EHRENAMT: „Rudis Netzwerk“ muss Räumlichkeiten im Jugendheim Mariä Verkündigung bis 15. November räumen / Neue Anlaufstelle gesucht
Jetzt brauchen die Helfer dringend Hilfe!
Das Helferteam von „HelpingHands“/„Rudis Netzwerk“ legt im Jugendheim Mariä Verkündigung letzte Hand an. Sachspenden werden anderen Organisationen zur Verfügung gestellt, Regale abgebaut und Kisten verpackt, bis eine neue Anlaufstelle gefunden ist. Foto: Steffen Heumann
LAMPERTHEIM – Die Lage ist ernst. Das 5-köpfige Helferteam von „HelpingHands“/„Rudis Netzwerk“, das seit März 2021 im Jugendheim Mariä Verkündigung eine Anlaufstelle für Hilfesuchende in Lampertheim und Umgebung betreibt, funkt S.O.S. Die katholische Kirche, die den ehrenamtlich Aktiven die Nutzung des Jugendheimes bislang gestattete, hat am 20. September einen Schlussstrich gezogen. Zum 15. November wurde die Vereinbarung aufgekündigt. In der Begründung heißt es auch, dass die Kirche nicht mehr bereit sei, die Nebenkosten für Strom und Wasser zu tragen.
Menschen unbürokratisch helfen
Ein Schlag ins Gesicht der helfenden Hände, die sich über die Jahre ein funktionierendes Netzwerk aufgebaut haben, um den Menschen am Rande der Gesellschaft und Flüchtlingen unbürokratisch Unterstützung zu gewähren. Essen kochen für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine im Forsthaus, ein warmer Wintermantel für einen 84-jährigen Lampertheimer mit schmaler Rente oder ein wärmender Kaffee und Kekse für Obdachlose. Senioren, die mit der Antragstellung bei Ämtern Probleme hatten, wurden ebenfalls mit offenen Armen empfangen. Und nicht zuletzt gilt es auf die Hilfstransporte mit Sachspenden in das Ahrtal oder in die Ukraine zu verweisen. Manchmal half auch nur ein aufmunterndes Gespräch.
Nach Diebstahl beinahe Endzeitstimmung
Dass jetzt bei „Rudis Netzwerk“ beinahe Endzeitstimmung herrscht, hat Gründe. Zahlreiche Menschen sind im Besitz von Schlüsseln und haben folglich Zugang zum Jugendheim. Nach Bekanntwerden der Räumung waren Tage später plötzlich 80 Plastikboxen verschwunden. Schätzungsweise 2.000 Euro an materiellem Schaden. Hygieneartikel, Duschgel und Waschmittel verzeichneten in der Folge ebenfalls großen Schwund. Zuletzt wurde auch noch ein gebrauchsfähiger Rollstuhl demoliert und Deckenplatten mutwillig entfernt. „Wir haben viel Herzblut in unsere Arbeit gesteckt“, so Antje Egle. Die Diebstähle seien krass, das müssen man erstmal verarbeiten. Claudia Lamm, Gründerin von „Rudis Netzwerk“, kann es kaum fassen, dass auf diese Weise die diakonische Arbeit noch konterkariert wird.
Blick in die Zukunft
Die Protagonisten richten den Blick aber in die Zukunft. Bedarf gibt es in Lampertheim mehr als genug. Die Tafeln sind am Limit, viele Bürger leben unterhalb des Existenzminimums. „Ein Brot kaufen oder Benzin tanken, damit ich zur Arbeit komme?“. Auch bei solchen Anfragen steht das Netzwerke zur Seite, berichtet Claudia Lamm aus dem Alltag. Jetzt aber brauchen die Helfer aber selbst Hilfe. Und das dringend!
„Wir müssen leider raus!“ Foto: Steffen Heumann
Halle oder Räumlichkeiten gesucht
Die gesuchte Halle oder entsprechend nutzbare Räumlichkeiten, sollten für das Helferteam permanent zugänglich sind. Bei Bedarf müsse man auch mal morgens oder am Abends auf dringend benötigte Artikel zurückgreifen, so die Organisatoren. Das Gebäude müsse anfahrbar für Lieferungen von Sachspenden und deren Weitertransport sein. Die Räume sollten im Erdgeschoss liegen und auch für Publikumsverkehr geeignet sein. „Wir bringen keine Einnahmen, kosten Strom und Wasser“, wissen Claudia Lamm und Antje Egle um das schwierige Unterfangen. Beide hoffen mit ihren Mitstreitern schnell eine mittelfristige Lösung zu finden.
Langfristig könnte die Stadt dem ehrenamtlichen Helferteam diese Exiszentsorge nehmen. Marius Schmidt, Erster Stadtrat, möchte gerne behilflich sein und die Weichen hierfür stellen. „Die helfenden Hände sind ein wichtiger Baustein in unserer sozialen Infrastruktur“, betont Schmidt. Aktuell werde noch eine Containerlösung als Variante geprüft. Letztlich appelliere er aber an Vermieter und Unternehmer, sich bei einem konkreten Angebot direkt an das Netzwerk oder die Stabsstelle Soziales der Stadt zu wenden.
INFO: Menschen, die helfen wollen, sind bei HelpingHands/„Rudis Netzwerk“ ebenso willkommen, wie Spenden an Stadt Lampertheim, Rheinhessen Sparkasse, IBAN DE87 5535 0010 0003 1011 10, Verwendungszweck 48601011 Rudis Netzwerk. Kontaktaufnahme mit „Rudis Netzwerk“ unter rudisnetzwerk@gmail.com oder WhatsApp an 01573/4109327.