Die Gratiszeitung für Lampertheim und das hessische Ried
Sie sind hier: Startseite » Nachrichten » Kinder der 3. und 4. Klassen der Schillerschule erhielten ungewohnte Einblicke
So., 19. Januar 2014, 14:11 Uhr
„So leben Kinder in Ghana“ – Wibke Herbert war dort und sprach über ihre Erlebnisse
Kinder der 3. und 4. Klassen der Schillerschule erhielten ungewohnte Einblicke
Großes Interesse zeigten die Kinder der drei 3. und 4. Klassen der Schillerschule beim Vortrag von Wibke Herbert über das Leben von Kindern in Ghana. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – „Könnt ihr euch vorstellen, wie die Kinder in Ghana leben?“ Eine Frage, die wohl nicht einmal viele Erwachsene wirklich gut beantworten könnten. Aber die Kinder der dritten Klassen der Schillerschule hatten einige Ideen. Haben sie dort nichts zu essen? Wohnen sie in Häusern aus Blech? Oder auch die Überlegung, ob Elefanten ins Haus trampeln. Ein Kind fragte: Kostet die Schule etwas? Wibke Herbert machte deutlich, nicht Blech und Elefanten sind das Problem, auch die sechsjährige Grundschule ist kostenlos – aber die Schuluniformen sind teuer und die großen Familien mit vielen Kindern können sich oft auch einen Bleistift nicht leisten. Obwohl der umgerechnet nur zwanzig Cent kostet. Viele bunte Stühle waren am Freitagmorgen in der Mensa der Schillerschule schön aufgereiht, so konnten die jeweils etwa 60 Kinder aus der drei 3. und 4. Grundschulklassen dem Bildervortrag von Wibke Herbert zum spannenden Thema „So leben Kinder in Ghana“ aufmerksam folgen. Eine ganze Stunde stand zur Verfügung, damit Wibke Herbert auch alle aufkommenden Fragen beantworten konnte. Wie für die Grundschulkinder in Ghana beginnt die erste Schulstunde um acht Uhr früh, aber dann zeigen sich schon die ersten Unterschiede. In Ghana, ob in der Hauptstadt Accra oder auf dem Dorf wie in New Ebu, haben die Schulkinder keine Stühle, sie sitzen von acht Uhr morgens bis vier Uhr nachmittags auf dem Boden und hören dem Lehrer zu. Oft gibt es nicht einmal ein Schulhaus, dann findet der Unterricht im Freien, zum Beispiel unter einem Baum statt. Und wenn es regnet, gehen alle Kinder nach Hause. Alles, was die Lehrer an die Tafel schreiben, es ist aber keine Schiefertafel, müssen sich die gut Kinder merken. Denn auch Hefte und Stifte haben sie meistens nicht. Rechenaufgaben werden daher in den Sand geschrieben. Aber trotzdem gehen die Kinder des westafrikanischen Landes Ghana gerne in die Schule. Das hat Wibke Herbert selbst vielfach erlebt, als sie dort bei ihren mehrmonatigen Aufenthalten in Schulen mitgeholfen und mit vielen Kindern gesprochen hat. Eine interessante Frage stellte sie den versammelten Drittklässlern: „Geht ihr gerne zur Schule?“ Die Antwort waren viele Hände, die in die Höhe schnellten, aber eben nicht alle Kinder scheinen von der Schule begeistert zu sein. Weil die Kinder in Ghana meistens so wenig haben, teilen sie, was sie geschenkt bekommen. Auch das hat Wibke Herbert immer wieder erlebt. Dabei gebe es auch keinen Streit. Ein Experiment mit fünf Kindern und einigen Tütchen mit Smarties zeigte, wie vorbildlich auch hier in Lampertheim das Teilen gehen kann. „Warum ist es so wichtig in der Schule zu lernen?“ Die drei anwesenden Klassenlehrerinnen Stefanie Sanna, Rita Weihmann und Beate Gründling hörten aufmerksam zu. Viele Antworten mit erstaunlicher Lebenserfahrung waren nun zu hören. Ein Junge meinte, bei der Feuerwehr in Lampertheim könne man nur Vorsitzender werden, wenn man schreiben und rechnen kann. Zum ersten Mal war Wibke Herbert vor sechs Jahren nach Ghana gekommen, weil sie für ihr Studium der Grundschulpädagogik ein Praktikum im fremdsprachigen Ausland absolvieren musste. Die 28-jährige Lampertheimerin entschied sich damals für Ghana, weil es ein politisch stabiles Land sei und wegen der geringen Kriminalität auch ungefährlich. In den Osterferien will sie wieder hinreisen, um im Dorf New Ebu in Kindergarten und Schule zu helfen. Im Unterricht werden Englisch und eine Stammessprache gesprochen, die Wibke Herbert mittlerweile sprechen kann und noch besser versteht. Im Kleinen zu helfen ist ihr Anliegen, deshalb gründete sie mit Gleichgesinnten im Mai letzten Jahres den eingetragenen Verein „Amebii Ghana“, dessen Vorsitzende sie auch ist. Rita Weihmann, stellvertretende Schulleiterin und Klassenlehrerin der Klasse 3a, hatte den Kontakt mit Wibke Herbert aufgenommen, die alle Schulen der Region angeschrieben hatte. Bis jetzt habe nur die Schillerschule Interesse an ihrem Vortragsangebot gezeigt, berichtet Wibke Herbert im Gespräch mit dem TIP. Hannelore Nowacki