
ROSENGARTEN – Fakt ist: Der kommunale Kindergarten im Lampertheimer Stadtteil Rosengarten ist seit 19. August vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen – bis ein neues Betreuungsteam gefunden und aufgebaut ist. In der öffentlichen Sitzung des Sozial-, Bildungs- und Kulturausschusses am 28. August teilte der Erste Stadtrat und Sozialdezernent Marius Schmidt die vorläufige Schließung mit. Zwar war den Eltern im Elternbrief vom 27. August mitgeteilt worden, dass die Kita Rosengarten mit eingeschränkten Öffnungszeiten zum 3. September wieder geöffnet werden sollte, so wie es mit dem Elternbeirat und „den Beschwerdeführern“ besprochen worden sei. Doch daraus wurde nichts wie die Eltern mit Schreiben des Magistrats vom 29. August erfuhren. Erster Stadtrat Schmidt teilte die Schließung des Kindergartens mit und dass sich die erste vorgestellte Lösung nicht habe umsetzen lassen. Letztlich gab es kein Personal mehr, das diese Aufgabe übernehmen wollte. Im gleichen Schreiben wurden die Eltern eingeladen, sich im Rahmen eines Elternabends genauer über den Lösungsansatz zu informieren. Es sollte lösungsorientiert nach vorne geschaut werden.
Beim Elternabend „sachliche und konstruktive Atmosphäre“ – 36 Kinder haben ab Montag ein Platzangebot
Von einer „sachlichen und konstruktiven Atmosphäre“ beim Elternabend in dieser sehr schwierigen Lage und außergewöhnlichen Situation sprach der Erste Stadtrat Marius Schmidt in seiner mündlichen Stellungnahme auf Nachfrage des TiP am Donnerstagvormittag. Als Neustart für die 36 Kinder habe ab Montag, 8. September, ein gesichertes Platzangebot in anderen städtischen Kitas organisiert werden können, deren Leitungen sich am Elternabend vorgestellt hatten. „Das war ein enormer Kraftakt“, betonte Schmidt. Den Eltern habe er sein Wort gegeben, dass nach dem vollständigen Aufbau der Kita Rosengarten mit neuem Team alle Kinder dort ein Platzangebot bekommen werden. Zu erwarten haben die Eltern für den Monat August ohne Betreuung den Erlass der Gebühren. In jeder Hinsicht sollen die Vorwürfe, die ihm seit Ende August vorliegen, geprüft und Lehren daraus gezogen werden.
Welche Vorwürfe stehen im Raum?
Was in den Monaten seit Frühjahr dieses Jahres in dieser Kita mit sieben Mitarbeiterinnen und 36 Kindern vorgefallen sein soll, ist nicht beweiskräftig gesichert, beruhte zunächst hauptsächlich auf Hörensagen. Zwei Mitarbeiterinnen hatten gegenüber dem Elternbeirat als Augenzeugen von Vorkommnissen berichtet, doch erst nach wochenlangem Zögern ihre Angaben dem zuständigen Fachbereich schriftlich vorgelegt, wie Schmidt erklärt. Dass die beiden Erzieherinnen sich nicht früher ihrer vorgesetzten Stelle offenbart und pflichtgemäß auf mögliche Missstände aufmerksam gemacht haben, bedauert Schmidt, wie er gegenüber dem TiP äußerte und deutlich machte, dass bei frühzeitiger Kenntnis wohl eine bessere Lösung als die jetzige möglich gewesen wäre. In der Konsequenz seien Mitarbeiterinnen versetzt worden, drei Mitarbeiterinnen hätten gekündigt. Zwei Erzieherinnen des Teams, die zunächst bereit gewesen seien, den Kita-Betrieb weiterzuführen, hätten ihr Angebot zurückgezogen, nachdem ihnen bekannt wurde, dass einige Mütter Bedenken bezüglich einer der beiden geäußert hatten. Ein Dilemma für alle Beteiligten.
Mütter erzählen, was sie bemerkt und gehört haben
Bemerkt hatten die Mütter im Laufe der Zeit geändertes Verhalten ihrer Kinder, die einen hatten Bauchschmerzen und wollten nicht in den Kindergarten gehen, andere weinten viel oder wollten nicht mehr alleine schlafen. Ein Kind kam mit einer Platzwunde am Kopf nach Hause, was mit einem Foto dokumentiert worden sei, ein anderes hatte blaue Flecken. Darüber soll die Kita-Leiterin jedoch kein Aufhebens gemacht haben, so die Beschwerdeführerinnen. Im Vertrauen auf die Leitung hätten sich die Mütter auf deren Auskünfte verlassen – bis ihnen weitere unfassbare Zustände berichtet worden seien: Vorschulkinder sollen angeblich als Aufsicht mit den jüngeren Kindern allein gewesen sein, Kinder hätten nicht zur Toilette gedurft oder das Essen sei verweigert worden mit der Bemerkung zum Kind, es sei sowieso zu dick. Vorfälle, die diese Mütter als Kindeswohlgefährdung und Psychoterror, als Verletzung der Aufsichtspflicht und Verweigerung menschlicher Bedürfnisse sehen, weit über ein Drangsalieren hinaus. Dass ihr Kind zu einem Wutanfall provoziert werden sollte, um es anderweitig unterzubringen, wurde ihr zugetragen, erzählte eine Mutter.
„Alle Vorwürfe wiegen schwer und werden von uns sehr ernst genommen“, erklärt Erster Stadtrat Schmidt auf Nachfrage. „Sollte das alles so vorgekommen sein, entspricht das nicht dem Standard und der Ethik, mit der wir unsere Einrichtungen führen. Es ist aber auch wichtig zu erwähnen, dass sich all diese Vorwürfe aktuell nicht zweifelsfrei klären lassen. Die Verwaltung tut alles dafür, die Fälle aufzuarbeiten und herauszufinden, was genau passierst ist.“ Über die angebotene Lösung, die 36 Kinder auf verschiedene Kitas in Lampertheim zu verteilen, sind diese Mütter nicht glücklich. „Wir fühlen uns komplett verarscht“, sagt eine Mutter aus dem Elternbeirat. Eine andere Mutter erklärte, man habe zwar Bedenken geäußert, aber trotzdem gewollt, dass die Kita mit den beiden Erzieherinnen weitergeführt wird. Die anwesenden Mütter sehen das Kindeswohl durch die neue Umgebung mit neuer Eingewöhnung gefährdet und wer kein Auto hat, könne sein Kind nicht bringen und holen. Ein Fahrdienst wäre nötig. Dass als Wunsch für die Aufteilung auf andere Kitas jeweils nur ein Freund genannt werden durfte, sorgt für weiteren Ärger, denn es gebe feste Freundesgruppen, die dann aufgespalten würden. Auch die Frage, wie es den Kindern geht, wenn die Kita in Rosengarten eines Tages wieder in Betrieb ist, treibt die Mütter um, wenn die Kinder sich wieder umgewöhnen müssen. Das Wort Katastrophe fällt öfter.
Hannelore Nowacki
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