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Di., 22. März 2022, 09:27 Uhr
HILFE FÜR DEN WALD: Waldbegeisterte Freiwillige beim „Internationalen Tag der Wälder“
Kleine Eichen sollen im Lampertheimer Wald groß werden
Im Bündel hält Jürgen Heumüller 25 kleine Eichen. Wie die noch unscheinbaren Bäumchen fachgerecht im Lampertheimer Wald gepflanzt werden und vieles mehr wollten seine freiwilligen Helfer wissen (von links): Werner Stollhof, Alexander Bauer, Jürgen Simon, Léandra und André Schmuck. Foto: Hannelore Nowacki
LAMPERTHEIM – Drei Bündel Eichen hatte Jürgen Heumüller für die Pflanzaktion am Internationalen Tag der Wälder am Montagvormittag im Kofferraum mitgebracht, in jedem Bündel 25 kleine Eichen. Die musste der Waldpädagoge und hauptamtliche Naturschützer von Hessen Forst nicht alleine einpflanzen – dem öffentlich Aufruf waren vier freiwillige Helfer mit Spaten gefolgt, verstärkt von der vierjährigen Léandra Schmuck, die ihren Papa André Schmuck begleitete und sich schon riesig freute. Die vier Männer outeten sich als Waldbegeisterte, die gerne im Wald unterwegs sind. Der Lampertheimer Werner Stoll geht am liebsten täglich in den Wald.Jürgen Simon aus Bensheim mit Lampertheimer Hintergrund ist auch im Urlaub im Wald unterwegs, während André Schmuck einen beruflichen Bezug zum Wald angibt. Landtagsabgeordneter Alexander Bauer (CDU) hat sich auch politisch mit der Waldsituation befasst und ist der Meinung, dass die Waldbewirtschaftung im Sinne von Nachhaltigkeit und Versorgung mit Rohstoffen sowie für die Arbeitsplätze wichtig sei. Im waldreichen Land Hessen werde mehr gepflanzt als man entnehme. Dass sich nur eine kleine Schar freiwilliger Pflanzer gefunden hatte, schade der Motivation keineswegs, beteuerte Heumüller. Die waldbegeisterten Helfer waren jedenfalls hochmotiviert und hörten den Ausführungen des Fachmanns zur Forstwirtschaft und den Auswirkungen des Klimawandels interessiert zu. „Ich betreue die schönsten Flächen der hessischen Bergstraße“, bekannte Heumüller, ein Arbeitsplatz, der ihm Freude mache. Aber auch hier leidet der Wald, erkennbar an den stark geschädigten Kronen im Altbestand der Eichen, dort wo jetzt die jungen Stieleichen die Lücken füllen. Grundwasserabsenkung, Maikäfer und Borkenkäfer und saurer Regen hätten über viele Jahre zu den Schäden geführt, dazu die Dürre in den letzten drei Jahren. Am „Internationalen Tag der Wälder“ wolle er den freiwilligen Helfern das Verständnis für den Wald näherbringen. Ein Förster müsse weit voraus denken, in Zeiträumen von Jahrhunderten, gab Heumüller zu bedenken, Kinder zum Beispiel hätten davon noch keine Vorstellung. Und er werde die Früchte seiner Arbeit nicht ernten und erleben. Förster müssten heute mit verschiedenen Baumarten experimentieren und hoffen, dass sie die richtige Wahl getroffen haben. Die frisch gepflanzten jungen Eichen würden sich an den Mangel an Wasser und Nährstoffen gewöhnen, während die alten Eichen absterben, wenn ihre Wurzeln in der gewohnten Bodentiefe kein Wasser finden. Forstwirtschaft sei wichtig, denn das Holz aus heimischen Wäldern werde nachhaltig produziert, für den Lampertheimer Stadtwald bestätigt durch die PEFC-Zertifizierung. Der Staatswald von Hessen Forst werde sogar zweifach zertifiziert. Die früher hier angelegten Monokulturen von Kiefern seien vor 80 Jahren vernünftig gewesen, meinte Heumüller, weil die Umweltfaktoren andere waren. Das Forstamt sei mit über 8.000 Hektar auch ein großer Jagdbetrieb, erklärte Heumüller, davon seien 2.500 Hektar verpachtet. Der Verkauf von Wildfleisch sei ein Selbstläufer geworden, jetzt werde ein größeres Kühlhaus gebaut. Weil Rehe gerne die frischen Triebe und Knospen der jungen Bäume fressen, werden jährlich 400 Rehe zur Strecke gebracht, außerdem 800 Wildschweine. Vom Parkplatz beim Forstamt Lampertheim ging es nach dem Vortrag etwa einen Kilometer Richtung Neuschloß in den Wald hinein, dorthin wo ein alter Eichenbestand neuen Beistand für die kommenden 180 bis 200 Jahre benötigt. Denn so lange dauert es, bis aus den dünnen Eichenstämmchen starke Eichen geworden sind, die dann geerntet werden können. In diesem Jahr werde das Forstamt 100.000 junge Bäume pflanzen, das Stück koste etwa drei Euro. Auf das richtige Pflanzen komme es an, erklärte Heumüller, für die wenigen Bäumchen reichten die mitgebrachten Spaten. Die Fachleute greifen zu Kraft sparenden Werkzeugen wie Wiedehopf-Haue und den gebogenen Hohlspaten. In einer Pressemitteilung bedankte sich HessenForst bei den 1.300 Freiwilligen, die zum „Internationalen Tag der Wälder“ die Wiederaufforstung in Hessen unterstützten.Rund 5,5 Millionen kleine Bäume will der Landesbetrieb dieses Jahr in den Boden bringen. Hannelore Nowacki