Do., 14. August 2014, 15:01 Uhr
Diskussion um Biogasanlage: Bürgerallianz Bürstadt zieht Bilanz / Champignonzucht im Fokus
„Jetzt endlich Nägel mit Köpfen machen”
BÜRSTADT – „Die Biogasanlage ist vorerst gescheitert, weil offensichtlich zu viele Unwägbarkeiten aufgetreten sind. Dazu gesellten sich individuelle Fehler, die zum Teil aus der besonderen Stresssitutation des drohenden wirtschaftlichen Misserfolgs und technisch unerwarteten Probleme entstanden sein dürften. In der Folge droht jetzt eine Industriebrache”, so das Fazit der Bürgerallianz in Bezug auf die Diskussionen um das Für und Wider der Biogasanlage.
„Es ging uns jedoch nicht darum, irgendwelche „Schuldige“ zu suchen, sondern um vermeidbare systematische Schwachstellen bei der Ansiedlung von Gewerbebetrieben zu erkennen und Vorkehrungen gegen eine Wiederholung solcher Problemansiedlungen zu treffen”, erläutert Udo Bauer seitens der Allianz.
Schwachstelle sei generell die Standortwahl. Standorte unter dem Gesichtspunkt möglichst geringer Investitionen in die Verkehrswege auszusuchen, sei eine Idee, die sich fast immer in ein Problem verwandele. Wenn die Ansiedlung floriere, werde das Verkehrsaufkommen die vorhandenen, oft ungeeigneten Wege überlasten und im Endeffekt regelrecht zerstören. Verkehrswege auszuflicken und später nachzurüsten sei immer teurer, als gleich vernünftig zu planen.
Eine Pilotanlage wie die Biogasanlage sei aufgrund des fehlenden Risikopuffers für eine Stadt in der Größenordnung Bürstadts ein unkalkulierbares Risiko. Investoren müssten stärker vertraglich gebunden werden, fordert die Bürgerallianz. „Wenn sie sich auf gewisse vertragliche Bedingungen zum Schutz der Steuerzahler nicht einlassen wollen, dann muss eben auf die Investition verzichtet werden”, fast Bauer zusammen. Im Falle der Biogasanlage wäre das zum Beispiel ein vertraglich vereinbarter Rückbau gewesen. Ähnliches gelte für das brachliegende OLI-Gelände.
Gutachten, die die Investoren selbst bestellt oder gar verfasst hätten, seien mit äußerster Vorsicht zu betrachten und mit Stellungnahmen von neutraler Stelle zu überprüfen. „Wir brauchen eine größere Transparenz und die Bürger müssen in die Entscheidungen des Parlaments eingebunden werden. Schließlich gibt es zu fast jedem Thema genügend außerparlamentarischen Sachverstand in Bürstadt”, fügt Bauer an.
Was bedeutet das für den Fall der soeben entstehenden Champignonzucht? Hier seien immerhin 100 Arbeitsplätze versprochen. Aber es sei eben auch bekannt, dass dort täglich 40 LKW fahren werden, also mindestens 80 Verkehrsbewegungen durchgeführt würden. Dieser Verkehr soll von einer vom Investor zu bauenden Straße direkt auf die Umgehungsstraße geleitet werden. „Hier muss die Stadtverwaltung dafür sorgen, dass sich dieser Verkehr auf gar keinen Fall auch noch auf Mainstraße, Mittelriedstraße, Industriestraße oder Bobstadt verlagert”, meint die Bürgerallianz.
„Jetzt müssen endlich Nägel mit Köpfen gemacht werden und ein Clusterkonzept rund um eine geruchsarm wiederbelebte Biogasanlage und die Champignonzuchtanlage entwickelt werden”, erklärt Udo Bauer und führt weiter aus, dass in beiden Betrieben Nachprodukte anfalle, die an Ort und Stelle weiterverarbeitet werden können, statt sie um den Preis weiteren Verkehrsaufkommens anderswohin zu schaffen, verweist Bauer etwa auf die Abwärme der Biogasanlage. zg