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  • Mi., 03. Februar 2021, 07:27 Uhr
    SERIE: Talk im TIP heute mit Erika Gabler, Ehrenvorsitzende des Wassersportvereins Lampertheim

    Kalle Horstfeld im Gespräch mit einer Ehrenamtlerin mit Leib und Seele 

    Kalle Horstfeld (r.) im Gespräch mit Erika Gabler (l.), Ehrenvorsitzende des Wassersportvereins Lampertheim und Ehrenamtlerin mit Leib und Seele. Foto: oh


    „Talk im TIP“ ist eine Beitragsreihe des TIP-Verlags in Zusammenarbeit mit dem Initiator Kalle Horstfeld. Horstfeld der inzwischen auch als „Lômbadda Babbler“ bekannt ist, hatte im Februar 2020 mit dem „Talk im Alten Rathaus“ eine neue Veranstaltungsreihe in Lampertheim initiiert. Bei diesen Treffen sollten verschiedene Gäste vorgestellt und zu ihrer Lebensgeschichte befragt werden.
    Durch die Corona-Pandemie ist die Veranstaltungsreihe vorerst einmal gestoppt. Horstfeld wird deshalb in regelmäßigen Abständen „Bürger unserer Stadt bzw. Region“ in einem persönlichen Gespräch vorstellen und zu verschiedenen Themen befragen. Heute im Gespräch: Erika Gabler, Ehrenvorsitzende des Wassersportvereins Lampertheim und Ehrenamtlerin mit Leib und Seele.

    Zur Person:

    Erika Gabler ist in Lampertheim geboren und lebt schon ihr ganzes Leben in ihrer Heimatstadt.

    Sie ist bei der Stadtverwaltung Lampertheim beschäftigt und seit ihrer Kindheit Mitglied des Wassersportvereins. Früher war sie eine erfolgreiche Kanutin und hat schon in jungen Jahren im Vorstand des Vereins Verantwortung übernommen, lange auch als Vorsitzende des Vereins.

    Sie ist seit vielen Jahren Mitglied des Projektbeirats Entschlammung Lampertheimer Altrhein.

    Als naturverbundener Mensch ist sie sehr oft mit dem Fahrrad unterwegs.

    Kalle: Was gefällt Dir in Lampertheim besonders gut?

    Erika: Die Vielzahl der Vereine. Wir haben in Lampertheim und den Stadtteilen über 200 Vereine und ich denke, dass hier für jeden ein passendes Angebot dabei ist. Was mir auch sehr gut gefällt ist das Naturschutzgebiet mit dem Altrhein und dem Biedensand. Durch die Renaturierung haben wir auch eine sehr schöne Fläche in Richtung Mannheim. Wir haben ein tolles und vielfältiges Kinderbetreuungsangebot, was Kindergarten-, Hort- und auch Krippenplätze umfasst. Das ist natürlich für junge Familien sehr interessant. In Lampertheim gibt es außerdem alle Schulformen, womit es sich als Wohnstadt für Familien super anbietet. Was mir auch sehr gut gefällt ist, dass wir hier noch sehr viele landwirtschaftliche Betriebe haben. Dadurch sind wir in der privilegierten Lage direkt beim Erzeuger kaufen zu können. Ich bin in Lampertheim tief verwurzelt und möchte nirgendwo anders leben. 

    Kalle: Was gefällt Dir in Lampertheim weniger gut?

    Erika: Ich wünsche mir, dass man das Radwegenetz besser ausbaut. Auch die Uferregionen am Altrhein sollten ordentlich hergerichtet werden. Mehr Sitzbänke und andere Sitzgelegenheiten sollten aufgestellt werden. In diesem Bereich sollten auch stärker Kontrollen durchgeführt werden. Im letzten Sommer war das Ufer des Altrheins leider sehr stark zugemüllt. Ich wünsche mir auch eine Belebung des Innenstadtbereichs. Ohne Eis Oberfeld und das Café Schmerker würde es ganz trübe aussehen. Es fehlt eine Kneipe, in der man einmal ein Bier, einen Wein oder einen Kaffee trinken kann. Toll wäre hier natürlich auch ein schöner Außenbereich. Es fehlen weiterhin auch ein paar attraktive Geschäfte und ganz wichtig wäre auch mehr Geschäfts- und Gewerbeansiedlung. Ich hoffe, dass sich hier nach der Pandemie einiges tut. 

    Kalle: Wenn Du drei Wünsche frei hättest: Was würdest Du in Lampertheim sofort ändern?

    Erika: Mein erster und größter Wunsch wäre die Entschlammung des Lampertheimer Altrheins.
    Außerdem würde ich mir wünschen, dass Verbraucher ihre Produkte mehr regional kaufen und dabei auch mehr auf Qualität achten. Beispielsweise beim Fleischkauf. Und dass beim Einkaufen auch mehr der Aspekt der Nachhaltigkeit berücksichtigt wird. Außerdem ist durch die Pandemie nach meinem Befinden sehr deutlich geworden, wie wichtig das Zusammengehörigkeitsgefühl, insbesondere in den Familien, ist. Hier würde ich mir auch in Zukunft mehr gemeinsame Freizeitaktivitäten mit der Familie, mit Freunden und Bekannten wünschen.

    Kalle: Wie hast Du die Anfangszeit der Corona-Pandemie erlebt?

    Erika: Wir hatten im März noch unsere Mitgliederversammlung und einen gemeinsamen Arbeitseinsatz. Für die Woche darauf war ein weiteres Treffen geplant. Dann hieß es plötzlich, wir sollen alles zumachen. Der komplette Sportbetrieb wurde eingestellt, wir durften nichts mehr machen. Unsere Sportler waren teilweise noch im Trainingslager in Portugal und kamen, bevor die Grenzen geschlossen wurden, frühzeitig zurück. 

    Das war auch problematisch, da wir mit Simon Specht einen Sportler haben, der im Nationalkader ist und sich auf die einzelnen Qualifikationsentscheidungen vorbereiten muss. Die Kadermitglieder 

    durften anfangs nur in Zweiergruppen im Freien trainieren, ohne die Möglichkeit Dusch- und Umkleideräume zu nutzen. Das war nicht nur für die Trainer eine Herausforderung.  Sämtlicher Trainingsbetrieb und alle Vereinsaktivitäten wurden von uns immer unter Berücksichtigung der beschlossenen Vorgaben angepasst. Groß war natürlich auch die Enttäuschung, dass keine Weltmeisteschaften stattfinden konnten und sämtliche Regatten und Kanu-Polo-Turniere abgesagt werden mussten.

    Kalle: Welche Veränderungen sind Dir bisher während der Corona-Pandemie aufgefallen?

    Erika: Was für mich ganz dramatisch war, war die Entwicklung der Neuinfektionen und die Zahl der Verstorbenen. Ich halte die getroffenen Einschränkungen und Maßnahmen für absolut notwendig. Natürlich waren und sind diese besonders schlimm für ältere Menschen. Sehr bedauerlich ist auch, dass man Erkrankte während ihres Krankenverlaufs nur eingeschränkt begleiten kann und manche Angehörige sich nicht einmal von ihren Verstorbenen verabschieden konnten. 

    Auch sehr aufgefallen sind mir die sozialen Unterschiede beim Thema Homeschooling und Homeoffice. Es gibt Familien, die haben ein Haus mit Garten, wo Kinder spielen können. Aber wie machen das Familien mit einer kleinen Wohnung, die nicht so einfach ins Freie können? Oder was machen Kinder, denen die technische oder materielle Ausstattung fehlt, um am Homeschooling teilnehmen zu können? Hier haben sich sehr große Unterschiede aufgezeigt. Die Bildungsunterschiede werden immer größer und wo ist hier die Chancengleichheit?
    Die Pandemie bringt aber auch eine Rückbesinnung auf den engeren Familienkreis mit sich. Mehr gemeinsame Aktivitäten wie Radfahren oder Gesellschaftsspiele.

    Man liest mehr, treibt auch mehr Sport, eventuell mit Freunden. Aber die Zeit hat auch ihre Gefahren. Beispielsweise durch Vereinsamung, es kommt eventuell auch zu Depressionen. Was am Allermeisten fehlt, sind soziale Kontakte. Nicht nur bei Senioren, sondern auch für junge Menschen. 

    Kalle: Hast du ein Gefühl oder eine Vermutung, wie es mit der Corona-Pandemie weitergeht?

    Erika: Ich hoffe und appelliere weiterhin an die Vernunft der Menschen. Soziale Kontakte beschränken, wo es nur geht. Die AHA-Regeln sind absolut einzuhalten und Impfen, wo es möglich und gewollt ist.  Das Impfen ist für mich der Weg aus der Pandemie. Hier erwarte ich noch viel mehr Aufklärungsarbeit. Insbesondere um Zweifler noch einmal umfassender zu informieren. Natürlich wünsche ich mir, dass auch bekannte Lampertheimer bei einer solchen Aktion mitmachen. 

    Die Impfquote muss auf jeden Fall gesteigert werden. Ohne Frage, ich würde mich sofort impfen lassen.
    Ich hoffe außerdem sehr, dass sich das gesellschaftliche Frauenbild, jetzt durch Homeschooling und Homeoffice, nicht rückschrittlich entwickelt. Und dass auch das Thema „häusliche Gewalt“, über das man so einiges gelesen hat, wieder aus dem Familienalltag verschwindet.
    Ich wünsche mir natürlich auch sehr, dass die Kinder bald wieder zum Sport kommen können, aber auch unsere Senioren.

    Ganz schlimm finde ich die Situation für Künstler, Gastronomen und Theaterbetriebe. Ich hoffe, dass möglichst viele diese Zeit überstehen werden. Hier erwarte ich auch mehr Solidarität von Menschen mit Vermögen. Sie sollten sich ein Beispiel an dem Engagement von Dietmar Hopp nehmen. Wir können die Rückzahlung der immensen Summe, die Seitens der Regierung investiert werden mussten nicht nur der Restbevölkerung sowie unserer Jugend überlassen.

    Kalle: Herzlichen Dank für das Gespräch, Erika.

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