Bergsträßer Badeseen: unbeschwert schwimmen und baden mit Aufsicht
Ins Wasser nur dort, wo es Rettung gibt
Gesundheitsdezernentin Diana Stolz (vorne links) hatte zum Pressegespräch am Bensheimer Badesee eingeladen, an dem Bürgermeisterin Christine Klein, der stellvertretende Einsatzleiter des DLRG-Kreisverbandes Bergstraße Thomas Rech (hinten links) sowie Mitarbeiter des Gesundheitsamtes und Uwe Sänger vom Badeseebetreiber GGEW (links) teilnahmen. Foto: Hannelore Nowacki
BENSHEIM – Sommer, Sonne, Strand und ein Badesee mit viel Platz zum Schwimmen, so kommen Urlaubsgefühle an heimischen Gestaden auf. Strandkörbe mit Blick auf den See stehen bereit. Am Donnerstagmorgen waren schon einige Badegäste da, schnell strömten mehr Ausflügler zum Bensheimer Badesee am Berliner Ring. Einige Badegäste zog es mit ihrer Schwimmnudel ins tiefe Wasser, Omas hielten ihr Enkelkind an der Hand und spazierten am Strand entlang. Hauptamtliche Bademeister des Badeseebetreibers GGEW haben ein wachsames Auge auf das Geschehen im Bensheimer Badesee, auf Anforderung, wenn viel Betrieb ist, sind auch ehrenamtliche DLRG-Rettungskräfte im Einsatz. Bei dem Pressegespräch am Badesee, zu dem Gesundheitsdezernentin Diana Stolz den stellvertretenden Einsatzleiter des DLGR-Kreisverbandes Thomas Rech, Uwe Sänger als Vertreter der Bäder GGEW AG Bensheim sowie die Bensheimer Bürgermeisterin Christine Klein eingeladen hatte, ging es um die Themen Badesicherheit und Wasserqualität, die das Gesundheitsamt regelmäßig überprüft. Darüber gaben Mitarbeiter des Gesundheitsamtes Auskunft - Cornelius Weidenauer, Arzt und Chef des Infektionsschutzes sowie Umweltingenieur Lars Hoffmann. Gesundheitsdezernentin Stolz nahm das Gespräch auch zum Anlass, über die Arbeit des Gesundheitsamtes zu informieren, die nicht nur das Corona-Thema betreffe. Anhand der Schöpfproben werde regelmäßig die Sichttiefe, die Temperatur und die Belastung mit Keimen und schädlichen Bakterien analysiert, machte Hoffmann deutlich. Im Kreis Bergstraße kann man unbesorgt in den Badeseen baden, der Bensheimer Badesee erfüllt sogar die EU-Anforderungen mit drei Sternen. Einig waren sich die Gesprächsteilnehmer, dass ein vierter Stern für das Ambiente vergeben werden sollte. DLRG-Mann Rech gab auch dem überwachten Lampertheimer Badesee der Biedensandbäder und anderen Badeseen im Kreis eine gute Note. Diese Meinung teilen die Experten vom Gesundheitsamt hinsichtlich der Wasserqualität. Gute Wasserqualität sei auch beim Riedsee in Biblis festgestellt, dessen Strandbad allerdings nicht von der DLRG bewacht sei. Zu Badeunfällen komme es besonders häufig bei gutem Wetter und in nicht beaufsichtigten Bereichen, erklärte Rech, das sei statistisch belegt. „Dieses Jahr hatten wir Glück“. In Deutschland habe es in diesem Jahr bis jetzt 184 Ertrinkungstote gegeben, acht weniger als 2020, aber allein im Juni bei bestem Wetter waren es 116 Badetote. Häufig gelinge jedoch die Rettung, wie kürzlich bei einem Neunzehnjährigen am nicht bewachten Niederwaldsee. Mit Sorge sieht Rech, wenn Menschen in der neuen Erlache baden, ein Baggersee, der sich wöchentlich verändere, Rettungstaucher hätten nur eine Sichtweite von 20 bis 50 Zentimeter, sehen als so gut wie nichts. Panik könne zum Ertrinken führen, auch von jungen Leuten. Beim Ertrinken treffe es zu 79 Prozent Männer, wohl durch Selbstüberschätzung und wenn Alkohol im Spiel sei. Glücklicherweise könnten auch viele Menschen gerettet werden wie eine Mutter mit ihren beiden Kindern, die keine Kraft mehr hatte. Vielfach gebe es falsche Vorstellungen vom Ertrinken, warnte Rech, Ertrinkende würden eben nicht laut rufen und winken, sie versinken einfach ganz still. Und das müssten die Rettungskräfte rechtzeitig erkennen, eine hochkonzentrierte Arbeit. Wichtig sei auch, so betont Rech, Verbotsschilder zu beachten oder Hinweisschilder wie im Badesee, die den flachen Bereich abgrenzen. Im Rhein oder Neckar zu baden oder zu schwimmen sei keine gute Idee, warnt Rech, auch die Buhnen im Rhein bei Niedrigwasser böten keinen Schutz vor starker Strömung, im Gegenteil. Mit dem Landkreis habe der DLRG-Kreisverband einen Rettungssicherungsvertrag und rücke bei Alarm aus. Im Kreis Bergstraße mit 22 Städten und Gemeinden gebe es 12 DLRG-Ortsgruppen, die den Wasserrettungsdienst leisten. Verstärkung zur Bewältigung der vielen Aufgaben sei willkommen. Sorge mache ihm, das durch den langen Corona-Lockdown viele Kinder nicht schwimmen lernen konnten, zudem würden viele Kommunen ihre Bäder aus Kostengründen schließen. Seinen Appell „Rettet die Bäder“ richtet er an die Verantwortlichen, wobei er durchaus die Lage der Kommunen verstehe. Im Kreis Bergstraße mit 270.000 Einwohnern werden täglich 25.000 Badegäste gezählt, teilte Stolz mit. Hannelore Nowacki
Die bewachten Badeseen im Kreis Bergstraße wie in Bensheim und Lampertheim laden zu Sport, Spiel und Entspannung ein. Foto: Hannelore Nowacki