Chaussee-Allee: Nach acht Jahren Bauzeit eingeweiht / Gesamtkosten für das Projekt betragen 325.000 Euro
Im Einklang mit der Natur
Nach acht Jahren Bauzeit wurde die Naturoase Chaussee-Allee jetzt eingeweiht. Mit von der Partie: (v.l.) Sonnenbotschafterin Luisa-Marie I. , Bürgermeisterin Barbara Schader, Ilona Holl, die Namensgeberin der Naturoase, Gärtnermeister Franz Gärtner, Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Eberle. Fotos: Petra Gahabka
BOBSTADT – Das Projekt Chaussee-Allee hat von der ersten Planung 2006 bis zur jetzigen Fertigstellung viele Änderungen erlebt. Über 10.000 Kubikmeter Erde wurden bewegt, 40 Bäume, 2.000 Wildstauden und ebensoviele Gehölze gepflanzt, ein Feuchtbiotop angelegt. Letzte Woche ist die naturnahe Fläche im Nordosten Bobstadts eingeweiht worden.
„Was länge währt, wird richtig gut“, freute sich Bürgermeisterin Barbara Schader politische Vertreter, Mitglieder des Agenda-Tischs Naturschutz sowie Ilona Holl, die den Namenswettbewerb mit ihrem Vorschlag Chaussee-Allee gewonnen hatte, willkommen heißen zu können. Durch den neu angelegten Teich sei früher die B44 verlaufen, erinnerte sie an die langen Staus und das Warten vor dem Bahnübergang, was mit der Fertigstellung der Ortsumgehung Bobstadt endete. Im Rahmen dessen galt es eine Ausgleichsmaßnahme zu schaffen „mit einer Aufenthaltsqualität in ökologischer Vielfalt“. Die Bundesstraße wurde zurückgebaut und der Bahnübergang beseitigt, Ende 2006 begann der Agenda-Tisch Naturschutz, den es seit der Jahrtausendwende gibt, mit seinen Planungen. Alle Ausarbeitungen und Kostenschätzungen seien von Bürstädter Bürgern am Runden Tisch begleitet worden, so Schader. Ziel sei es gewesen, einen Erholungs- und Rückzugsraum für Mensch und Tier auf dem knapp drei Hektar großen Areal zu schaffen.
Mit dem ersten Bauschnitt von insgesamt drei wurde 2012 begonnen, die Pläne seien – auch mit Blick auf den städtischen Haushalt - ständig angepasst worden, berichtete die Rathauschefin. Die Gesamtkosten von 325.000 Euro seien „eine Investition, die ganz bewusst in Erholungsqualität für den Stadtteil Bobstadt hier grundgelegt wurde.“ Auf dem zirka ein Kilometer langen Rundweg lohne es sich auch mal näher hinzuschauen, verwies sie auf die Themenschilder, die über die Entstehung und Geschichte der Chaussee-Allee, das Feuchtbiotop, die Streuobstwiese, das Eidechsenhabitat, den alten Bahnübergang und die integrierte Kleingartenanlage informieren. Die grafische Gestaltung oblag dem Ehepaar Grein. Abgerundet werde die Oase der Ruhe und Begegnung durch Sitzgelegenheiten, deren Anschaffung dem ehrenamtlichen Engagement der Initiative „Eine Sitzbank für Bürger von Bürger“ zu verdanken sei. Auch habe der hieseige Imker Roland Eberle vier Bienenvölker aufgestellt, im Frühjahr sollen zusätzliche folgen. Die Naturoase entwickle sich stetig weiter. „DasKonzept von damals ist aufgegangen“, dankte Schader allen, die zur Verwirklichung des Projekts beigetragen haben.
„Das Geld war knapp, deshalb dauerte es“, berichtete Gärtnermeister Franz Gärtner, der von Anfang an dem Agenda-Tisch angehörte. In den acht Jahren Bauzeit wurden unter anderem Weggestaltungen und Pflanzungen vorgenommen, der Obstbaumbestand ergänzt und die offenen Flächen mit einer Wiese begrünt, die nur zwei mal jährlich gemäht wird. Der Teich, mit dessen Aushub ein Wall in Richtung Bahnlinie modelliert wurde, wurde standorttypisch mit einheimischen Stauden, Gräsern und Wasserpflanzen gestaltet. Vorhandene Bäume und Gehölze wurden weitestgehend erhalten und integriert. „Allen Beteiligten war klar, dass dies keine gepflegte Parkanlage sein soll, hier ist alles naturnah geplant.“ Unwissenden Bürgern erscheine dies vielleicht ungepflegt oder vernachlässigt, das sei aber in keinster Weise so. Man habe ein eigenes Pflegekonzept erstellt, stets werde in Absprache mit Fachleuten beraten, wann der richtige Zeitpunkt für die Mähgänge ist. Gerade in Zeiten des Klimawandels sei „diese Gestaltung von Grünflächen elementar wichtig, um der Natur und den Menschen solche Bereiche zu bieten und im Einklang miteinander zu stehen“. Deshalb
der gemeinsame Appell von Gärtner und Schader an die Bürger: „Bitte behandeln Sie diese Anlage schonend und verhalten Sie sich so, dass die Natur nicht gestört wird.“
Jürgen Eberle, Stadtverordnetenvorsteher und Vorsitzender des Umwelt- und Stadtentwicklungsausschusses lobte das „Bürgerprojekt“ und die „ökologische Aufwertung“. Für dieses Kleinod habe man Ökopunkte bekommen, die wichtig seien, um beispielsweise das Baugebiet „Langgewann“ zu gestalten. Beim Wegfall oder der Versieglung von Flächen, verlangt der Gesetzgeber, dass in einem bestimmten Umfang Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen geschaffen werden.Umso besser, dass dadurch ein großes Gelände entstand ist, das den Bürgern nun Erholung bietet, brachte es Ortsvorteher Uwe Metzner abschließend auf den Punkt. Sein Dank galt dem Agenda, „der sehr viel Zeit investiert hat für die Planung“ sowie allen Ausführenden. Bevor die Sektgläser erhoben wurden, stand noch ein kleiner Spaziergang durch die Naturoase an, bei dem Franz Gärtner ganz spontan einen Tisch für die Sitzbankgruppe spendete.
Es geht weiter
In der Naturoase ist noch Platz für Bäume, Spender sind herzlich willkommenn. Informationen dazu erteilt Vanessa Holz vom Ordnungsamt, Telefon 06206/701-129 sowie per E-Mail unter Vanessa.holz@buerstadt.de
Wo einst die Bundesstraße 44 verlief, ist jetzt ein Feuchtbiotop, das für zahlreiche Tierarrten einen wertvollen Lebensraum darstellt. Ursprünglich sollte der Teich dreimal so groß werden, was aufgrund der hohen Kosten jeodoch verworfen wurde.