BÜRGERVERSAMMLUNG: Entwicklung des Kaufland-Areals und Folgen für Rosengarten
Knackpunkt: Kaufland-Areal in Privatbesitz
Abbildung: Präsentation von Christian Pagelkopf (Stadt Lampertheim)
LAMPERTHEIM – Die große Liebe zu ihrem Stadtteil Rosengarten, die Freude dort zu leben, trotz aller Nachteile wie die Lasten durch die B 47 und die derzeitigen Zustände auf dem verwahrlosten ehemaligen Kaufland-Areal, dieses eindrucksvolle Bekenntnis zu ihrem Rosengarten brachten die Einwohnerinnen in ihren zahlreichen Redebeiträgen im Laufe der Bürgerversammlung zum Ausdruck. Ebenso machten sie deutlich, dass sie neue Einwohner, die auf dem Kaufland-Areal wohnen würden, sollte dort Wohnbebauung entstehen, sehr wohl in ihre Gemeinschaft integrieren könnten. Eine Überforderung sehen sie nicht, wie sie vonseiten der Stadtverwaltung unter anderem als Gegenargument zur Wohnbebauung vorgetragen wird. Das einzige Thema auf der Tagesordnung, „Information über eine mögliche Entwicklung auf dem Kaufland-Areal Rosengarten“, hatte offensichtlich eine große Zugkraft, die meisten der aufgestellten Stühle in der Hans-Pfeiffer-Halle waren besetzt. Anwesend waren Stadtverordnete und Mitglieder des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses sowie einige Magistratsmitglieder. Stadtverordnetenvorsteher Franz Korb (CDU) hatte die Bürgerversammlung in der Hans-Pfeiffer-Halle am Donnerstagabend einberufen und leitete die fast dreistündige Versammlung. Wie einige Stadtverordnete musste auch Bürgermeister Gottfried Störmer die Versammlung für einen anderen Termin vorzeitig verlassen. Korb zeigte sich beeindruckt von der Sachlichkeit der vorgetragenen Argumente und Debattenkultur. „Wir stoßen heute das Verfahren an, die Beschlüsse werden in der nächsten Woche in der Stadtverordnetenversammlung gefasst“, betonte Korb. Wie auch Bürgermeister Störmer bekräftigte er die Zielsetzung: „Wir wissen sicher, dass wir keine Logistik in Lampertheim haben wollen und werden“. Knackpunkt der gesamten Debatte ist die Tatsache, dass es sich bei dem Areal um Privateigentum handelt, ohne Einfluss durch die Stadt Lampertheim. Selbst die Dreckbeseitigung und Rattenabwehr sei Aufgabe des Eigentümers, erklärte Störmer. Wie sich im Laufe der intensiven und detailreichen Diskussion zeigte, waren die Einwohner des kleinen Lampertheimer Stadtteils Rosengarten stark vertreten. Vorwiegend die Einwohnerinnen gingen ans Mikrofon, trugen Vorschläge zur Entwicklung des ehemaligen Kaufland-Areals und des Stadtteils vor und sparten dabei nicht mit Kritik an den vorliegenden Stellungnahmen. Mit inhaltlichen Schärfen hatten sich der Bürgermeister und der Fachdienstleiter Stadtentwicklung Christian Pagelkopf auseinanderzusetzen, teilweise fühlte sich der Vertreter der Investoren, Heiko Richter, Managing Director beim Immobilienentwickler Scannell Properties, persönlich und in der Sache angegriffen. Entsprechend konterte er diese Redebeiträge. Auch wies er darauf hin, dass im Saal erkennbar die Jugend, auch die Parteijugend nicht vertreten sei, ein Nachteil für die Zukunft. Der besonders anfänglich deutliche Ärger in den Redebeiträgen der Rosengarten-Einwohnerinnen resultierte erklärtermaßen aus dem Verlauf und Äußerungen in der Sitzung des Stadtentwicklungs- und Bauausschusses (SEBA) am vergangenen Donnerstag. Dort hatte Richter bereits seine Nutzungsideen für eine Gewerbeansiedlung präsentiert und Bürgermeister Störmer festgestellt, dass er für eine Wohnbebauung und teilweise Renaturierung des Kaufland-Areals keine Chance sehe. In diese Richtung gingen auch seine Ausführungen in der Bürgerversammlung. Mit Altlasten der früheren Ziegelei und anderen vergrabenen Abfällen aus Worms von einer damaligen Gerberei sei zu rechnen, andererseits könne und wolle die Stadt Lampertheim die Kosten für eine Prüfung nicht übernehmen, da das Gelände in Privatbesitz sei. Klar ist nach Aussage aller Seiten, dass es für großflächigen Einzelhandel aus Gründen der Verkehrsanbindung dort keine Interessenten gibt. In seiner Präsentation beschrieb Fachdienstleiter Stadtplanung Pagelkopf die drei möglichen Nutzungen des über 10 Hektar großen Kaufland-Areals, von denen zwei jedoch komplexe rechtliche Änderungen voraussetzen würden. Im derzeit gültigen Bebauungsplan „Auf der Laubwiese“ sind die Flächen als Sondergebiet Einzelhandel klassifiziert. Für eine gewerbliche Entwicklung, wie von Richter vorgetragen, wäre eine Änderung des Flächennutzungsplans und Bebauungsplans notwendig. Auch für eine Wohnbebauung müssten baurechtliche Änderungen durchgeführt werden. Umfangreiche Vorsorgemaßnahmen zu Lärmschutz und Altlasten wären nötig. Mit einer Auflistung von „Pro“ und „Contra“ hatte Pagelkopf die zu erwartenden Problemfelder benannt, was von mehreren Rednerinnen als zu „Contra“-lastig kritisiert wurde. Giftige Altlasten im Boden würden die Firma Scanell nicht abschrecken, man habe damit in Deutschland viel Erfahrung, teilte Richter mit. Dass die Vorschläge und Ideen aus dem Kreis der Einwohnerschaft des Stadtteils Rosengarten weit über den aktuellen Sachstand hinausgingen, wurde mehrfach von den Fachleuten auf dem Podium betont. Zur Erklärung sagten einige Rednerinnen, sie wollten verhindern, dass Fakten geschaffen werden. Lieber jetzt als zu spät wollen sie ihre Einwände und Vorschläge einbringen. Hannelore Nowacki