Club des Goldenen Alters verabschiedete Pfarrer Adam Herbert
Kein Tag wie jeder andere
Auch beim Abschied in den Ruhestand wusste Pfarrer Adam Herbert mit seiner heiteren Art die Besucher beim Club des Goldenen Alters und das Club-Team zu begeistern. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Der Club des Goldenen Alters muss zukünftig ohne Pfarrer Adam Herbert auskommen, eine Aussicht, die besonders den sieben rührigen Frauen des Club-Teams naheging. Ein Programm fast wie immer war am Montagnachmittag geplant und organisiert, aber ein Tag wie jeder andere war es für den Club des Goldenen Alters nicht. Die langen Tischreihen im großen Saal der Notkirche waren fast durchgehend besetzt, zur Verabschiedung waren wohl mehr Besucher gekommen als sonst bei den Treffen, die jeden Monat einmal stattfinden. Draußen schöner Sommer, auf den Tischen Vasen mit Sonnenhutblüten, in heiterer Atmosphäre erlebten die Senioren abwechslungsreiche Stunden mit Kaffee und Kuchen, später folgten Gesangsvorträge von Dieter Zehfuß, der sich für sehnsuchtsvolle Hits vergangener Zeiten, vor allem von Freddy Quinn und Vico Torriani, entschieden hatte. Auf das Thema Abschied stimmten diese Stücke ein. Zu Beginn jedoch hielt Pfarrer Herbert wie gewohnt die kleine Andacht, beginnend mit einem gemeinsam gesungenen Lied aus dem Gesangbuch: „Geh aus mein Herz und suche Freud“. Am Piano begleitete wie gewohnt Brigitte Breier den Gesang. Luthers Lieblingspsalm 46 lasen Senioren und Pfarrer im Wechsel. Um Dank und Danksagung ging es in der Predigt. Pfarrer Herbert sprach vom Dank „für die Gemeinschaft in diesem Raum, für jeden Händedruck, Dank für diese gute Gemeinschaft“. Und er zog eine klare Linie, wie er es in der nahen Zukunft mit der Gestaltung seines Ruhestandes halten wolle. „Der letzte gemeinsame Nachmittag“ – so fing Pfarrer Herbert die Erklärung an. Dekan Arno Kreh, sein Vorgesetzter im Dekanat Bergstraße, habe ihm gesagt: „Im ersten Jahr deiner Pensionierung machst du nichts“. Wie gut es sei, dieser Empfehlung zu folgen, illustrierte Pfarrer Herbert anhand einer „schönen Geschichte“ aus dem Ort Schofheim, von Einheimischen Schoffe genannt, die bei den Zuhörern die gewünschte Heiterkeit hervorrief. War doch der dortige Pfarrer einst nach 42 Dienstjahren stets präsent, weshalb der Nachfolger nach zwei Jahren seine Sachen packte. Pfarrer Herbert kommt als Dienstältester Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinden in Lampertheim immerhin auf 29 Dienstjahre. Wie die Gemeindemitglieder und Besucher des Clubs des Goldenen Alters von Pfarrer Herbert gewohnt sind, blieb er auch an diesem Nachmittag bei aller Besinnlichkeit heiter und gelassen, witzig und zugleich tiefschürfend in den Dingen des Lebenslaufs, wie beim Erzählen aus den „Spuren im Sand“, eine alte englische Glaubensgeschichte, die ihm gefalle. Eine spannende Geschichte, die am Ende dem Zweifelnden zeigte, dass er von Gott in Zeiten von Last und Not auf Händen getragen wurde. Pfarrer Herbert ließ die Zuhörer an seinem Werdegang teilnehmen, der damit begann, dass sein Vater als Landwirt, der noch im Schweiße seines Angesichts auf dem Feld am Pflug hinter seinen Pferden herging, ihm riet „andere Wege zu gehen“. Von einigen Menschen berichtete er, die ihn geprägt hatten, wie seine Mutter, die ihn als Kind in den Gottesdienst geschickt und danach abgefragt habe. Später war es ein Pfarrer, der deutlich machte, zum Beruf gehöre die ganze Weite des Herzens. Beginnend bei seiner ersten Pfarrstelle in Birkenau sei er vielen Menschen begegnet, die mehr oder weniger wunderbar, begabt oder auch „spinnert“ waren. Im Rückblick für ihn schmerzlich, viele der Weggefährten „sind nicht mehr da“.
Einen Korb voller guter Wünsche und nahrhafter Schätze plus Spendenumschlag erhielt Pfarrer Adam Herbert vom Club-Team und Besuchern. Foto: Hannelore Nowacki
Viele habe er selbst begraben müssen, das sollten nun andere übernehmen, denn je vertrauter er mit einem Menschen sei, desto stärker der persönliche Schmerz. „Ein ganz großes Dankeschön“ richtete Pfarrer Herbert an alle, die ihn über Jahre und Jahrzehnte begleitet haben. „Sie haben in meinem Leben große Fußspuren hinterlassen“. Um Verzeihung bat er jene, die ihm seine „Schnoddrigkeit“ übelgenommen hätten oder wenn ein Besuch nicht erfolgt sei. Aber: „Wir alle sind nicht perfekt“. Wobei Schnoddrigkeit wohl mit Humor, Witz und fröhlichem Wesen übersetzt werden muss. „Für diese gemeinsame Zeit bin ich sehr dankbar“ schloss Pfarrer Herbert seine Ansprache. Dem Gebet folgte das Lied „Nun danket alle Gott“, später der Segen. Dagmar Hackenberg las ein Dankgedicht für die schönen Nachmittage mit Pfarrer Herbert vor, das mit den Worten endete: „Wir konnten zufrieden nach Hause gehen“. Ein weiteres lebensweises und zugleich witziges Gedicht las Pfarrer Herbert wunschgemäß selbst vor. Sänger Zehfuß hatte noch ein besonderes Stück für Pfarrer Herbert einstudiert: „Where'er you walk“ aus Händels Oper Semele. Persönliche Geschenke wollte der scheidende Pfarrer nicht haben, dafür wünschte er sich Spenden für das Kinderhospiz Sterntaler. Einen Korb mit nahrhaftem Inhalt und vielen Zetteln voller guterWünsche erhielt er dennoch vom Club-Team. Nach seinem Wunschlied „Gott hat uns diese Erde gegeben“ endete der Nachmittag. Am Ausgang verabschiedete sich Pfarrer Herbert persönlich mit Handschlag von den Besuchern. Im persönlichen Gespräch verriet Pfarrer Herbert sein Rezept gegen beruflichen Stress – die italienische Salamitaktik: „Eine Scheibe nach der anderen“. Von Lampertheim habe er sich nie wegbeworben, weil keine andere Pfarrstelle der Lukasgemeinde das Wasser habe reichen können. „Und die Menschen in Lampertheim sind mir lieb geworden“. Deshalb bleibe er auch hier, sei jedoch letzten Freitag aus der Pfarrerwohnung ausgezogen. Wie es scheint, freut er sich ein wenig auf sein Hobby – fürs Segeln auf allen Gewässern habe er alle Scheine. Hannelore Nowacki