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Do., 16. April 2020, 12:46 Uhr
Ab Montag: Geschäfte bis 800 Quadratmeter dürfen öffnen, Schulen starten langsam / Kaum Verstöße gegen Verordnungen im Kreis
Im Kreis Bergstraße liegt Quote der Genesenen bei über 52 Prozent
Trotz Lockerungen gilt auch weiterhin: Die Gesundheit geht vor! Foto: Benjamin Kloos
KREIS BERGSTRASSE – Als „relativ tiefgreifend” bezeichnete Landrat Christian Engelhardt am Donnerstag im Rahmen einer Videopressekonferenz die von der Bundesregierung und den Ländern getroffenen Vereinbarungen zum schrittweisen Ausstieg aus Lockdown. Dabei gäbe es jedoch „ganz viel Absicht, vieles was vereinbart wurde ist sehr variabel – was ist zum Beispiel eine Großveranstaltung? Was sind Hygienebeschränkungen? Was sind Abschlussklassen, sind das auch 4. Klassen? Dies wird alles erst durch die Landesregierungen beschlossen werden müssen, was uns dann eine Handlungsgrundlage gibt. Daher ist es wichtig, dass es die tägliche Bürgermeisterkonferenz gibt, denn es wird relativ viele Regelungslücken geben. So werden wir als Kreis für bestimmte Punkte sicher eigene Antworten und Regelungen finden müssen. Das erste Ziel haben wir sehr gut erreicht, nämlich dass sich Infektionszahlen nur gering steigern. Die Beatmungsplätze, die wir haben, wurden nicht im Ansatz in Anspruch genommen.” Bezüglich der Schulen ergänzte Landrat Engelhardt: „Ich kann mir vorstellen, dass die Gruppengröße eingeschränkt wird und viel digitaler Unterricht stattfindet. Die Hygienepläne für Schulen müssen jetzt sicher weiterentwickelt werden, dies wird individuell für jede Schule passieren. Bezüglich des Schulbusverkehr sind wir in der Lage, diesen kurzfristig nach oben zu skalieren.”
Hohe Zahl an Genesenen
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz betonte, dass es derzeit weniger akute bekannte Infizierte als mittlerweile Genesene im Kreis gebe. „Den Höchststand an Infizierten hatten wir Anfang April, seitdem gehen die Zahlen zurück. Die Infiziertenquote liegt bei 0,1 Prozent der Gesamtbevölkerung. Wir haben dabei mittlerweile einen Genesenenanteil von 52,9 Prozent.” Ein besonderes Augenmerk richtet das Gesundheitsamt auf Alten- und Pflegeheime: „Im Odenwaldkreis gibt es hier mittlerweile leider schon 29 Todesfälle. Im Kreis Bergstraße haben wir Verdachtsfälle, aber keinen bestätigten Fall in Alten- und Pflegeheimen.” Gleichzeitig betonte die Erste Kreisbeigeordnete, dass die Kontaktverfolgung selbstverständlich weiter betrieben werde. Und mit Blick auf die Entwicklung in Lampertheim beruhigte sie: „Hier sind von 59 bekannten Infizierten bereits 40 genesen, derzeit gibt es hier 18 bestätigte Fälle.”
Wenig Verstöße gegen Verordnungen
Bezüglich der aktuellen Situation in den Flüchtlingsunterkünfte im Kreis betonte der Kreisbeigeordnete Karsten Krug, dass es hier einen neuen Fall in Heppenheim gebe – „in einer der größeren Unterkünfte im Kreis, in der derzeit 81 Personen untergebracht sind. Wir haben diese komplett in Quarantäne gestellt, die Security ist rund um die Uhr im Einsatz.”
Darüber hinaus habe sich die zentrale Bußgeldstelle im Kreis bewährt. „In Abstimmung mit den Ordnungsbehörden der Städte und Gemeinden ermitteln die örtliche Behörden und Polizeistellen Verstöße und leiten diese an uns weiter. Dabei geben diese den Betroffenen zunächst Hinweise und sprechen erst bei Nichtbeachtung ein Bußgeld aus. Wir haben bisher etwas mehr als 50 Verstöße im Kreis, über Ostern waren es nur acht. Hier spielt vor allem die Nichteinhaltung der Vorgabe von zwei Personen, die sich gemeinsam im öffentlichen Raum aufhalten dürfen, eine Rolle. Ein Verstoß wird mit einer Strafgebühr in Höhe von 200 Euro pro Person belegt.”
Weiteres Vorgehen für die Zeit nach dem 19. April
Die Ministerpräsidenten und die Bundesregierung haben sich darauf geeinigt, dass ab dem 20.4.2020 unter anderem Folgendes gilt: Kontaktverbote sollen zunächst noch bis zum 3. Mai 2020 in der bisherigen Form weitergelten. Das heißt, nur maximal zwei Personen sollen gemeinsam im öffentlichen Raum unterwegs.
Einzelhandelsunternehmen bis 800 Quadratmeter Ladengröße sowie Buchhandlungen, Fahrradhändler und Autohäuser unabhängig von der Größe sollen ab Montag, den 20.4.2020, unter Auflagen wieder öffnen dürfen. In den Läden muss gewährleistet sein, dass die Schutzkonzepte, wie das Abstandsgebot, eingehalten werden.
Schulen sollen schrittweise wieder starten: Zunächst sollen ab 27. April die Abschlussklassen (außer Grundschule) wieder mit dem Unterricht in der Schule starten. Wann die Grundschulen wieder starten, ist noch nicht geklärt. Die Grundschulen sollen eher später starten. Die Kitas werden noch für einige Zeit geschlossen bleiben. Ein Datum für die Wiederöffnung steht noch nicht fest. Die Notbetreuung für berufstätige Eltern soll fortgesetzt und weiter ausgebaut werden. Inwieweit Gottesdienste wieder möglich sein werden, werden die Länder noch gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften besprechen.
Diese Maßnahmen sind zunächst bis zum 3. Mai 2020 begrenzt und sollen danach erneut erörtert werden. Das weitere Vorgehen wird abhängig von der Entwicklung der Infektionszahlen sein. Bis 31.8.2020 sind Großveranstaltungen untersagt.
„Schaue positiv nach vorne”
Landrat Christian Engelhardt betonte zu den Ergebnissen: „Die schrittweise aber behutsame Rückkehr zur Normalität ist aus meiner Sicht der richtige Weg. Hinter uns liegt eine außergewöhnliche Zeit mit harten Maßnahmen im Kampf gegen Corona. Deshalb möchte ich vor allem all jenen Menschen danken, welche in unserem Kreis dazu beigetragen haben, dass das Leben auch mit Kontaktsperre gut funktioniert. Jetzt müssen wir in klugen Schritten zur Normalität zurückzukehren, dabei aber weiterhin alle notwendigen Maßnahmen beachten. Natürlich bedeutet das für viele Menschen in den nächsten Wochen noch weitere Herausforderungen, vor allem für Schulkinder, ihre Eltern und diejenigen, die auf Betreuung ihrer Kinder angewiesen sind. Ich möchte alle dazu ermuntern, durchzuhalten.Auf die Zukunft nach der Krise schaue ich zuversichtlich. Die Erfahrungen der letzten Wochen haben mich stolz gemacht, wie die Bergsträßer die Krise bislang bewältigt haben! Und ich bin zuversichtlich, dass wir auch den weiteren Weg gemeinsam schaffen werden!“ Benjamin Kloos