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Do., 04. Juni 2020, 11:23 Uhr
Walter Wiedemann seit 25 Jahren Erster Stadtrat im Ehrenamt
Kleine Feier mit großer Wertschätzung für herausragendes Wirken
Kein Herzen, keine Umarmung für den Ersten Stadtrat Walter Wiedemann – aber mit Humor kann man auch Abstand halten beim Gratulieren. Bürgermeisterin Barbara Schader reichte ihm die Hand am Stiel. Foto: Hannelore Nowacki
BÜRSTADT – Die kleine Feier für den Ersten Stadtrat Walter Wiedemann war Ausdruck eines herzlichen Dankeschöns und eine Überraschung für den Lokalpolitiker, der seit 1. Juni 1995 ehrenamtlich als Erster Stadtrat tätig ist. 25 Jahre Erster Stadtrat, seit 35 Jahren Mitglied des Magistrats und seit nahezu 50 Jahren in der Politik aktiv, das sind die Wegmarken seines ehrenamtlichen Wirkens. In dieser langen Zeit hatte der 67-jährige Walter Wiedemann viele Wegbegleiter wie die früheren Bürgermeister Alfons Haag und Horst Strecker, die am Dienstagabend gekommen waren, um mit ihm, seiner Ehefrau Margarita und der Familie, mit den Magistratsmitgliedern, Stadtverordnetenvorsteher, Fraktionsvorsitzenden, Mitarbeitern der Verwaltung, Landrat Christian Engelhardt, dem Bundestagsabgeordneten Dr. Michael Meisterund weiteren Gästen gemeinsam sein Wirken zu würdigen. Im großen Saal des Bürgerhauses ist viel Platz für große Veranstaltungen und kleine Feiern, die in diesen Zeiten der Coronakrise viel Raum brauchen. Lange sei auch nicht klar gewesen, ob die Feier in diesem Rahmen möglich sein würde, teilte Bürgermeisterin Schader mit. Doch die Überraschungsfeier für den Ersten Stadtrat Walter Wiedemann war nicht nur wegen der großräumigen Vereinzelung der Gäste im Saal eine neue Besonderheit, als Lokalpolitiker der CDU und als Mensch hat sich Walter Wiedemann bei seinen politischen und persönlichenWeggefährten wie auch bei Lokalpolitikern der anderen Parteien durch seine sachorientierte Arbeitsweise und sein ausgleichendes Wesen Ansehen und Sympathien erworben, wie in den Reden deutlich gemacht wurde. Ihre persönliche Verbundenheit über die rein politische Zusammenarbeit hinaus brachte Bürgermeisterin Schader in ihrer freien Rede zum Ausdruck, in der das herzliche „Du“ im Mittelpunkt stand. Eine Überraschung habe die Feier im Anschluss an die Magistratssitzung werden sollen, aber „vor Walter etwas geheim zu halten ist nicht einfach“, meinte sie. Schader vermittelte den Zuhörern in einem Überblick, wie facettenreich und vielfältig Walter Wiedemann sein Leben über die Jahrzehnte gestaltet hat, wie stark seine Liebe zu den Menschen und seiner Stadt, zu den Vereinen und der Kultur sei. Schatzmeister der CDU Bergstraße ist er bis heute, Vorsitzender des Kulturbeirates war er in den 90er Jahren und seit 2016 erneut. Kirchlich hat sich Wiedemann langjährig engagiert, seit 2007 bis heute ist er im Verwaltungsrat St. Peter. Von seinem Opa habe er die Liebe zu den Brieftauben mitbekommen, im Brieftaubenverein Heimatliebe ist er seit 1964 Mitglied, war einige Jahre im Vorstand. Über seinen Papa sei er 1958 zum TV Bürstadt gekommen, wo er im Handball und vier Jahre als 2. Vorsitzender aktiv war.
Erster Stadtrat Walter Wiedemann gab bekannt, dass er zum 31. März 2021 aus dem Magistrat ausscheiden werde. Foto: Hannelore Nowacki
Der christliche Glaube ist sein Fundament, weiß die Bürgermeisterin. Als verlässlicher Partner, der bei den Sitzungen im wirklichen Sinn präsent ist, der auch an den Wochenenden einen gefüllten Terminkalender hat, der nach Harmonie und Gerechtigkeit strebt, so kennt sie ihren Stellvertreter. Das alles sei nicht selbstverständlich, betonte Schader, und auch Margarita, seit 42 Jahren die Frau an seiner Seite, sei dieses Wirken zu verdanken: „Danke euch beiden“. Ihre Zusammenarbeit beschreibt Schader getragen von blindem Vertrauen. Mit Worten wie bescheiden, präsent und ausgleichend beschreibt Schader ihren politischen Weggefährten. „Walter, du hast die Herzen der Menschen gewonnen“. In dieser Zeit der Coronakrise sei Wiedemann fast jeden Tag im Rathaus gewesen, bis heute sei der Erste Stadtrat bei allen Absprachen dabei. Und wenn Wiedemann bei der Urlaubsvertretung in ihr Büro einzieht, werde nicht nur der rote Teppich ausgerollt, das Büro werde aufgeräumt übergeben, auf dem Schreibtisch finde der Stellvertreter seine „Walter-Utensilien“ vor. Von Pfingsten hatte Schader zu Beginn gesprochen, einem Fest der Verständigung, auf den Geist von Pfingsten kam sie am Ende ihrer Rede noch einmal zurück. Ein großes Dankeschön folgte: „Danke im Namen der Bürgerschaft, danke an unsere Lichtgestalt“. Die goldene Figur für den Garten, bereits auf dem Gabentisch zu sehen: Buddha als Sinnbild der Ruhe und Erleuchtung, wie Schader erklärte. Stadtverordnetenvorsteher Jürgen Eberle stellte in seiner Rede fest: „Der Platz als Erster Stadtrat ist der richtige für dich“. Nicht ein Mann der großen Worte und markigen Sprüche sei der Erste Stadtrat, dem man gerne zuhöre. „Du hast die Politik sympathisch gemacht“. Bei den Wahlen habe Wiedemann mit Abstand die meisten Stimmen erhalten. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Franz Siegl hatte aus Sicht der SPD die Wertschätzung in Reime gefasst. „Seine Art ist besonnen, womit er viel hat gewonnen“, war zu hören. In persönlichen Begegnungen habe er Wiedemann immer als vertrauenswürdigen Menschen, als sehr verbindlich und verlässlich kennengelernt, sagte der Bundestagsabgeordnete Meister in seinem Grußwort. Landrat Christian Engelhardt, mittlerweile punktgenau eingetroffen, nannte Wiedemann eine „Verantwortungsperson“ und „eine ganz besondere Persönlichkeit“. Sein Erfolgsrezept sei „ganz sicher, seine Verbundenheit mit den Menschen vor Ort“. Zudem sein außerordentliches Fachwissen und „drittens seine große Ausgeglichenheit“. In seiner Dankesrede nannte Wiedemannseine Wahl zum Ersten Stadtrat rückblickend einen Wendepunkt in seiner politischen Laufbahn. Dennoch sehe er sich nicht als Politiker. „Im Magistrat habe ich Dinge machen können, die ich gerne gemacht habe – wir sind ein gut arbeitendes kollegiales Organ, sehr sachorientiert, um Lösungen zu finden“. Doch hätten sich die Prioritäten in seinem Leben geändert, vor allem seit er das Glück mit seinem Enkel erlebe.
Wiedemann, der länger als seine beiden Amtsvorgänger zusammen im Amt ist, wird am 31. März 2021 aus dem Magistrat ausscheiden und nicht mehr kandidieren, gab er in seiner Ansprache bekannt. Den Abstand nach den Corona-Regeln wahrend, standen anschließend der Genuss des kalten Büffets an den Einzeltischchen und die Gespräche im Mittelpunkt.Hannelore Nowacki
Information
Ehrungen für Walter Wiedemann: Bronzene Ehrennadel des Hessischen Handball-Verbandes (1987), Verleihung des Landesehrenbriefs (1995), Ratsherr (1999), Ehrenmitgliedschaft im TV 1891 Bürstadt, Silberrelief (2012), Hessischer Verdienstorden (2018).