuen Landesentwicklungsplan mit geforderten 400 Meter Abstand anstatt früher 200 Meter Abstand eingeschränkt werden, machte Hummel deutlich und schloss das Gespräch mit einem Aufruf: „Wir kämpfen weiter“. Hannelore Nowacki

    Helmut Hummel (links) stimmte die Gesprächsteilnehmer auf den weiteren Kampf für eine Verschwenkung der neuen Stromtrasse weg von bebauten Bereichen ein. Unterstützung erwarten die Betroffenen von den FDP-Bundestagsabgeordneten Till Mansmann und Bettina Stark-Watzinger. Foto: Hannelore Nowacki

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