Fr., 27. Juni 2014, 12:55 Uhr
Projekt in drei evangelischen Kindertagesstätten: Bildungsauftrag und Persönlichkeitsbildung / Singen und Musizieren mit Spaß
Idee realisiert – Musikstunden für alle Kinder
LAMPERTHEIM – Aus einer Idee wurde ein Projekt, das bis zum April 2015 durch Fördermittel der Stiftung Orbishöhe aus Heppenheim festgezurrt ist. In drei evangelischen Kindertagesstätten (Kitas) erleben seit Oktober letzten Jahres etwa 200 Kinder Musikstunden, die weit über das hinausgehen, was üblicherweise in einer Kita angeboten werden kann. Das Dekanat Ried und die Musikschule Lampertheim haben ein Gemeinschaftsprojekt ins Leben gerufen, das den Kindern unabhängig vom Einkommen der Eltern einen vertieften Zugang zur Welt der Musik ermöglicht. Den wöchentlichen Unterricht gestalten Christine François, Fachbereichsleiterin für elementare Musikpädagogik der Musikschule Lampertheim und Andrea Hintz-Rettenmaier, Kantorin beim Dekanat Ried und Leiterin der Crescendochöre.
Beide Lehrkräfte haben auf ihrem Fachgebiet der elementaren Musikpädagogik ein Hochschulstudium absolviert. Die Kinder der Vorschulgruppe in der Kindertagesstätte Falterweg haben Spaß am Singen und am Musizieren, das sieht man. Und sie haben ein Lieblingslied, das fröhlich klingt und das sie mit ihren Instrumenten rhythmisch begleiten. „Du hast uns eine Welt geschenkt“ haben sie mit Christine François schon öfter gesungen. Klangstäbe, Rasseln und Trommeln sind im Einsatz, zarte Töne senden Triangel, Glockenspiel und Tambourin aus. Die Schuhe haben sie ausgezogen und sitzen im Musikraum auf einem flauschigen Teppich im Halbkreis. Stimmungsvoll scheint die Sommersonne durch die Fenster. Das Besondere an diesem Tag – Dekan Karl Hans Geil und Joachim Sum, Leiter der Musikschule Lampertheim, hatten zu einem Pressegespräch in die Kita Falterweg eingeladen, an dem die Leiterinnen der evangelischen Kindertagesstätten (Kitas) und die beiden musikpädagogischen Lehrkräfte teilnahmen.
„Die Kinder sind restlos begeistert von den Klängen, von dem was sie hören und tun“, erzählte Hintz-Rettenmaier. Heike Roos, Leiterin der Kita „Rosenstock“, berichtete aus Gesprächen mit Eltern, die von diesem Projekt begeistert sind. An den Musikstunden nehmen auch immer Erzieherinnen teil, erklärte Bärbel Ohl, Leiterin der Kita „Am Graben“, eine Zusammenarbeit, die sich bewährt habe. So könnten Themen aus dem Musikunterricht in den Gruppenstunden vertieft werden. Tanja Laesch, Leiterin der Kita „Falterweg“ wie auch Musikschulleiter Joachim Sum hoffen, dass dieses Musikprojekt auch über den April 2015 hinaus mit neuen Finanzmitteln fortgeführt werden kann. Woher diese kommen können, ist noch nicht klar. Dabei geht es um Musik als Erlebnis – um Bewegung und Körperwahrnehmung, Beziehungsgestaltung im Zusammenspiel in der Gruppe und Persönlichkeitsentwicklung.
Musikschulleiter Sum weiß auch: „Es geht auch um den Mut, beim Singen die eigene Stimme zu erheben“. Musik sei nicht etwas für den Elfenbeinturm, sie diene auch der Integration. In Absprache mit den Kitas werden 10 Kinder in jeweils zwei Altersgruppen von 3 bis 4 Jahren und von 5 bis 6 Jahren in einem Turnus von zehn Musikstunden unterrichtet, die etwa 40 Minuten dauern. „Man muss möglichst früh mit der Musik beginnen“, sagte Dekan Geil. Auch möglichst viel sollten die Kinder mit Musik zu tun haben, findet Musikschulleiter Sum.
Hannelore Nowacki