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Di., 20. Oktober 2020, 10:21 Uhr
KREIS BERGSTRASSE: Video-Pressekonferenz zum „Tag der Bibliotheken“ mit Landrat Engelhardt
Immer noch Bücher, aber auch viele digitale Angebote
Auch vor einem Jahr ging es schwerpunktmäßig um das Thema Digitalisierung und den Spaß die virtuellen Welten aktiv zu steuern. Archivfoto: Hannelore Nowacki
KREIS BERGSTRASSE – Wie so oft in diesen Zeiten der Corona-Krise trifft man sich nicht persönlich von Angesicht zu Angesicht gemeinsam in einem Raum, auch wenn es etwas Wichtiges zu besprechen gibt. Auch die Pressekonferenz am Montag zum „Tag der Bibliotheken“ am 24. Oktober fand auf Einladung von Landrat Christian Engelhardt im virtuellen Konferenzraum statt. Zur Video- und Telefon-Pressekonferenz hatten sich Vertreterinnen mehrerer öffentlicher Bibliotheken aus dem Kreis Bergstraße, der Viernheimer Bürgermeister Matthias Baaß und Alexander Budjan von der Hessischen Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken zugeschaltet, um mit dem Landrat und der Presse ins Gespräch zu kommen.
Schwerpunkt war das Thema Digitalisierung, das in den Bibliotheken einen immer höheren Stellenwert einnimmt und durch die anhaltende Corona-Pandemie an Bedeutung zugenommen hat. Engelhardt wies darauf hin, dass es im Kreis Bergstraße 32 öffentliche Bibliotheken gibt, mit der erfreulichen Folge, dass in jeder Kommune mindestens eine Bibliothek die Bevölkerung mit Lesestoff, verschiedenen digitalen Medien und Veranstaltungsangeboten versorgt. Für das Jahr 2019 nannte Engelhardt die Rekordzahl von 314.429 Besuchern bei einer Gesamtbevölkerung im Kreis Bergstraße mit rund 270.000 Einwohnern. Klassische Bücher seien immer noch Kern der Büchereien, doch können die Nutzer niederschwellig auf eine große Zahl digitaler Medien zugreifen. Die Arbeit der Bibliotheken hält Engelhardt für „extrem wichtig“, auch um Medienkompetenz niederschwellig zu vermitteln, wobei er die Verknüpfung von hauptamtlichen und ehrenamtlichenBibliotheksmitarbeitern anerkennend hervorhob. Was die Nutzer angeht, hofft der Landrat auf das weitere Interesse an der Medienbildung.
Bürgermeister Baaß berichtete zum Thema Corona, dass die Stadtbücherei sehr umfangreich auf die Situation reagiert habe – Besuchszeiten für Risikogruppen wurden eingerichtet und für neue Angebote geworben wie den Bücherbringdienst in Zusammenarbeit mit der AWO. Neueste Errungenschaft sei ein elektronisches Touchboard am Eingang mit stets aktuellen Informationen. Andererseits sei das Ziel die Bibliotheken als Aufenthaltsort weiterzuentwickeln durch die Corona-Krise ausgebremst worden, machte Budjan für Hessen deutlich. Die meisten Bibliotheken hätten sich auf die reine Ausleihe beschränkt, rückläufig seien in diesem Jahr die Bücherausleihe und die Besucherzahlen gewesen. Fördermittel habe es für einen digitalen Mix für 120 Bibliotheken gegeben, im zweiten Halbjahr sollen Angebote für e-Learning und Homeschooling ausgebaut werden. Auf weitere Förderung hoffe er auch 2021. Allerdings werde man kein vergleichbares Nutzerergebnis zu den Vorjahren erzielen können. Die Bibliotheksvertreterinnen berichteten von der flexiblen Reaktion ihrer Bibliotheken auf die Ereignisse der letzten Monate, die mit neuen Ideen und Angeboten verbunden waren. Michaela Frößinger berichtete aus Viernheim, dass digitale Medien drei Monate kostenlos auszuleihen waren und Nutzer der Risikogruppen sich in Ruhe umschauen können. Als die Bibliothek in Bensheim fünf Wochen geschlossen war, sei man stark auf die Online-Ausleihe mit einer Steigerung bei E-Books auf 200 bis 300 Ausleihen fokussiert gewesen, berichtete Leiterin Winnie Lechterbeck. Auch Gebühren können online überwiesen werden. Mobile Angebote wie in Viernheim habe es nicht gegeben. Auf Veranstaltungen verzichte man seit der Wiedereröffnung nicht gänzlich, es habe eine Plakatausstellung gegeben. Eine Märchenlesung sei in der Bibliothek verfilmt und auf Facebook gestellt worden, aber sie stellt fest: „Diesem Format für Kinder fehlt der direkte Kontakt“.
Der Krise kann sie dennoch Gutes abgewinnen, die Kultur in Bensheim wachse durch Zusammenarbeit von Stadtmuseum, Parktheater und Musikschule zusammen. Zusammenfassend stellte sie fest: „Ohne Veranstaltungen funktioniert die Bibliothek einfach nicht, Digitalisierung ist gut, aber kann nur ergänzend sein“. In Heppenheim sind nach wie vor Vorlesestunden, Spieleabende und Internetkurs nicht machbar, wenngleich der Betrieb normal angelaufen sei. Nach der Eröffnung seien die Leute ausgehungert nach Medien gewesen.
Während des Lockdowns konnten bestellte Bücher über die Flurschleuse im Hof abgeholt werden – das werde beibehalten und weiterhin sehr gut genutzt. Die kleine Bibliothek in Rimbach ist seit Anfang September wieder normal geöffnet. Viele Veranstaltungen seien abgesagt. Ob die Schulklassen wieder kommen können bleibe abzuwarten. Hannelore Nowacki