Andrea Flory (Kinderfreundliche Kommunen e.V.), Bürgermeister Gottfried Störmer und der Erste Stadtrat Jens Klingler (vorne von links) unterzeichneten im Beisein von Vertretern aus Verwaltung und Politik den Vertrag zur kinderfreundlichen Kommune. Foto: Nadine Schütz
LAMPERTHEIM – Seit Jahrzehnten ist es keine neue Aufgabe für die Stadt Lampertheim, sich bei der Förderung von Kindern und Jugendlichen einzubringen. „Dass wir eine kinderfreundliche Stadt sind und eine kinderfreundliche Stadt bleiben wollen können wir heute in der vertraglichen Zusammenarbeit mit dem Verein Kinderfreundliche Kommunen e.V. fixieren“, freute sich Bürgermeister Gottfried Störmer. Somit trägt die Idee der Zertifizierung, die vom Sozialausschuss in die lokale Politik eingebracht wurde Früchte. Vertreter von Stadt und Politik wohnten der Vertragsunterzeichnung bei, mit der auch symbolisiert wird, dass sich Lampertheim dazu verpflichtet, in der Entwicklung zur zertifizierten kinderfreundlichen Kommune weitere Schritte zu gehen. Andrea Flory, die bereits 20 Jahre für den Verein Kinderfreundliche Kommunen e.V. tätig ist, kann bereits auf viele positive Erfahrungen in der Entwicklung dieses Projekts blicken. „Man muss sich Ziele setzen, um etwas zu erreichen“, sagte sie, „die Kinder sollen Mitspracherecht haben!“ Flory motivierte, das Modell zu leben, um die Kinderrechte im Alltag zu etablieren. Mit diesem Bündnis könne man auf die Erfahrungen des Vereins zurückgreifen und sich in die vorhandenen Netzwerke einklinken.
Rolf Hecher weiß um die Start-Schwierigkeiten des Themas: „Kinderrechte sind in der Politik ein Streitthema.“ Zumal mit der Zertifizierung auch Kosten anfallen, die rund 10.000 € betragen. Die Vorteile nannte er im selben Atemzug: „Wir müssen über den Tellerrand gucken. Wir können professioneller werden, weil man von außen einen Input generieren kann.“ Man werde das Projekt umsetzen, so Hecher weiter. Die Mittel seien zwar gebunden, aber man habe die Möglichkeit, das intern und personalneutral zu generieren. Störmer bestärkte: „Wir müssen jetzt den Input in die zukünftige Erwachsenenwelt einbringen, wenn wir politische Bildung implementieren wollen.“ Und Flory ergänzte: „Das ist Förderung der Demokratie.“ Erster Stadtrat Jens Klingler nannte es einen Treffer in der Diskussion um das Grundgesetz: „Für uns ist das ein so wichtiger Punkt, wir in Lampertheim sind in der Lage, das umzusetzen!“
Damit ist Lampertheim die 5. Kommune in Hessen, die sich dieses Siegel erarbeitet. Die Kooperation mit dem Verein ist zunächst auf vier Jahre festgelegt. Konkret heißt das, dass die Bedürfnisse lampertheimer Kinder anhand von Fragebögen ermittelt und durch den Verein analysiert werden. Zusammen mit Vertretern aus den unterschiedlichen Ressorts und Einrichtungen sowie der jungen Bevölkerung wird die Kommune einen Aktionsplan erarbeiten. Nach dessen Prüfung durch den Verein in etwa einem Jahr soll es dann soweit sein, dass Lampertheim stolz das Siegel „Kinderfreundliche Kommune“ tragen kann. In den folgenden drei Jahren soll der Aktionsplan umgesetzt werden – natürlich unter kontinuierlicher Mitgestaltung durch die lampertheimer Kinder und Jugendlichen. Nadine Schütz