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  • Do., 09. Mai 2019, 14:12 Uhr
    Impfen-Workshop für die 9. Klassen der Erich-Kästner-Schule / Ried Hochrisikogebiet für Zecken-FSME

    Impfungen schützen vor Krankheiten

    Beim Workshop der 9. Klassen zum Thema Impfen mit Dr. Cornelius Weidenauer vom Kreisgesundheitsamt konnten die Jugendlichen ihre Impfpässe prüfen lassen. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT –  Gesundheitsprävention steht an der Erich-Kästner-Schule hoch im Kurs, im Februar erst fand mit Unterstützung des Kreisgesundheitsamtes der jährliche YOLO-Day mit zwanzig Workshops statt, in denen die Kinder und Jugendlichen in Mitmachaktionen anschaulich über gesundheitliche Risiken aufgeklärt wurden und erfuhren, was sie für die Gesundheit tun können. „Impfen“ war am Dienstag das Thema bei einem einstündigen Workshop für alle drei neunten Klassen mit insgesamt 60 Schülern, die im stündlichen Wechsel nacheinander mit Dr. Cornelius Weidenauer vom Gesundheitsamt des Kreises Bergstraße den Mikroben auf der Spur waren, die bei nicht geimpften Menschen schwere Krankheiten auslösen und auch zum Tod führen können. Als Plüschmikroben konnten die Keime ganz ungefährlich näher untersucht werden. Die Jugendlichen wurden über die Impfungen als Schutzmaße informiert, über passive und aktive Immunisierung, sie hörten wie Impfstoffe erfunden wurden und vieles mehr. Vom Angebot, den eigenen Impfpass vom Fachmann überprüfen zu lassen, machten sie regen Gebrauch. Im Mittelpunkt standen Impfungen zu Masern, Röteln, Polio und die von Zecken übertragene FSME. Die Idee zu diesem Workshop hatten die beiden Biologielehrerinnen Constanze Ernst und Eva Stahl, die Kontakt zur Bergsträßer Gesundheitspräventionsbeauftragten Reinhild Zolg aufgenommen hatten: „Wir müssen zum Impfthema was machen“, meinten sie. Begeistert äußerte sich Schulleiterin Stephanie Dekker gegenüber der Presse am Dienstag zu dieser Initiative: „Das finde ich gigantisch“. Nach einer Stippvisite beim Workshop, an der gemeinsam mit der Schulleiterin Dekker die Erste Kreisbeigeordnete und Gesundheitsdezernentin Diana Stolz, die Bürstädter Allgemeinmedizinerin Elfi Hoffmann, die Gesundheitspräventionsbeauftragte Zolg und Bürgermeisterin Barbara Schader teilnahmen, wurde bei einem Pressegespräch das Thema Impfen besprochen, auch die Frage der Impfpflicht wurde diskutiert. Aus ärztlicher Sicht setzt Hoffmann anstatt einer gesetzlichen Verpflichtung eher auf Aufklärung und appelliert an die Menschen sich impfen zu lassen – mit einer Ausnahme: „Ich bin für die Verpflichtung zur Masernimpfung in Kitas, um ganz kleine Kinder zu schützen, die noch nicht geimpft wurden“. Denn jedes tausendste Kind erleide eine Hirnhautentzündung durch Masern, bleibt behindert oder stirbt. Bei den hochansteckenden Masern empfehle die deutsche Ständige Impfkommission (STIKO) erst bei Kindern ab 2 Jahren die Masernimpfung. „Impfungen haben immer mit dem Schutz der ungeimpften Bevölkerung zu tun“, machte Hoffmann deutlich. Für Erwachsene, die nach 1970 geboren sind und weder Masern und noch eine Masernimpfung hatten, werde eine einmalige Impfung für die lebenslange Immunität empfohlen. Kinder und Erwachsene erhalten immer einen Dreifach-Impfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln. Im Erwachsenenalter könnte Mumps beispielsweise gravierende Folgen bei Männern haben. Sinnvoll sei auch eine Impfung gegen Keuchhusten, der häufig Erwachsene treffe. Bei der Tetanus-Impfung sei an die Auffrischung nach 10 Jahren zu denken. Wie schnell ist ein Jahr vorbei, auch zehn Jahre für eine Auffrischungsimpfung werden öfter verpasst – aber wo ist der Impfpass? Das Problem seien  nicht die wenigen Impfgegner, die nach Schätzungen nur ein Prozent ausmachen. Impfen gerate leicht aus dem Blick, wenn zum Beispiel ein Impftermin mal nicht wahrgenommen werden konnte. Die gute Nachricht: „Das Impfschema kann jederzeit weitergeführt werden, man fängt wieder da an, wo man aufgehört hat“. 

    Impfen als Schutz vor Masern, FSME und HPV 

    Gesundheitsdezernentin Stolz machte auf die Zeckensaison aufmerksam, nicht nur der Odenwald auch das Ried sei ein Hochrisikogebiet für die Infektion mit FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis), übertragen durch den Biss einer infizierten Zecke. Als Folge einer Infektion komme es zu einer schweren neurologischen Erkrankung mit möglicher bleibender Behinderung. Schutz biete die FSME-Impfung. 2018 habe es im Landkreis sechs klinische Fälle gegeben, deutschlandweit gebe es dramatisch steigende Zahlen Erkrankter. Eine zweiwöchige Ausstellung in der Erich-Kästner-Schule, vermittelt vom Kreisgesundheitsamt, weise auf diese Zeckengefahr und die Impfung hin.

    Mikroben als ungefährliche Plüschmodelle veranschaulichten beim Workshop zum Thema Impfen wie diese Krankheitserreger unschädlich gemacht werden. Foto: Hannelore Nowacki


    In Sachen Masernimpfung wies Stolz auf die gesellschaftliche Verpflichtung hin, die Menschen vor dieser hochansteckenden, gefährlichen Krankheit zu schützen. Sanktionen seien wichtig, um die Impfpflicht bei Masern staatlich durchzusetzen, eine andere Frage sei, wie diese ausgestaltet werden. Eine weitere Impfung für Kinder legt Stolz den Eltern ans Herz – die Impfung gegen Humane Papillomviren (HPV), die im Erwachsenenalter bei Frauen Gebärmutterhalskrebs und auch Krebs bei Männern verursachen können. „Stellen Sie sich vor, es gibt eine Impfung gegen Krebs“. Die Gesundheitsdezernentin sieht in der Erich-Kästner-Schule einen wichtigen Kooperationspartner und lobte das ärztliche Engagement der Allgemeinmedizinerin, die im Kreis Bergstraße vielfältig vernetzt sei. Schulleiterin Dekker berichtete von der „sehr guten Zusammenarbeit“ mit Ärzten und nannte als Beispiel den Besuch der Sechstklässler in der Praxis Scheer zur Aufklärung, wobei die Lehrerin jedoch draußen bleibe. Bürgermeisterin Schader zeigte sich erfreut, dass ein Netzwerk aufgebaut werde und die Kontakte sehr gut funktionieren, auch dass sich die Schule dieses wichtigen Themas Impfen annehme. Dankbar sei sie, dass „wir Ärzte haben, die viel Zeit in Aufklärung investieren, trotz derzeit voller Wartezimmer, nachdem es nur noch vier Hausarztpraxen in Bürstadt gibt. Hannelore Nowacki

     

     

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