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  • Di., 15. Oktober 2019, 10:14 Uhr
    Künstler stellen aktuellen Themen in den Vordergrund

    KIL Ausstellung „Das große Fressen“ eröffnet

    Die Besucher bestaunten die Werke in den Räumen der KIL. Foto: Petra Gahabka


    HOFHEIM – Unter dem Titel „Das große Fressen“ ist am Freitagabend in den Räumen der Künstlerinitiative Lampertheim (KIL) eine Ausstellung der besonderen Art eröffnet worden. Zehn Künstler haben das ebenso schwierige wie aktuelle Thema Gier in den Fokus der Betrachtung gestellt und in vielfältiger Weise reflektiert. Die Werke kritisieren, rütteln wach und fordern zum Handeln auf. Marco Ferreris Skandalfilm „Das große Fressen“ von 1973, in dem vier gestandene Männer mittleren Alters die orgiastische Befriedigung suchen und des Lebens überdrüssig, sich munter zu Tode fressen, sei zeitgemäßer denn je, befand Dr. Bernd Kalusche, der gemeinsam mit Bernhard Hossner die Ausstellung organisiert hat. Das Thema habe sich wie Mehltau auf alle Bereiche des Lebens ausgedehnt, die Gier sei allgegenwärtig geworden. „Wir sind mit Selbstoptimierung beschäftigt, wir werfen Lebensmittel weg, kaufen ohne die Frage, ob wir es brauchen.“ Protzen, Fressen und Ignoranz, brachte es Kalusche auf den Punkt. Auf der Suche nach Ursachen für dieses Verhalten war er bei Psychologen und Neurobiologen fündig geworden. Die einen machten die zunehmende Infantilisierung der westlichen Bevölkerung verantwortlich, die anderen das Gehirn des Menschen, das darauf programmiert sei, grundlegende Ziele zu verfolgen, die seinem Überleben dienen: essen, sich fortpflanzen, Macht gewinnen - und dabei möglichst wenig Energie aufwenden. Doch all diese „Entschuldigungen“ nützten nichts, es sei an der Zeit sich zu vergegenwärtigen, dass der Mensch sich selbst bedroht und lernfähig sein müsse. Im Ausstellungsraum betätigt sich ein Gast an Bernhard Hossners Bewegungsobjekt, das den Titel „Ruf der Schnitzel“ trägt, Kurbelwelle und Kolben lassen die Plüschtierchen quicken. Die Realität – zu der auch gehört, dass im Jahr 2018 laut Statistischem Bundesamt über 56 Millionen Schweine geschlachtet wurden - möchte man sich da eher nicht vorstellen. Mit Acrylfarben hat die Ladenburgerin Cornelia Komor einen wahren Bilderbuch-Hamburger auf die Leinwand gebracht, die Botschaft: Eat me. Daneben hängt ein Hemd in der Größe XXXXL, davor ein Metallobjekt, das zwei Unterernährte darstellt. Beide Werke tragen die Aufschrift „Feed me“. Rita Rössling aus Hüttenfeld präsentiert in zahlreichen weißen Rahmen kleine Zeichnungen und Gegenstände, „Phagozyten“, so der Titel, sind sogenannte Fresszellen, die Gewebs- oder andere Teile aufnehmen und verdauen können. Unter dem Motto „Wir Oberlehrer“ hebt Bernd Kalusche augenzwinkernd den Zeigefinger, rosefarbene Lilien auf schwarzem Hintergrund umrahmen die Schrift „Memento mori“, bedenke das Ende. „Groß verspachtelt Klein“ ist Thema auf Silke Steinerts Triptychon, Axel Taegen aus Helsinki stellt fest, dass der Mensch die Natur braucht, die Natur den Menschen jedoch nicht. Die Arbeiten der zehn Künstler sind vielschichtig wie das Thema selbst und fördern auch beim Material Interessantes zutage. So entpuppt sich das ästhetisch wirkende „Premium dog food objekt“ von Mario Urlaß auf den zweiten Blick als Hundefutter mit getrockneten Schweineohren und Hühnerfüßen. Bernhard Hossner zeigte sich bei der Vernissage angesichts der regen Gespräche, die die Gäste mit den Künstlern und untereinander führten, sehr zufrieden. Die Ausstellung in den Räumen der KIL, Schulstraße 4, kann bis zum 7. November jeden Donnerstag von 18 bis 20 Uhr sowie nach Vereinbarung besucht werden. Petra Gahabka

     

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