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  • Fr., 15. September 2017, 08:54 Uhr
    Beide Kirchen in Bürstadt beziehen Stellung zum Thema Flucht und Gesellschaft

    „Integration bedeutet nicht Angleichung“

    Aus Offenheit für Neue und Neues kann sich etwas entwickeln. Deshalb wünschen sich die beiden Kirchengemeinden Besonnenheit im Vorgehen und Respekt im Umgang miteinander. Foto: pixabay.de

    BÜRSTADT – Der Zeitpunkt vor der Bundestagswahl scheint bewusst gewählt, dennoch machten der katholische Pfarrer Peter Kern, die evangelische Pfarrerin Johanna Kluge und Gemeindereferent Michael Held im Rahmen des Pressegesprächs am vergangenen Donnerstag deutlich: „Wir wollen uns nicht parteipolitisch äußern, sehen es aber als unseren Auftrag, als Christen hier in Bürstadt präsent zu sein mit dem, was wir denken.“ Viele Fragen und noch mehr Ängste kämen derzeit auf, denn nun beginne in Sachen Integration ein langer Prozess. „Gewisse Arten der Stellungnahmen häufen sich, die unsachgemäß und oft auch beleidigend sind“, berichtete Michael Held, der sich aktiv im Bürstädter Netzwerk Asyl engagiert. Nicht auf jedes Flugblatt oder jeden Facebook-Eintrag wolle man reagieren, aber nun sahen die Kirchenvertreter einen guten Zeitpunkt Stellung zu beziehen. Denn aus christlicher Sicht werden die Menschen schon im Alten Testament zur Gastfreundschaft ermuntert: „Der Fremde, der sich bei euch aufhält, soll euch wie ein Einheimischer gelten und du sollst ihn lieben wie dich selbst; denn ihr seid selbst Fremde in Ägypten gewesen. Ich bin der Herr, euer Gott“, lautet es im Buch Levitikus, Kapitel 19,34. Als christliche Kirchen in Bürstadt rufen die beiden Gemeinden zu Offenheit, Fairness und Empathie auf und sehen die Situation der Migranten und Flüchtlinge als besondere Herausforderung dieser Zeit, die es positiv zu gestalten gelte. Durch Begegnungen, Gespräche, offenes Aufeinander zugehen und den Gegenüber annehmen, wie er ist, hoffen die Kirchenvertreter auf eine Annäherung. „Integration bedeutet nicht: Die müssen so werden wie wir. Jetzt geht es darum eine Basis zu schaffen, auf der wir uns begegnen können“, so Held. Und da gebe es keine Abkürzung, erst recht nicht durch Abgrenzung. Durchaus Verständnis haben die Kirchenvertreter für die Ängste, die gerade in der Gesellschaft hochkommen und rufen deshalb zu einer christlichen Herangehensweise auf. Kernige Parolen und persönliche Angriffe dienten dabei eben nicht der Lösung der Herausforderungen.
    Zusammenhalt brauche Mut zur Menschlichkeit statt Angst und Rückzug vor denen, die in Deutschland Zuflucht gefunden haben. In diesem Sinne wollen die beiden Gemeinden sich den Herausforderungen weiterhin stellen und in konstruktivem Miteinander gestalten. Eva Wiegand

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