KAMPF GEGEN CORONA: Kreisspitze informiert über aktuelle Situation / Vier dezentrale Impfzentren sollen entstehen / Lob an GALA
„Impfungen müssen kurzfristig möglich sein”
Boosterimpfungen sollen schon bald an vier dezentralen Standorten im Kreis möglich sein – darunter auch im Ried. Archivfoto: Benjamin Kloos
KREIS BERGSTRASSE – Wie entwickelt sich das Infektionsgeschehen im Kreis Bergstraße? Welche Altersgruppen sind besonders betroffen? Was plant der Kreis im Bereich Impfaktionen? Über diese und weitere für die Region relevanten Fragen rund um die Coronavirus-Pandemie informierten Landrat Christian Engelhardt, die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz sowie der hauptamtliche Kreisbeigeordnete Karsten Krug am Donnerstag im Rahmen einer Videopressekonferenz.
Landrat Christian Engelhardt nahm dabei besonders das Thema Impfen in den Blickpunkt: „Die Impfzentren haben einen super Job gemacht, auch im Kreis Bergstraße, und wurden dann geschlossen. Wir haben dem Personal geholfen, neue Aufgaben zu finden, sei es im Gesundheitsamt oder in Arztpraxen. Die Impfzentren wurden geschlossen, weil es die klare Aussage der Ärzte gab, dass es Sache der Ärzte war zu impfen und dass die Impfzentren nicht benötigt werden. Dies geschah verbunden mit dem Versprechen, dass die Ärzte das Impfen aller schaffen. Ich habe bei aller Skepsis darauf vertraut, dass die Ärzte recht haben. Jetzt wird aber wieder der Staat tätig, weil diese Versprechen nicht eingehalten wurden”, so Landrat Engelhardt. „Wir haben immer mehr Rückmeldungen, dass es zu monatelangen Verzögerungen beim Impfen kommt. Daher schreiten Landkreise und auch wir ein.” Ausdrücklich betonte Landrat Engelhardt, dass es Ort gibt, „in denen das Impfen durch die Ärzte sehr gut funktioniert. So hat das Lampertheimer Ärztenetzwerk GALA mitgeteilt, dass das Impfen in Lampertheim gut funktioniert und die Ärzte hier gemeinsame Sache machen, so dass man kein Angebot seitens des Kreises bezüglich des Impfen benötigt. Ich finde ich sehr gut, dass Boosterimpfungen hier ohne lange Wartezeit stattfinden können.” Daher gäbe es auch kein Impfangebot des Kreises in Lampertheim, weder mit mobilen Teams noch mit dezentralem Impfen. „Dies ist sehr positiv, dies hätte ich mir überall gewünscht, weil dies durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) so auch versprochen wurde. Dies funktioniert aber in vielen Bereich des Kreises nicht, vermutlich hat die KV die Situation einfach falsch eingeschätzt, auch mit Bezug auf die Belastung.”
Daher hat der Kreis mobile Impftermine eingeführt, so auch am Donnerstag, 25. November, im Bürgerhaus Bürstadt, Rathausstraße 2 sowie am Freitag, 26. November, im Hallenanbau, Jahnstraße 7, in Groß-Rohrheim – jeweils von 11 bis 18 Uhr. „Wir arbeiten zudem daran, mehrere Stationen aufzubauen, damit Menschen, die Boosterimpfung wollen, diese problemlos bekommen können.” Eines dieser vier geplanten dezentralen Impfzentrum soll auch im Ried entstehen, die Standorte stehen aber noch nicht fest.
Grundsätzlich gilt: „Die Menschen sollten dennoch zunächst versuchen, einen Impftermin bei ihrem Arzt zu bekommen,denn dieser ist erster Ansprechpartner für die Patienten. Wir werden als Feuerwehr unterstützen, mehr als es geplant war aber ich glaube es ist nötig”, so Landrat Engelhardt abschließend
Die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz blickte auf das aktuelle Infektionsgeschehen: „In den letzten drei Wochen hatten wir einen unbegrenzten Anstieg mit zunehmender Beschleunigung bei den Inzidenzzahlen. Wir schauen uns die Verteilung und Verläufe genau an. Und ja, es infizieren sich auch geimpfte Personen, aber sowohl die Infektionsgefahr als auch der Verlauf sind hier geringer und schwächer. Daher ist es wichtig ,sich impfen zu lassen! Wir haben immer wieder Tageshöchstwerte, aber, und das freut mich: Dies spiegelt sich nicht an den Personen wider, die stationär behandelt werden müssen.” Mit Stand vom Donnerstag wurden 27 Personen stationär behandelt – vor einem Jahr vor Weihnachten waren es jedochüber 90 Personen, wie die Gesundheitsdezernentin erläuterte. Von diesen werden zehn aktuell intensivmedizinisch betreut.
Der Altersdurchschnitt bei den stationär betreuten Personen liegt aktuell bei 62 Jahren, bei allen, die noch als infiziert gelten, bei rund 36 Jahren. Dabei gibt es bei allen Altersgruppen ein Infektionsgeschehen, wobei die Inzidenz bei den über 80-Jährigen unter 100, bei der Altersgruppe 0 bis 15 Jahren bei über 500 liegt.
Seit Freitag vor einer Woche sind an 17 Kindergärten insgesamt 24 neue Fälle aufgetreten und an 39 Schulen 96 neue Fälle – jeweils zwischen 1 und 7 Fällen pro Schule. „Wir schauen je nach Infektionsgeschehen genau hin und handeln entsprechend”, so Diana Stolz. Zudem sind aktuell drei Pflegeheime mit insgesamt drei Fällen aktuell betroffen.
Karsten Krug, hauptamtlicher Beigeordneter, ergänzte, dass es in derzeit zwei Gemeinschaftsunterkünften insgesamt neun Indexfälle gibt. Benjamin Kloos