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  • Do., 10. Februar 2022, 23:56 Uhr
    ZEICHEN GESETZT: Vier Stolpersteine zum Gedenken an Familie Sondheimer in der Mainstraße 10 verlegt

    Innehalten - sie waren Mitbürger, Mitschülerinnen und Nachbarn

    Die Stolpersteine für die Familie Sondheimer laden zum Innehalten ein. Foto: Hannelore Nowacki


    BÜRSTADT – Die vier neuen Stolpersteine auf dem Gehweg vor der Hausnummer Mainstraße 10 liegen dort seit Mittwoch zum Gedenken an die Familie Sondheimer, die hier lange Zeit lebte, aber dann durch die Herrschaft der Nationalsozialisten unter Hitler zu leiden hatte. Familienvater und Kaufmann Adolf Sondheimer starb im Alter von 52 Jahren an den Folgen der Inhaftierung im KZ Osthofen am 13. Juli 1933 im Wormser Krankenhaus. Als Soldat im 1. Weltkrieg war er 1915 eingezogen worden. Bis 1933 war er im Vorstand der Israelitischen Gemeinde. Von 1880 bis 1936 hatte die Familie einen Landhandel mit  Zigarrenhandlung in der Mainstraße 10. Das Gewerbe wurde 1936 abgemeldet, das Wohnhaus und Grundstück an Karl Koch verkauft. Mehr ist darüber nicht bekannt. Ehefrau Clementine Sondheimer blieb mit den beiden Töchtern Alice „Liesel“ und Hertha zurück, ihnen gelang jedoch auf unterschiedlichen Wegen die Auswanderung, beide Töchter heirateten und blieben kinderlos. Bevor Alice 1934 nach USA auswanderte, war sie nach Frankfurt umgezogen, die Überfahrt bezahlte ihre Mutter. Alice starb 2013 im Alter von 101 Jahren. Hertha, die Spanisch sprach, war 1935 nach Bensheim zu einer Tante gezogen und wanderte mit ihrer Mutter 1937 nach Buenos Aires in Argentinien aus, 1941 kamen sie in die USA. Hertha starb 2006 in Lakewood im Alter von 92 Jahren. Die Mutter war 89-jährig 1978 in Lakewood verstorben. Viele Verwandte wurden ermordet. Ihre Geschichte hat Holger Eberle recherchiert und die Ergebnisse zusammengetragen. Auf noch lebende Nachfahren ist er noch nicht gestoßen, bei einer anderen Familie war ihm dies gelungen. Auch im Goethe-Gymnasium in Bensheim wurde intensiv geforscht – in der „Geschichtswerkstatt“ hatten sich einige Schüler intensiv mit der Judenverfolgung und der Geschichte der Familie Sondheimer und dem Stolperstein-Projekt beschäftigt. Alice und Hertha, die beiden Töchter von Adolf Sondheimer und Clementine Sondheimer waren damals Schülerinnen des Goethe-Gymnasiums. Die 17-jährige Hyeryeong Noh, Schülerin der 11. Klasse, hatte aufgeschrieben, was sie herausgefunden hat und trug die berührende Familiengeschichte in der großen Runde vor, die sich zur Verlegung der Stolpersteine versammelt hatte. „Durch dieses Projekt habe ich persönlich viel mitgenommen“, berichtete Noh, normalerweise erfahre man in Geschichte nur, was in den Jahren passiert ist, aber nicht auf eine Person oder eine Familie bezogen. „Dann merkt man, dass die Menschen nicht anders sind als andere“. Dieses Thema hatten sich die Schüler aus einer Auswahl frei gewählt, erzählte ihr Geschichtslehrer Florian Schreiber, der die Schülergruppe zur Stolpersteinverlegung nach Bürstadt begleitete. An der denkwürdigen Verlegung nahmen neben den Organisatoren Burkhard Vetter und Holger Eberle die Schülergruppe aus Bensheim mit ihrem Lehrer, der neue Erste Stadtrat Christoph Lang, Stadtverordnete, Vertreter der Bürgerstiftung und der Vorsitzende des Bürstädter Jugendrates Vincent Vetter teil, der die Reden mit einer Lautsprecheranlage verstärkte. Gunter Demnig, der tatkräftige Künstler, der von Burkhard Vetter und Holger Eberle zum dritten Mal seit 2013 zur Verlegung von Stolpersteinen nach Bürstadt eingeladen war, kniete auf dem Gehweg und fügte die Steine mit der glänzenden Oberfläche und den Inschriften ins Gehwegpflaster ein, wie immer mit Hut und Handwerkszeug ausgerüstet. An diesem Tag hatte er auf seiner Tour im Kreis Bergstraße zwei Stunden zuvor Stolpersteine in Lampertheim verlegt und war bald wieder weg, um in Bensheim tätig zu werden. Bürgermeisterin Barbara Schader sagte, dass niemals vergessen werden soll, was damals in dieser hässlichen Zeit mit sechs Millionen Juden geschah. Burkhard Vetter richtete seinen Dank an Gunter Demnig „für dieses größte Mahnmal der Welt“, für das er unermüdlich Steine verlege. Applaus unterstrich diese Dankesworte. Zwei Stolpersteine hat das Goethe-Gymnasium, einen die Bürgerstiftung und einen der Agrarmarkt Engert gespendet. In Bürstadt gebe es noch viele Menschen, an die mit einem Stein erinnert werden müsste, sagte Burkhard Vetter. Nachdem Rosen an den Stolpersteinen niedergelegt waren, regte Bürgermeisterin Schader an, in Stille der früheren Bewohner der Mainstraße 10 zu gedenken. Mitarbeiter des Bauhofs versorgten die kleine Baustelle. Das ehemalige Wohnhaus der Familie Sondheimer wurde 1985 zusammen mit dem Postgebäude in der Mainstraße 8 abgerissen und das heutige Gebäude mit der Post erbaut. Hannelore Nowacki

     

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