1. Städtebaufördertag in Bürstadt mit Musik und Kuchen
Informativer Rundgang zu Innenstadtprojekten
Information, Musik und Begegnung war unter dem Marktdach geboten. Der Ultraleichtflieger-Verein hatte sein Fluggerät mitgebracht, in dem Bürgermeisterin Barbara Schader Platz genommen hatte. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – „Man vergisst so schnell, wie es früher war“. Diesen Satz sagte Christian Schwarzer beim ersten Halt des Rundgangs in der neuen Passage zwischen Marktplatz und Nibelungenstraße. Als örtlich begleitender Projektverantwortlicher der NH-Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft aus Frankfurt hatte er die Anfänge vor sechs Jahren erlebt und die nicht wenigen hässlichen Seiten der Sonnenstadt gesehen. Das Vergessen fällt tatsächlich umso leichter, je schöner das Neue wirkt, eine Erkenntnis, die nach dieser gemeinsamen Innenstadterkundung bewusst werden konnte. „Bürstadt ist in Bewegung“ war das gewählte Motto zum 1. Tag der Städtebauförderung am Samstag. Beim musikalischen Rundgang mit Bürgermeisterin Barbara Schader hatten die Bürger Gelegenheit gemeinsam zu sehen, was sich in den vergangenen Jahren in Bürstadt städtebaulich entwickelt hat, welche Projekte gerade fertig gestellt werden oder geplant sind. Plakate an diesen ausgewählten Stationen informierten über den jeweiligen Sachverhalt. Vor allem aber waren die Bürger gefragt, ihre Meinung, Anregungen und Ideen zur Stadtentwicklung einzubringen – während des Rundgangs und auf Zetteln mit dem Aufruf „Ihre Meinung ist uns wichtig“. Stifte lagen auf den Stehtischen unter dem Marktdach bereit. Aber wo waren die vielen Bürger, die das Thema interessieren könnte? An der Führung wie auch auf dem Marktplatz beteiligten sich vorwiegend Bürger, die lokalpolitisch engagiert sind oder beruflich mit den Förderprojekten befasst sind. Bürgermeisterin Schader meinte dazu: „Es ist ein Angebot an die Bürger“ und auch Citymanager Frank Herbert war nicht überrascht, wie er auf Nachfrage erklärte. Bürgermeisterin Schader hielt an den zehn Haltepunkten inne, um den zuhörenden Bürgern auf unterhaltsame Weise die Projekte und abgeschlossenen Baumaßnahmen zu erläutern, dank mobiler Mikrofonanlage in verkehrstauglicher Lautstärke. „Wir feiern heute nicht die Vergangenheit, heute ist ein Tag, um mit Ihnen die Zukunftsprojekte zu diskutieren“, hatte die Bürgermeisterin zur Begrüßung gesagt. Vergangenheit und Zukunft trafen an einigen markanten Adressen besonders eindrucksvoll in Erscheinung. Beim Bauprojekt „Altengerechtes Wohnen in der Innenstadt“ in der Mainstraße 14 bis 20 fraß sich gerade die Baggerschaufel in das Dach des seit Jahren verfallenden Fachwerkhauses.
Was bedeutet Städtebauförderung eigentlich? Professor Joachim Pös informierte die Zuhörer auf anschauliche und unterhaltsame Weise über das Thema, das die Welt an Deutschland bewundert. Foto: Hannelore Nowacki
An der alten Schillerschule erstrahlt bereits das neue Entree in die Innenstadt mit freundlicher Pflasterung und gepflegter Baumanlage. Außerdem entsteht hier gerade der neue barrierefreie „Eisgarten“ des gegenüber liegenden Eiscafés Kilian mit zukünftig 60 Sitzplätzen. Im Rahmen der Förderung durch das europäische EFRE-Programm überreichte die Bürgermeisterin Schader Inhaber Jürgen Ruh den Förderbescheid für die barrierefreie Gestaltung der Außenanlage. Die städtische Anlage rund um die alte Schillerschule mit dem Haus des Kindes wird zu 70 Prozent aus Landesmitteln gefördert. Der Rundgang führte zurück zum Marktplatz, wo unter dem Marktdach einiges geboten war. Plakatwände mit ausführlichen Informationen zu den Programmen der Städtebauförderung in Deutschland und Bürstadt im Besonderen waren aufgestellt. Hübsch dekorierte Tische und Bänke luden zum Verweilen ein. Für Speis und Trank war ebenfalls gesorgt. Der Heimat- und Carnevalverein hatte heiße Rindswurst im Topf und beim Spiel- und Kulturkreis 50 war zum Kaffee eine höchst verlockende Auswahl an Torten und Kuchen im Angebot. Die Band „Patrick Embach & Friends“ begeisterte mit handgemachter Musik – die Musiker boten dem Publikum ein vielseitiges Platzkonzert – Musik, die sich mit Saxofon und akustischer Gitarre, Akkordeon, Kontrabass und kleinem Schlagzeug ins Ohr schmeichelte. Außerdem waren die Musiker beim Rundgang dabei und verschafften dem Ereignis als „Walking Act“ in der Stadt Aufmerksamkeit und Gehör. In seinem einführenden, dynamischen Vortrag informierte Professor Joachim Pös das Publikum aus seiner Perspektive kurzweilig und historisch vielschichtig über das Thema „Lebenswerte Städte durch Städtebauförderung“. Im Rückblick auf 44 Jahre Städtebauförderung in Deutschland sieht Pös „einen Riesenerfolg“. Seit 1971 seien 16 Milliarden Euro ausgegeben worden – als eine von hundert Förderkommunen in Hessen sind in Bürstadt über 1 Million Euro an Fördermitteln angekommen. Am schwersten sei, wenn es allen in der Kommune gefallen solle, meinte Pös. Als Geschäftsführer der NH- Wohnungs- und Entwicklungsgesellschaft kennt er die komplexen Förderanträge. „Wer nehmen das den Kommunen ab“, erklärte er. Sehr beeindruckend fand Pös die Veranstaltung zum Tag der Städtebauförderung in Bürstadt, auch weil die Vereine zur Teilnahme gewonnen werden konnten. NH-Delegationsmitglied Dennis Hofmann gab im Gespräch zu bedenken, dass die Förderung insgesamt eine positive Bilanz aufweise, da einem Euro aus Fördermitteln sieben Euro für Investitionen vor Ort folgen. Hannelore Nowacki
Modernes, barrierefreies Wohnen ist hier in der Mainstraße in bester Innenstadtlage geplant, wo jetzt noch der Bagger einiges zu tun hat. Foto: Hannelore Nowacki