Fr., 08. April 2016, 11:36 Uhr
Stadt Lampertheim und ADAC informieren Eltern / Hinweisschilder aufgestellt
Hol- und Bringzonen für „Elterntaxis” eingerichtet
LAMPERTHEIM – Sein Kind in die Schule zu fahren ist gefährlicher, als es selbst gehen zu lassen. Eine wissenschaftliche Studie im Auftrag des ADAC zeigt: Auch die Kinder vor der Schule sind in Gefahr, wenn Eltern ihre Kleinen bis vor die Schultüre fahren.
Dass aus gut gemeinten Absichten vieler Eltern oftmals unkalkulierbare Sicherheitsrisiken für Schulkinder entstehen, zeigt jetzt eine wissenschaftliche Studie der Bergischen Universität Wuppertal im Auftrag des ADAC. Laut Statistischem Bundesamt kamen allein im vergangenen Jahr 10.363 Kinder unter 15 Jahren im Auto ihrer Eltern zu Schaden – deutlich mehr als Kinder, die zu Fuß unterwegs waren.
Die Studie zeigt, wie die konkrete Gefährdungssituation vor Grundschulen aussieht: Hier gefährdeten in vielen Fällen Eltern durch regelwidriges Anhalten oder riskante Wendemanöver die Sicherheit anderer Schulkinder und Verkehrsteilnehmer teils massiv. Die „Elterntaxi"-Studie beklagt zudem als weiteren negativen Nebeneffekt, dass durch regelmäßige Hol- und Bringdienste die selbständige Mobilität von Schulkindern immer mehr verloren geht.
Im Rahmen der Untersuchung wurden Schüler, Lehrer und Eltern an rund 750 Grundschulen befragt. Klares Fazit: Je weniger „Elterntaxis" vor Schulen halt machen, desto weniger werden die Kinder gefährdet. Die Lampertheimer Verkehrsbehörde appelliert daher an alle Eltern, ihre Kinder auf einem sicheren Schulweg so oft wie möglich zu Fuß zur Schule gehen zu lassen.
Ferner sprechen sich Verkehrsexperten auf Basis der wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Einrichtung sogenannter "Elterntaxi"-Haltestellen aus. Hier können Schüler gefahrlos ein- und aussteigen. Diese speziell ausgewiesenen Hol- und Bringzonen sollten etwa 250 Meter vom Schuleingang entfernt liegen und so den Verkehr unmittelbar vor der Schule entzerren.
Auch am Lampertheimer Schulzentrum an der Biedensandstraße und der Carl-Lepper-Straße ist diese Problemstellung in den vergangenen Monaten deutlich geworden.
Sämtliche Lehrer und Eltern können ein Lied davon singen. Manche Eltern setzen sich morgens über sämtliche Verkehrsregeln hinweg, halten kreuz und quer vor der Schule und gefährden so alle Kinder. Zugleich sind sie schlechte Vorbilder. Aus Elternsicht gibt es viele Gründe, die Kleinen mit dem Auto zur Schule zu bringen. Bei einer Umfrage wurden die Angst vor Belästigung und ein gefährlicher Schulweg am häufigsten genannt. Auch Bequemlichkeit spielt eine große Rolle, ganz nach dem Motto „Kurze Beine – kurze Wege“. Oft klingelt auch der Wecker so spät, dass die Schule nur noch mit dem Auto pünktlich erreicht werden kann.
Dabei wäre es so wichtig, den Schulweg zu Fuß zurückzulegen. Kinder, die schon vor Schulbeginn in Bewegung waren, können sich besser konzentrieren, ihre Fitness steigt. Außerdem erlernen sie dabei grundlegende Verkehrsregeln. Sie müssen den Straßenverkehr im Auge behalten und an Kreuzungen die Geschwindigkeit nahender Autos richtig einschätzen. „Wer sein Kind stets mit dem Auto zur Schule fährt, nimmt ihm die Chance, von Kindesbeinen an selbstständige Mobilität zu Fuß oder mit dem Schulbus zu erlernen.“
Der Fachbereich Verkehr, Sicherheit und Ordnung hat sich daher zusammen mit dem ADAC eine „Kompromisslösung“ ausgedacht und hofft auf die Akzeptanz der Eltern für eine Kombination aus Autofahrt und Fußweg.
Im Bereich der Biedensandstraße und der Schwimmbadstraße wurden zwei „Hol- und Bringzonen“ eingerichtet. Diese liegen circa 200 Meter von den Schulen entfernt und sollen insbesondere den morgendlichen Eltern-Taxi-Verkehr am Schulzentrum entzerren. Die jeweilige Beschilderung wurde vom ADAC zur Verfügung gestellt.
Die Mitarbeiter der Verkehrsbehörde informieren die Eltern in den nächsten Tagen an den Schulen mit einem Flyer über diese Zonen und die Vorteile der selbstständigen Mobilität ihres Nachwuchses. zg