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Fr., 11. November 2016, 09:09 Uhr
Bürgermeisterin Barbara Schader ließ Entwicklung Revue passieren
Informationsveranstaltung zur Messplatzbebauung in aufgeheizter Stimmung

Bürgermeisterin Barbara Schader informierte die Anwesenden über die Arbeit des Arbeitskreises Dorferneuerung und die voraussichtliche Messplatzbebauung, die von den politischen Gremien grundsätzlich abgesegnet ist. Bauamtsleiter Frank Lindemann stand ebenfalls im Kreuzfeuer der Kritik. Andreas Blüm von MARA-BAU stellte genaue Zahlen zur Bebauung vor. Foto: Hannelore Nowacki
BOBSTADT – Auf dem Messplatz war früher die Kerwe mit Karussells und Buden – doch schon seit Jahren führt er ein stilles Dasein. Eine weite Fläche ohne eigentliche Funktion, hier und da parkt mal ein Auto. Büsche und Bäume säumen den Spielplatz am anderen Ende, die asphaltierte Rollschuhbahn grenzt an den nicht gepflasterten Messplatz. An den Straßen um das weitläufige Areal herum stehen Wohnhäuser verschiedener Größe und Höhe. Im Arbeitskreis Dorferneuerung machten sich seit Oktober 2008 Bobstädter Bürger Gedanken über die Entwicklung in Bobstadt – Ziel war ein Dorfentwicklungskonzept. Aus freien Stücken hatten sich diese Bobstädter vom Programm des Landes Hessen zur Entwicklung des ländlichen Raums begeistern lassen und wirkten ehrenamtlich in vielen Arbeitstreffen am Konzept mit. Jeder hätte mitmachen können, die aktive Bürgerbeteiligung mit regelmäßiger Teilnahme an den Sitzungen war von Anfang an Teil des Programms. Die Sitzungen waren öffentlich, Berichte darüber informierten die TIP-Leser. Ein Ziel des Dorfentwicklungskonzepts war die Aktivierung von Baulandreserven im Ortskern, nicht das Wachsen an den Ortsrändern. Der Messplatz mit neuer Funktion wurde im September 2010 benannt. Wo kann man im Alter barrierefrei wohnen, wenn man nicht aus Bobstadt wegziehen will? Hier erkannte der Arbeitskreis eine Angebotslücke, bestätigt durch eine Fragebogenaktion mit 39 Interessenten im Jahr 2012. Der Ortsbeirat stimmte der Bebauung des Messplatzes grundsätzlich zu. Aus Mitteln der Dorferneuerung wurde ein Jahr später ein multifunktionales Kleinspielfeld am Sportplatz gebaut, nachdem Anwohner sich gegen das Basketballfeld am Messplatz gewehrt hatten, das nun als Rollschuhbahn bezeichnet wird. Investoren zeigten kein Interesse am Wohnungsbau auf dem Messplatz, wie die Stadtverwaltung im Januar nach ihren jahrelangen Bemühungen feststellen musste, der Arbeitskreis wurde durch einen Sachstandsbericht informiert. Doch dann stellte die Firma MARA-BAU im September dem Arbeitskreis ihre Pläne für eine gemischte Bebauung mit Grünflächen und Bäumen auf der 1782 Quadratmeter großen Fläche vor – ein barrierefreies Gebäude mit elf Wohneinheiten für seniorengerechtes Wohnen, zwölf Stellplätze, zwei Doppelhaushälften und einem Einfamilienhaus in höhengestaffelter Bauweise. Mit einer geplanten Firsthöhe von maximal zwölfeinhalb Metern überragt das höchste Gebäude nicht einmal die umliegende Bebauung. Doch die Anwohner reagierten verärgert auf diese Höhe, fürchten einen „Klotz auf freier Fläche“, Verschattung ihrer Grundstücke und des Spielplatzes. Sogar eine Online-Petition wurde auf den Weg gebracht. Mit ihrer Informationsveranstaltung am frühen Donnerstagabend wandte sich die Stadtverwaltung an die Anwohner, eingeladen waren auch der Ortsbeirat, der Arbeitskreis Dorferneuerung sowie die Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung. Alle Stühle und Stehplätze im Sitzungsraum im Alten Rathaus waren belegt, mehr als fünfzig Bobstädter drängten sich im Raum, andere verfolgten das Geschehen von der Tür aus. Bürgermeisterin Barbara Schader ließ die mehrjährige Arbeit des Arbeitskreises Dorferneuerung Revue passieren und wies darauf hin, dass die Bürger stets informiert worden seien und die öffentlich tagenden politischen Gremien wie Ortsbeirat und die Stadtverordnetenversammlung der verdichteten Bauweise im Ortskern zugestimmt haben. Andreas Blüm, technischer Leiter der Firma MARA-BAU, die das Bebauungskonzept vorgelegt hat, erklärte den aufgebrachten Anwohnern, dass es auf die Höhe des Dachs, die Firsthöhe ankomme, nicht auf eine Geschosszählung. Eine Erklärung, der die Anwohner nicht folgen wollten. Der Petitionsinitiator war der Meinung, dass mit den Anwohnern vor zwei Jahren ein Konsens über die Geschosszahl vereinbart worden sei. Blüm veranschaulichte mit einem Bild, dass es im Sommer zu keiner Verschattung von Gebäuden komme. Durch seine exakte Analyse der bis zu hundert Prozent versiegelten Grundstücksflächen der Anwohner rund um den Messplatz machte Blüm deutlich, dass die Flächenversiegelung in der Messplatzbebauung dagegen im guten Durchschnitt liege. Ein Anwohner meinte, er habe sich Anfang der 1980er Jahre an einen Bebauungsplan halten müssen und kritisierte, dass diese damaligen Maße beim Messplatz nicht eingehalten würden. Eine Anwohnerin ging davon aus, dass es in der Informationsveranstaltung zu einer Abstimmung über die Messplatzbebauung kommen müsse. Bürgermeisterin Schader informierte die Anwesenden über das weitere Vorgehen mit Bebauungsplan und Beteiligungsverfahren der Anwohner. Im Umwelt- und Stadtentwicklungsausschuss sei der einstimmige Beschluss zur Weiterverhandlung mit der Firma MARA-BAU gefasst worden. Hannelore Nowacki