FASTNACHT: Bürstadt feiert mit Maske / Stadtprinzenpaar Viviane I. und Andreas II. an der Macht
Inthronisierung unter dem Dach der Akropolis
Viviane I. und Andreas II. mit Töchterchen Leonie - das neue Stadtprinzenpaar war an der Bütt mundartlich ganz im närrischen Element. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Bürstadt war ziemlich eingenebelt und knackig kalt war es auch, aber die feiernde Narrenschar mit Abordnungen der Vereine und Gästen vom 1. CC Rot-Weiß aus Lampertheim hatte wenigstens ein Dach über dem Kopf, als es am Donnerstagabend galt, die lang gedienten Tollitäten Sabine III. und Michael II. mit Ehrenurkunde, gereimten Reden und einem dreifach donnernden Helau in den bürgerlichen Stand zu verabschieden, in dem sie nun nach zwei Jahren närrischer Regentschaft wieder als Sabine Heidrich-Tremmel und Michael Heidrich angekommen sind. Unter dem Dach der Bürstädter Akropolis, wie die Markthalle häufig scherzhaft besonders in Büttenreden genannt wurde, kündigte der 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Bürstädter Vereine, Steffen Schweiker, die Inthronisierung der neuen Tollitäten an, die durch die Corona-Pandemie lange im Wartestand auf die närrische Machtübernahme warten mussten. Viviane I. und Andreas II. stellten sich in mundartlichen Reimen vor, so wie sie immer ihre Fans bei den Prunksitzungen des SKK (Spiel- und Kulturkreis 50 Bürstadt) als Vater und Tochter mit Sketchen und Vorträgen in der Bütt begeistert haben. Das sind Viviane und Andreas Mallig auch im bürgerlichen Leben. Und sie sind das erste Vater-Tochter-Stadtprinzenpaar in der Geschichte der Bürstädter Fastnacht. Vieles war anders an diesem Abend auf dem Marktplatz: Zum ersten Mal eine Inthronisierungmit Maske im Freien und mehr Abstand, daher kein Schunkeln im Stehen. Alles wegen Corona, aber bei so viel guter Stimmung fiel das Feiern leicht, die Narrenschar klatschte sich zur schwungvollen Musik von Heinz Kilian warm. Damit niemand zum Schunkeln verleitet werden könnte, interpretierte der HCV-Haus- und Hofmusiker das Prinzenpaarlied einfach als Marsch. „Wir machen heute aus der Inthro einen Maskenball“, sagte Schweiker zu Beginn, „zieht eine Maske auf“. Zur Eröffnung der Fastnachtskampagne 2021/2022 hatte die Vereins-AG eine Stunde zuvor die noch amtierenden Tollitäten und Vereinsabordnungen zur „Sainawwelskett“ im Innenhof des Ratskellers eingeladen, von dort pilgerten sie zum Marktplatz. „Wir lassen uns von diesem Virus nicht klein kriegen“, rief Schweiker dem Publikum zu, was mit einem dreifach donnernden Applaus bekräftigt wurde. Allerdings sei die letzte Kampagne nicht ganz ausgefallen, betonte Schweiker, viele Vereine hätten die Fastnacht über das Internet nach Hause gebracht. „Wer hätte das gedacht, dass wir heute hier unter der Akropolis Schutz finden“, sagteBürgermeisterin Barbara Schader im Rückblick auf die Fastnacht 2020, die Bürstadt voller Lebensfreude gefeiert habe. „War das schön!“. Trotz allem zeigte sich die Bürgermeisterin voller Zuversicht auf weiteren Frohsinn und Lebensfreude. Der Vereins-AG dankte sie für die Improvisation. Präsidentin Sandra Beilstein hatte die 624 Tage seit Corona genau abgezählt und stellte fest: „Fastnacht ist unser größter Schatz, doch oh graus, bremste uns Corona aus“. Im Herzen bleibe die Narretei erhalten, „wir müssen sie nur neu gestalten“. Und Impfen, das sollten die lieben Narren auch tun.
Warm angezogen waren die Abordnungen der Vereine – ganz in Rot vom SKK 50. Foto: Hannelore Nowacki
Zum Aufwärmen und für die gute Stimmung spielte Heinz Kilian „Hände zum Himmel“. Stadtprinzenpaar zu sein habe ihnen Spaß gemacht, versicherte Michael II. in Reimen und Sabine III. erinnerte an die erfolgreiche Spendenaktion und die närrische Blutspendeaktion. Die Insignien der Macht gaben sie ab, dafür erhielten sie eine Entlassungsurkunde. Ein paar weitere Details über die neuen Tollitäten gab Präsidentin Beilstein bekannt, zum Beispiel dass Tochter Viviane 1995 geboren ist, gerne Kochkäseschnitzel isst, Präsidentin der SKK-Kindersitzung war und als medizinische Fachangestellte und Skorpion weiß was sie will. Ihr Papa, der Prinz, ist 1964 geboren, geselliger und kreativer Wassermann mit vielen Bühnenauftritten beim SKK 50, der die Texte selber schreibt und alles isst außer vegetarisch. Nach altem Brauch wurde das Stadtprinzenpaar feierlich vereidigt, wobei allerlei Fragen mit „wir wollen“oder „wir geloben“ zu beantworten waren. Auf jeden Fall wollen sie bei ihren Untertanen ein närrisches Feuer entfachen, das nicht zu löschen ist. Mit Übergabe der Ernennungsurkunde, Zepter und Prinz Jokus sind die beiden dazu ermächtigt. In Mundart hielten sie ihre Antrittsreden, denn „Hochdeitsch redde ist fer uns eine Ploog, deshalb redde mer in unser Heimatsprooch“, erklärte der Prinz. Die Prinzessin freute sich: „Es ist so schee euch do zu sehn“. Töchterchen Leonie mit eigenem Sternzepter schaute interessiert zu.Hannelore Nowacki