Elisabeth-Selbert-Schule – Schulgemeinde mit Willkommenskultur
Kennenlernen beim gemeinsamen Frühstück
Zwei Klassen, mehrere Nationen und gute Stimmung beim gemeinsamen Kennenlernfrühstück. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Im Raum A106 saßen am Mittwochmorgen viele junge Frauen und Männer beim Frühstück beisammen, offensichtlich bestens gelaunt und gesprächig. Eine bunte Gesellschaft, die sich am mehrere Meter langen, abwechslungsreich bestückten Frühstücksbuffet die Teller füllen konnte. Wer sie sind? Sie lernen in der Elisabeth-Selbert-Schule seit September ein Jahr lang Deutsch als Fremdsprache (DaF) und kommen aus Ländern mit Krieg und Krise wie Eritrea, Somalia und Syrien und auch aus Ländern der Europäischen Union wie Ungarn, Polen und Spanien - dreizehn junge Leute im Alter von 17 bis 21 Jahren. In der Klasse der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt Sozialwesen (12 FOS-S) bereiten sich sechzehn junge Leute im Alter von 18 bis 22 Jahre ein Jahr lang auf ihre fachgebundene Hochschulreife vor, mit der ihnen in Hessen fast alle Türen zu einem beliebigen Studium offen stehen. Beide Klassen lernen auf dem gleichen Stockwerk, die Räume liegen schräg gegenüber, man begegnete sich täglich von Montag bis Freitag. Und man beäugte sich neugierig, wie Klassenlehrer Tobias Helfrich berichtete. Doch dann entwickelte sich in der Klasse 12 FOS-S eine Idee: Ein gemeinsames Kennenlernfrühstück mit der DaF-Klasse soll der Beginn zu längerfristigen Kontakten werden. Der Förderverein der Schule war sogleich begeistert und stiftete das Geld zum Einkaufen. Die Presse wurde eingeladen, um ganz im Sinne der Schülerinnen und Schüler die öffentliche Aufmerksamkeit auf diese Aktion zu lenken und um die Willkommenskultur in der Schulgemeinde zu fördern. „Uns ist wichtig, dass sich alle unsere Schüler willkommen fühlen – die Schulgemeinde soll mit Leben erfüllt sein, nicht nur ein Schlagwort“, meinte Klassenlehrer Helfrich und ergänzte: „Das ist heute etwas ganz Besonderes“. Die 12 FOS-S-Klasse bereitete sich auf das Frühstück intensiv vor, überlegte, was von allen gegessen werden kann. Dann wurde eingekauft und alles selbst vorbereitet – Spieße mit Tomaten, Käse und Würstchen, Wurst- und Käseplatten, pikante Salate und Obstsalat. Auch Kuchen war im Angebot. Bei der Vorbereitung sei auch die Kompromissfähigkeit ins Spiel gekommen, merkte Lehrer Helfrich an. Schülerinnen erklärten im Gespräch, dass kein Schweinefleisch verwendet wurde. Salami und Würstchen seien „helal“ eingekauft worden. Elke Heinzelmann-Coronel, die mit Siegfried Deschler-Seiler die DaF-Klasse an verschiedenen Wochentagen unterrichtet, zeigte sich von der Atmosphäre begeistert. Im Unterricht werde von Anfang an Deutsch gesprochen, erklärte sie, eingeübt werden aber alle vier Fähigkeiten: Sprechen, hören, lesen und schreiben. Sie hofft, dass ihrer Klasse noch ein weiteres Jahr genehmigt wird. Wer schon mehr Deutsch kann, könne als Gast auch Fachunterricht besuchen, wer mehr Unterstützung brauche, werde zusätzlich gefördert. Seit drei Jahren engagiert sich die Elisabeth-Selbert-Schule im Rahmen des Netzwerks „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ mit verschiedenen Projekten gegen Rassismus und Diskriminierung. Hannelore Nowacki
Die Fachoberschulklasse mit dem Schwerpunkt Sozialwesen hatte das große Frühstücksbüffet vorbereitet. Foto: Hannelore Nowacki