Das Projekt Teich ist nach dem Ausbaggern auf gutem Wege eine Oase für viele Tiere zu werden. Dann macht auch das Keschern wieder Spaß. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Erlen, Weiden und Pappeln säumen den Horizont. Ein kleiner und großer Teich sind Anziehungspunkt für Frösche, Libellen und Wasserinsekten. Ein Teppich von Wasserlinsen liegt auf dem Wasser. Der Blick schweift über saftig grünes Grasland, das zur Magerwiese verwandelt werden soll – mit vielen blühenden Wildblumen, die sonst wegen fetter Wiesen und Weiden kaum mehr wachsen können. Dann wären auch die schon gesichteten Schmetterlinge häufiger wie das Landkärtchen oder der Tagpfauenfalter. Noch vergnügen sich hier die Wildschweine, im feuchten Untergrund finden sie reichlich Futter und zerwühlen dabei das Gelände großflächig. Andrea Hartkorn, 1. Vorsitzende des NABU Lampertheim und der 2. Vorsitzende Klaus Feldhinkel hatten zu einer Begehung des Vereinsgrundstücks eingeladen, ein Pressegespräch im Grünen. Dieses NABU-Projekt ist hier, wo vor Jahrzehnten versucht wurde, Störche heimisch zu machen. Nach einer Saison flogen sie weg und kamen nie wieder. Seitdem heißt dieses Areal Storchenstation. Eigentümer ist Hessen Forst, der Naturschutzbund Lampertheim, kurz NABU, hat es gepachtet, um es zu pflegen und für selten gewordene Tier- und Pflanzenarten einen Zufluchtsort zu schaffen. Das bedeutet viel Arbeit für die nicht ganz zehn aktiven Vereinsmitglieder. Helfer sind jederzeit willkommen, wie die beiden Vorsitzenden erklärten. Termine können sie nicht vorher festlegen, denn die Natur sei nicht genau berechenbar. Klaus Hinkel hat plötzlich etwas im grünen Bewuchs entdeckt: Einen Igelkolben. Mit geübtem Blick sucht Andrea Hartkorn im umgewühlten Grasland, das eine Vielzahl unterschiedlicher Gräser beherbergt – und sieht einen Schachtelhalm. Dunkle Schlammberge umringen den ersten Teich, der in den Blick kommt. Die beiden Vorsitzenden blicken zurück, wie es um den Teich noch vor wenigen Monaten stand: Der Schlamm hätte den Teich beinahe verlanden lassen, beim Kechern war schon bei 30 Zentimetern Wassertiefe Schluss. Im nächsten Frühjahr und Sommer werden die Kinder, die hier bei Aktionen „Natur zum Anfassen“ erleben, viel mehr Wasserinsekten und Kaulquappen im Kescher haben als bisher, freute sich Andrea Hartkorn. Ein ortsansässiges Unternehmen hatte sich im Sommer bereitgefunden, das Gewässer tief auszubaggern. Und obwohl der Sommer trocken war, sank das Gerät auch einmal ein. Nun liegt die tiefste Stelle zwei Meter tief – eine Wohltat für viele Tiere.
Diese schönen Schafe haben auf dem Vereinsgelände ihr Gras-Eldorado gefunden und erfüllen ihre Aufgabe, das Gras kurz zu halten mit stetiger Fresslust. Foto: Hannelore Nowacki
Später, wenn die Schlammberge trockener geworden sind, soll das Erdreich verteilt werden. Die aktiven Vereinsmitglieder haben rund um den Teich Gehölze und Bäume gefällt, um Licht zu schaffen und den Laubfall ins Wasser zu begrenzen, der wiederum zu Schlamm führen würde. „Wir wollen vielfältig werden“, sagt Andrea Hartkorn. Dazu gehört die nicht endende Aufgabe, das schnell wachsende und wuchernde Schilf zu begrenzen. Das regelmäßige, sogar minütliches Mähen, haben die Schafe eines Landwirts übernommen, eine Zusammenarbeit, über die sich beiden Vorsitzenden sehr freuen. Viele weitere Projekte stehen an. Der Verein hatte Geld angespart und konnte deshalb in der Heide ein Sandrasenstück kaufen. Über ein Netzwerk und Biotopverbund läuft auch die Zusammenarbeit beim Projekt „Sandrasen“. Die beiden Vorsitzenden loben die Zusammenarbeit mit der Stadt Lampertheim, hier ist Alexander Ochmann der Ansprechpartner. Ein Anliegen der Vorsitzenden: „Natur in Ruhe lassen, nicht alles bebauen“. Ein neuer Flyer gibt Auskunft über die vielfältigen Projekte und Angebote des NABU für Kinder und Erwachsene. Der Verein mit 500 Mitgliedern finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge. Naturbegeisterte und alle, die Natur zum Anfassen mit allen Sinnen zu schätzen wissen, können sich beim NABU auch ohne Mitgliedschaft engagieren und die spannenden Naturangebote erleben. Kontaktdaten: Anke Diehlmann und Andrea Hartkorn – info@nabu-lampertheim.de sowie im Internet bei www.nabu-lampertheim.de und bei der Naturschutzjugend www.naju-hessen.de. Hannelore Nowacki