Agendatisch Naturschutz setzt sich seit über 20 Jahren für Bäume und artenreiche Grünflächen ein
Jeder kann am Klimakonzept mitarbeiten
Franz Gärtner, Michael Held und Henry Riechmann vom Agendatisch Naturschutz stellen den Plan zur Aufwertung des Biotops Flur 21/22 an der Graf-von-Stauffenberg-Straße vor. Foto: Petra Gahabka
BÜRSTADT – Wenn es in Bürstadt um Streuobstwiesen, Baumpflanzungen, insektenfreundliche Wegränder in der Feldflur, Biotope oder eine Hundewiese geht, dann ist auch der Agendatisch Naturschutz involviert. Bereits seit 1998 gibt es dieses Forum bürgerschaftlichen Engagements, das Themen des Umwelt- und Naturschutzes bespricht, politische Gremien beratend unterstützt, entsprechende Projekte plant und in Kooperation umsetzt.
Der Runde Tisch trifft sich vierteljährlich im Rathaus, etwa 20 Bürger arbeiten mit am Klimakonzept und setzen sich für den Baumbestand und seine Bewohner ein sowie für wertvolles naturnahes Stadtgrün, erzählen Henry Riechmann, Mitarbeiter der Stadtverwaltung und Moderator des Agendatisches, der Bürstädter NABU-Vorsitzende Michael Held sowie Franz Gärtner, der dem Gremium seit der ersten Stunde angehört. Neue Mitstreiter sind immer willkommen. Jeder, der langfristig konzeptionell Projekte begleiten möchte oder punktuell Themen rund um den Natur- und Habitatschutz im Blick hat, ist eingeladen mitzumachen. Beim Pressegespräch am Dienstag informierte das Trio über bisher Erreichtes – dazu zählen die Projekte Naturoase Lachgärten mit „Hochzeitswiese“ und die Chausee-Allee in Bobstadt, die der Agendatisch maßgeblich auf den Weg gebracht hat – und aktuelle Planungen.
Ganz oben auf der Liste stehen das Pappelkonzept, eine Baumschutzsatzung samt Grüncharta, das 24 Hektar große Biotopsentwicklungsgebiet nördlich von Riedrode, für das gemeinsam mit den Landwirten Maßnahmen überlegt werden sollen, sowie die Aufwertung des Biotops Flur 21/22 im Rahmen des Stadtentwicklungskonzeptes Soziale Stadt. Wie das Gebiet östlich der Bahnlinie einmal aussehen könnte, zeigte ein präsentierten Entwurf, der unter anderem eine offene Wasserfläche mit Randbepflanzung und naturnahen Stauden sowie Feuchtwiese und Schilffläche aufweist. Die To-Do-Liste ist lang, es gilt Untergehölze zu entfernen, Bäume freizustellen, Wildwuchs zu roden und Wiesenflächen neu einzusäen. Zudem soll ein Pflege- und Mähkonzept entwickelt werden, bei dem „schonend in zwei oder drei Abschnitten gemäht wird, damit Kleintiere auf benachbarte Flächen ausweichen können“ sowie mit kleinerem Gerät gearbeitet werden, erklärte Franz Gärtner.
660 Pappeln gibt es in Bürstadt, verteilt auf 14 Standorte, fast alle stehen auf städtischem Grund. Henry Riechmann kennt die Zahlen ganz genau, denn für jeden Baum wurde ein Pflegeplan erstellt. „Das ist in dieser Form einmalig im Kreis Bergstraße.“ Die Kartierung oblag einem Fachbüro. Vor rund 60 Jahren zur Gewinnung von Holz und Papier gepflanzt, seien die schnell wachsenden Hybridpappeln nun in einem Alter, wo in punkto Stabilität und Sicherheit ganz genau hingeschaut werden müsse. „Etwa 80 sind zu fällen, 380 sind mit Maßnahmen zu belegen“, so der Sachbearbeiter. Die Umsetzung soll im kommenden Frühling beginnen (das Geld dafür ist eingestellt) und werde auf drei Jahre gestreckt. Für die Nachpflanzung empfiehlt er neben der selten gewordenen Schwarzpappel einheimische Baumarten wie Eiche, Hainbuche und Linde. Die Kosten für die Maßnahmen liegen laut Riechmann im fünfstelligen Bereich pro Jahr. „Alle bisherigen Konzepte wurden von den Bürgern entwickelt“, merkte Michael Held an, dabei ist ihm wichtig, dass der Agendatisch ein beratendes und kein beschlussfassendes Gremium ist.
Auch die Bäume auf den öffentlichen Flächen und an den Straßen wurden in einem Kataster erfasst, 2.500 sind es insgesamt, waldartige Bereiche ausgenommen. Die Kontrolle des Bestandes erfolgt je nach Bedarf in einem Abstand von sechs Monaten bis zwei Jahren. Noch in der Entwicklung ist eine Baumschutzsatzung für besonders schützenswerte Bäume verbunden mit einer Grüncharta. Hier sollen die Bürger zu mehr Grün motiviert werden, beispielsweise durch die Gestaltung von insektenfreundlichen Vorgärten - weg von Schotterwüsten. Jeder könne seinen Beitrag zum Umweltschutz leisten, „du musst bei den Wurzeln anfangen“, brachte es Franz Gärtner auf den Punkt.
Nächstes Treffen
Der nächste Agendatisch Naturschutz findet am Donnerstag, 13. Februar, um 18.30 Uhr im Sitzungssaal des Bürstädter Rathauses statt. Interessierte sind herzlich eingeladen.
Ansprechpartner bei der Stadtverwaltung ist Henry Riechmann, Telefon 06206/701-269 (Montag und Donnerstag) oder E-Mail an Henry.riechmann@buerstadt.de Petra Gahabka