Do., 21.05.2026
Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 09. April 2026, 10:51 Uhr
    PATER ALFRED DELP: Vortrag im Rahmen der katholischen Erwachsenenbildung der Pfarrei Alfred Delp – Südliches Ried

    Impulse zu Alfred Delp von Pirmin Spiegel

    BÜRSTADT – Unter dem Leitgedanken „Immer noch liegt der ausgeplünderte Mensch am Wege“ stand eine Annäherung an Leben und Martyrium von Pater Delp von Pirmin Spiegel am Freitag, 27. März, im Gemeindezentrum St. Michael. Die Aussage geht auf den Jesuitenpater und Widerstandskämpfer zurück, der 1945 von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Hintergrund ist das Gleichnis vom barmherzigen Samariter aus dem Lukasevangelium.
    Spiegel, der 15 Jahre als Missionar in Brasilien tätig war und lange Zeit Hauptgeschäftsführer des Werks der Entwicklungszusammenarbeit Misereor, lebt und arbeitet seit Anfang 2025 in Speyer. In seinen Impulsen stellte er die Barmherzigkeit als zentralen Auftrag der Kirche heraus. In Anlehnung an Papst Franziskus bezeichnete er sie als „pulsierendes Herz des Evangeliums“, das Menschen dazu bewegt, über sich selbst hinauszugehen und in die Welt des anderen einzutreten.
    Das Gleichnis des barmherzigen Samariters mache deutlich, dass Glaubende und ihre Kirche aus dem eigenen heraustreten sollen, das im wörtlichen Sinne egoistische Universum verlassen und nicht bei sich selbst stehen bleiben. Dieses Bild sei auch heute richtungsweisend für Kirche und Gesellschaft.
    Inhaltlich gliederten sich die Impulse in drei zentrale Aspekte. Zunächst ging es um die „Rückkehr zur Diakonie“ (Delp 1944/45) als jeweils aktuellen Auftrag der Kirche: jeden Menschen menschlich behandeln, das Minimum an Menschlichkeit garantieren; Diakonie verleiht Menschlichkeit. In einer Zeit, die von Krisen, Ungleichheit und Unsicherheit geprägt ist, sei eine Kirche gefragt, die sich einmischt, Verantwortung übernimmt und solidarisch handelt. Dabei gehe es weniger um große Worte als um konkrete Taten und glaubhaftes Zeugnis. Im Katakombenpakt (1965) wurde zum Ende des Konzils eine dienende und arme Kirche wegweisend in den Blick genommen.
    Ein weiterer Schwerpunkt war das Martyrium. Am Beispiel von Delp zeigte Spiegel, dass dieser trotz der Aussicht auf Freilassung seinem Glauben und seiner Überzeugung treu blieb. Er lehnte es ab, den Jesuitenorden zu verlassen. Märtyrer wie Alfred Delp hätten ihr Leben nicht für sich selbst, sondern im Zeugnis des Glaubens für Gerechtigkeit und Menschlichkeit, im Einsatz für das Reich Gottes, eingesetzt. Dabei entstehe das Martyrium nicht aus der Suche nach Leid, sondern aus der Treue zum Glauben in einer ungerechten Welt. Aktuelle Beispiele, etwa um Landkonflikte indigener Völker in Südamerika und deren Verteidigung, zeigten, dass dieses Zeugnis bis heute lebendig sei.
    Im dritten Impuls griff Spiegel das bekannte Zitat des Philosophen Theodor W. Adorno auf: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Adorno habe damit auf die tötende Ideologie der Nationalsozialisten hingewiesen: lasst euch das falsche Leben nicht als richtiges verkaufen! Spiegel machte deutlich, dass Alfred Delp gerade innerhalb eines solchen Systems ein authentisches, „richtiges“ Leben geführt habe, berührt und überzeugt von der Botschaft Jesu. Das Wahrnehmen und Bekämpfen von Leid sei dabei Voraussetzung für Wahrheit und gesellschaftliche Veränderung. Delps authentisches „richtiges“ Leben, inmitten dieses „falschen“ war und ist Sauerteig der Humanisierung einer entmenschlichten Welt.
    Zwischen den Themenpunkten wurde der Abend mit Liedern untermalt, dazu gab es Gelegenheiten zum Gedankenaustausch, was Raum zur weiteren Vertiefung der angesprochenen Themen bot. zg

    Beitrag aus der Rubrik

    » Bürstadt und Stadtteile
    Anzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1Anzeige dkge 2x2
    Anzeige TicketshopAnzeige 3 Anzeige - 1Anzeige 3 Anzeige - 2